FeedManlius
GeschichteBrockhaus 1882

Manlius ist der Name eines röm. patricischen Geschlechts. Marcus M., Konsul 392 v. Chr., wenn der M., der damals Konsul war, nicht vielmehr Aulus hieß, war, als Rom 390 von den Galliern eingenommen und nur das Kapitol noch nicht erobert war, der Sage nach in der Nacht, wo die Gallier an dem Felsen hinangeklettert waren, der erste an der bedrohten Stelle, warf den Gallier, der schon die Höhe erstiegen hatte, 4180 und vereitelte so den Anschlag der Feinde. Angeblich erhielt er davon den Beinamen Capitolinus; allein sein Geschlecht führt diesen in den Magistratslisten schon vor ihm, weil sein Haus auf dem Kapitol stand. Durch Mitleid, vielleicht auch durch Eifersucht gegen den von den Patriziern erhobenen Camillus getrieben, nahm er sich, wie erzählt wird, 385 der durch das Schuldrecht hart bedrückten Plebejer an, deren er viele aus eigenen Mitteln von der Schuldknechtschaft befreite, und für die er auf Ackerverteilung und Schuldentilgung antrug. Der Diktator Aulus Cornelius Cossus ließ ihn in den Kerker werfen, gab ihn aber wieder frei, als Aufruhr von den Plebejern, die M. als ihren Patronus feierten, drohte. Aber 384 wurde er beschuldigt, nach dem Königtum zu streben. Vor den Centuriatcomitien angeklagt, besetzte er nach Dio das Kapitol mit seinen Anhängern, worauf Camillus gegen ihn zum Diktator ernannt wurde; doch ein verräterischer Sklave stürzte ihn herab. Nach andern Erzählungen geschah dies auf Volksurteil durch die Tribunen, nach noch andern wurde er nach altröm. Brauche zu Tode gepeitscht. Sein Haus wurde geschleift, von dem Geschlecht selbst aber der Zuname Marcus für immer verpönt. Vgl. Mommsen im fünften Bande des Hermeso (Berl. 1871). Titus M. erlegte als Kriegstribun 361 v. Chr. im Zweikampfe am Anio einen riesenhaften Gallier und bewog dadurch die Feinde zur Umkehr. Von der Halskette (torques) des Getöteten, mit der er sichh schmückte, erhielt er den Beinamen Torquastus, der seiner Familie verblieb. In seinem dritten Konsulat 340 hatte er mit Publius Decius Mus die Führung des Latinischen Kriegs; gegen das Gebot der Konsuln ließ sein Sohn sich in Zweikampf mit einem Latiner ein und errang den Sieg; der Vater aber brachte ihn der Strenge der Kriegs-⸗ zucht zum Opfer und ließ ihn hinrichten, wovon die sprichwörtliche Benennung strenger Gebote durch Manliana imperia herrühren soll. Er gewann, nachdem Decius (s. d.), sein Kollege, sich für das Vaterland geopfert hatte, die Schlacht am Vesuvius und vernichtete die Trümmer des latinischen Heers, die dessen Feldherr Numisius ihm noch einmal entgegenstellte, in einer zweiten Schlacht bei Trifanum zwischen Sinuessa und Minturnä. Letztere Schlacht allein ist als histor. Thatsache zu bezeichnen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 413Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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