FeedManutius (Aldus)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Manutius (Aldus), ital. Manuzio, Manuzzi, oder Manucci, auch Aldus Romanus (wegen der Nähe seiner Geburtsstadt bei Rom), ein um die erste Herausgabe der alten griech. Klassiker sehr verdienter ital. Buchdrucker, geb. um 1449 zu Bassiano bei Velletri, studierte hier, zu Ferrara und Rom, wurde dann Erzieher des jungen Fürsten von Carpi, Albertus Pius, der ihm den Beinamen Pius beilegte. Im J. 1482 begab er sich nach Mirandola. Erst im männlichen Alter studierte er das Griechische zu Verona, worauf er mit Beihilfe der Fürsten von Carpi 1488 in Venedig eine Druckerei anlegte. In seinem Streben, die noch sehr spärlich gedruckten griech. Meisterwerke zu drucken, wurde M. durch eine Anzahl von flüchtigen griech. Gelehrten unterstützt, die in des Aldus Druckerei eine zweite Heimat gefunden hatten und mit denen er 1501 eine förmliche Akademie gründete, die sich zwar bei seinem Tode auflöste, aber dann als Accademia della fama wieder erstand. M. vervollkommnete die Buchdruckerkunst ungemein. (S. Aldinen.) Man verdankt ihm 28 Editiones principes von griech. Klassikern. Seine ersten griech. Bücher: «Das Gedicht des Musäusv, «Die Galeomyomachiev, ein kleiner Psalter und die Grammatik des Laskaris erschienen w1494. Von seinen eigenen Schriften sind bemerkenswert die Institutiones grammaticae Graecaen (1515), das Dictionarium Graecumo (1497, Bas. 1519 u. öfter), Institutiones Graeco-Latinaep (1501 und 1508) und die UIntroductio perbrevis ad Hebraicam linguamo (zuerst mit Laskaris' Grammatik 1501). Er starb 7. Febr. 1515. Sein dritter Sohn, Paulus M., geb. zu Venedig 12. Juni 1511, studierte besonders die lat. Sprache, die er vortrefflich schrieb. Er übernahm 1533 seines Vaters Buchdruckerei in Venedig, erst in Gemeinschaft mit seinen Onkeln, Franz und Friedrich Torregiani, und von 1542 an allein. Er wandte sich vorzugsweise den lat. Autoren zu, besonders dem Cicero. Im J. 1561 zog er nach Rom über, wo ihm Pius IV. den Druck der Kirchenväter nach den Handschriften der vatikanischen Bibliothek übertrug. Er starb in Rom 6. April 1574. Seine Ausgaben griech. und röm. Klassiker sind hochgeschätzt; unter seinen eigenen Schriften zeichnen sich seine Epistolae et praefationeso (1558 u. öfter) aus. Aldus M., der Jüngere, der Sohn des vorigen, geb. 13. Febr. 1547, machte seine Studien in Rom bis 1565, dann in Padua und ging hierauf nach Venedig. Sein gelehrter Ruf verschaffte ihm Lehrstühle in Venedig, Bologna, Pisa und Rom. Im J. 1590 übertrug ihm Clemens VIII. die Leitung der Typographia vaticana. Er starb 28. Okt. 1597 in Rom. Mit ihm erlosch der Ruhm der Aldinischen Presse. Man hat von ihm Anmerkungen zum Vellejus Paterculus, Horaz, Sallust und Eutrop und mehrere Abhandlungen über röm. Altertümer, welche sich in Grävius' und Sallengres Thesaurusso finden. Die Ausgaben, welche aus den Druckereien der M. hervorgingen, nennt man Aldinen (s. d.). Vgl. Renouard, «Annales de l'imprimerie des Aldeso (3. Aufl., Par. 1834); Schück, «Aldus M. und seine Zeitgenossen (Berl. 1862); Didot, «Alde Manuce et FPhellénisme à Venises (Par. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 426Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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