FeedMareellus
GeschichteBrockhaus 1882

Mareellus ist der Name einer röm. plebejischen Familie, die den Geschlechtsnamen der Claudier (s. Claudius) führte und zu den angesehensten der Republik gehörte. Am meisten ragt unter den Gliedern dieser Familie Marcus Claudius M. hervor, der durch seine Thaten im zweiten Punischen Kriege sich den Namen des Schwerts, wie Fabius den des Schildes der Römer erwarb. Schon 222 v. Chr. hatte er, da er das Konsulat zum ersten mal bekleidete, die Niederlage der cisalpinischen Gallier durch seinen Sieg über die Insubrer entschieden und von deren Anführer Virdumarus, den er selbst erlegte, die seltenen spolia opima (s. Spolien) erbeutet. Im zweiten Punischen Kriege focht er zuerst 216 als Prätor siegreich gegen Hannibal bei Nola in Campanien. Auch 215, wo er das zum zweiten mal erhaltene Konsulat wieder niederlegte, weil die Augurn ein ungünstiges Zeichen bei der Wahl wahrgenommen haben wollten, die zur Folge gehabt hätte, daß das Konsulat zu gleicher Zeit zwei Plebejer bekleideten, schlug er den Hannibal von Nola zurück. Zum dritten mal wurde er 214 Konsul und mit dem Kriege gegen Syrakus beauftragt. Des Archimedes Maschinen vereitelten seinen Versuch, die Stadt zu stürmen; sie hielt sich bis 212, wo sie endlich von M. erobert wurde, der hierauf auch das übrige Sicilien durch seinen Sieg über Hanno und den Syrakusaner Epikydes bei Agrigent den Römern unterwarf, außer Agrigent selbst, das erst 210 von Marcus Valerius Lävinus eingenommen wurde. Zum vierten mal 210 Konsul, stand er dem Hannibal wieder gegenüber. Die Schlacht bei Numistro in Lucanien blieb unentschieden. Bei Canusium in Apulien siegte Hannibal 209 anfangs über M., verlor aber das am nächsten Tage von M. erneuerte Treffen. Seinen Untergang fand er 208, wo er zum fünften mal das Konsulat bekleidete. Mit seinem Kollegen Titus Quinctius Crispinus geriet er nämlich zwischen Venusia und Bantia in Apulien in einen Hinterhalt Hannibals; jener rettete sich, starb jedoch bald darauf an den empfangenen Wunden. M. selbst fiel im Gefecht. In den letzten Zeiten der Republik waren die Marceller eine der Hauptstützen der Nobilität gegen Cäsar. Marcus Claudius M., Konsul 51 v. Chr., riet 49 vergebens dazu, erst ein Heer aufzustellen, bevor der Krieg gegen Cäsar erklärt würde. Er begleitete darauf den Pompejus und floh nach der Schlacht bei Pharsalus nach Mitylene. Cäsar begnadigte ihn ohne sein Verlangen 46 im Senat, wo Cicero eine Rede für ihn (Pro Marcellos) hielt, die noch vorhanden ist. Er wurde aber auf der Rückkehr nach Italien 45 zu Athen von einem Begleiter ermordet. — Sein Bruder, Gajus Claudius M., Konsul 49, fiel im Bürgerkriege. — Gajus Claudius M., Sohn des Oheims der vorigen, war 50 Konsul, zog sich aber beim Ausbruche des Kriegs auf sein Landgut bei Liternum zurück und lebte auch nach Cäsars Tode entfernt von Staatsgeschäften, bis er um 40 starb. Seine Gemahlin war Octavia, die Tochter von Cäsars Nichte Atia und die Schwester des Octavianus Augustus. — Der Sohn von Gajus Claudius M. und Octavia war Marcus Claudius M., geb. 43 v. Chr., der von seinem Oheim Octavian adoptiert und 25 mit Julia, seiner Tochter, vermählt wurde. Als curulischer Adil erkrankte er 23 und starb zu Bajä, nicht ohne daß der Verdacht sich erhob, er sei von Livia vergiftet, die durch seinen Tod für die Nachfolge ihrer Söhne habe Platz schaffen wollen. Augustus ließ ihn auf dem Marsfelde begraben, hielt ihm selbst die Leichenrede und weihte seinem Andenken im J. 11 das Theatrum Marcellio, von dem noch jetzt Reste erhalten sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 434Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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