Servilier war der Name eines röm. Geschlechts, welches patricische und plebejische Familien in sich schloß. Unter den erstern erscheinen die, in welchen sich die Beinamen Priscus Structus und Structus Ahala finden, im 5. und 4. Jahrh. v. Chr. in den Magistratsfasten durch mehrere Konsuln und konsularische Kriegstribunen vertreten. (über den Magister equitum Gajus Servilius Ahala s. unter Cineinnatus.) Eine patricische Familie war auch die, welche den Zunamen Cäpio führte. Zu dieser gehörte unter andern Quintus Servilius Cäpio, der judiciaria) beantragte, aber, wie es scheint, nicht durchsetzte, das dem Senatorenstand das Richteramt, welches ihm durch das Sempronische Gesetz entzogen war, wieder verschaffen sollte. Im J. 105 wurde er als Prokonsul in der gallischen Provinz, wo er wohl schon das Jahr zuvor noch als Konsul den Tempelschatz von Tolosa beraubt hatte, mit dem Konsul Gnäus Mallius, dem er sich nicht unterordnen wollte und den er dann in das Ver—⸗ derben mit hineinriß, von den Cimbern an dem Rhöne in einer mörderischen Schlacht, in der 80 000 Römer fielen, geschlagen. Es wurde ihm deshalb vom Volke zu Rom sein Prokonsulat genommen und sogar sein Vermögen konfisziert. Ja er wurde hernach (in einem nicht sicher zu bestimmenden Jahre) nochmals, jetzt auch wegen des Raubes von Tolosa, auf den Tod angeklagt und starb dann im Exil. Zu der Familie der Cäpionen gehörte ferner die Servilia, welche die Stiefschwester des Cato Uticensis und die Mutter des jüngern Brutus war. Eine andere Familie, die der Gemini, war anfangs patricisch, wurde aber Ausgang des 3. Jahrh. v. Chr. wenigstens zum Teil plebejisch. Aus ihr stammte Publius Servilius Vatia, der 79 v. Chr. Konsul war und darauf vom J. 78 bis 76 als Prokonsul in Kleinasien mehrere feste Plätze der Seeräuber an der Südküste zerstörte und im Kriege gegen die Isaurier, über die er siegte, zuerst mit einem röm. Heere den Taurus überschritt. Er führte davon den Ehrennamen Isauricus. „Plebejische Familien der Gens Servilia waren die durch die Zunamen Glaucia, Rullus und Casca bezeichneten. Gajus Servilius Glaucia gab 111 als Volkstribun ein Gesetz über widerrechtliche Erpressungen (Lex Servilia repetundarum), welches das gerichtliche Verfahren bei der Anklage auf dieses Verbrechen abkürzte. Als Prätor 100 fand er mit Saturninus (. d.), dessen Partei er angehörte, den Tod. — Publius Servilius Rullus brachte als Volkstribun im Interesse Cäsars, der das Volk auf Unkosten des Staatsschatzes für sich gewinnen wollte, einen Gesetzesvorschlag auf Verteilung des campanischen Staatslandes und vieler anderer Ländereien ein, die aus dem Erlös vom Vern 40 Staatsländereien im gesamten Römischen eich gekauft werden sollten. Der Vorschlag wurde aber von Cicero als Konsul 63 in drei noch erhaltenen Reden (De lege agraria) mit Erfolg bekämpft. — Publius Servilius Casca, zum Volkstribunen für 43 v. Chr. bestimmt, gehörte zu den Verschworenen, die den Cäsar ermordeten. Er führte den ersten Stoß gegen Cäsar, welcher ihn mit dem Griffel verwundete, worauf er entfloh; er fiel 42 bei Philippi.