Marie Antoinette (Josephe Johanna), Königin von Frankreich, Gemahlin Ludwigs XVI., Tochter der Kaiserin Maria Theresia und des Kaisers Franz I., wurde 2. Nov. 1755 zu Wien geboren und schon 16. Mai 1770 mit dem Enkel Ludwigs XV. vermählt, der durch den Tod seines Vaters Dauphin geworden war. Die Unglücksfälle, die ihre Vermählungsfeierlichkeiten begleiteten, und die Intriguen des Hofs, die sie sogleich umspannen, verbitterten die Lage der jungen Prinzessin. Nachdem Ludwig XVI. 1774 den Thron bestiegen hatte, zog sich die Königin den Vorwurf zu, daß sie sich maßlos den Vergnügungen und ihren Günstlingen überlasse. Im J. 1778 ward sie zum ersten mal Mutter, und dies gab dem Anhange des Grafen von Provence (Ludwig XVIII.), der auf die Thronfolge spekulierte, aufs neue Gelegenheit, die Sitten M.s zu verdächtigen. Die berüchtigte Halsbandgeschichte (s. Lamothe) machte endlich die zwar unvorsichtige, aber schuldlose Königin vollends zum Gegenstand übler Nachreden. Als die Revolution begann, war darum M., trotz ihrer Herzensgüte, schon sehr unpopulär, und bald knüpfte sich an den Namen «I'Autrichienne, wie man sie bezeichnete, der blinde Haß fanatisierter Volksmassen. Schon bei den Vorgängen des 5. und 6. Okt. (1789) zu Versailles, wo der Pöbel in ihr Schlafzimmer eindrang und sie kaum Zeit fand zum König zu entrinnen, schwebte ihr Leben in Gefahr. Hierauf ward sie gezwungen, mit ihrem Gemahl, ihren beiden Kindern und ihrer Schwägerin, der Prinzessin Elisabeth, die Tuilerien zu beziehen. Sie vor allem betrieb den Fluchtversuch vom 21. Juni 1791, der so unglücklich verlief, Zugleich arbeitete sie an den Schritten mit, 9 die österr.⸗preuß. Invasion zur Rettung des Throns und der königl. Familie einleiteten, die aber gerade das Gegenteil bewirkte. Bei den Aufständen vom 20. Juni und 10. Aug. 1792 blieb siedem König mutig zur Seite, erschien mit diesem in der Nationalversammlung und teilte hierauf die Gefangenschaft im Temple. Beim Beginn des Prozesses gegen den König trennte man sie von diesem, den sie nur noch inmal kurz vor seiner Hinrichtung wiedersah. Im Juni 1793 nahm man ihr auch die Kinder, und 2. Aug. versetzte man sie in ein einsames Gefängnis nis, dessen Frau und der Marquis Rougeville suchten sie hier zu retten, büßten aber das Unternehmen mit dem Leben. Nachdem sie 4. Okt. zuerst insgeheim verhört worden, ward sie 13. Okt. vor das Revolutionstribunal gestellt. Sie verteidigte sich mit großer Würde, und Gleiches thaten ihre beiden vom Gericht bestellten Verteidiger, Trongon-Ducoudray und Chauveau-Lagarde. Dennoch wurde sie 16. Okt., morgens 4 Uhr, zum Tode verurteilt und starb mittags 1 Uhr unter der Guillotine. Ihre Leiche wurde auf dem Kirchhofe Madeleine in das Grab gelegt, in dem neun Monate vorher ihr Gemahl bestattet worden war; nach der Restauration setzte man aber die Reste beider in der Königsgruft zu St.⸗Denis bei. Unter ihren Porträts zeichnet sich das des Franzosen Vigier Lebrun, durch Naturwahrheit noch mehr das des Schweden Roßline aus; bekannt ist das Gemälde von P. Delaroche, welches die Königin vor ihren Richtern darstellt. Ihr Sohn, der Dauphin, von den Royalisten als Ludwig XVII. proklamiert, starb 1795 durch schmachvolle Behandlung; ihre Tochter ward später Herzogin von Angouléme. Zwei andere Kinder starben im frühesten Alter. Vgl. Prudhomme, «Les crimes de M., ete.v (Par. 1793), eine revolutionäre Parteischrift; Madame de Campan, XMémoires sur la vie privée de la reine M.v (5. Aufl., 4Bde., Par. 1824 u. öfter); Goncourt, MHistoire de M.v (3. Aufl., Par. 1863; deutsch, Wien 1867); Campardon, «M. à la Conciergerien (Par. 1862) und M. et le procès du colliero (Par. 1863); Huard, «Mémoires sur M.o (Par. 1865); Lescure, M. et sa familler (3. Aufl., Par. 1872); Chambrier, «M., reine de France (2 Bde., Par. 1868); Nonge, Life of M.v (2 Bde., Lond. 1876). Auch L. Blanc in seiner «Histoire de la révolution française gibt bemerkenswerte Aufschlüsse, wenn auch sein Urteil einseitig parteiisch ist. Die von Hunolstein (Correspondance inédite de M.v, Par. 1864) und Feuillet de Conches ((Louis XVI, M. et Madame Elizabetho, 6 Bde., Par⸗ 1864—73) veröffentlichten Briefe der M. sind meist Fälschungen; authentisch dagegen sind die Publikationen von Arneth, «Maria Theresia und M. (Wien 1864), M., Joseph II. und Leopold II.5 (Wien 1866), und von Arneth und Geoffroy, XM. auch erschienen Lettres inédites de M.» (Par. 1876).