Elisabeth (Philippine Marie Helone von Frankreich, Madame), die Schwester Ludwigs XVI. und die Tochter des Dauphin Ludwig, des Sohnes Ludwigs XV. von Frankreich, und der Maria Josephine, Prinzessin von Sachsen, war zu Versailles 3. Mai 1764 geboren. Ihre beschlossene Verheiratung mit Kaiser Joseph II. zerschlug sich, ebenso die Vermählung mit dem Herzog von Aosta, weil man dessen Rang für sie nicht angemessen hielt. Eine innige Freundschaft verband sie mit ihrem Bruder, Ludwig XVI., der die ihm an Reinheit der Gesinnung ebenbürtige, an Festigkeit des Charakters voranleuchtende Schwester oft zu Rate zog und ihr einen herrlichen Landsitz in Montreuil schenkte, wo sie fern von den Intriguen des Hofs einen großen Teil des Dand zubrachte. Beim Ausbruche der Revolution egab sie sich zur königl. Familie, deren Schicksale sie teilte. Auf der mißlungenen Flucht des Königs (1791) kam sie in große Gefahr, indem man sie für die Königin hielt. Alles Abmahnens ungeachtet begleitete sie den König und dessen Familie in die Nationalversammlung und ward 13. Aug. 1792 mit in den Temple abgeführt. Nach der Hinrichtung des Königs und der Königin schien sie mit ihrer Nichte, der Herzogin von Angouleme, deren Erziehung sie sich eifrig angelegen sein ließ, ganz in Vergessenheit gekommen zu sein, als sie 9. Mai 1794 von Fouquier-Tinville plötzlich vor das Revolutionstribunal gezogen und, außer der Teilnahme an den Verschwörungen der Capets, des Diebstahls der Krondiamanten zu diesem Zweck beschuldigt wurde. Am 10. Mai verurteilt und unmittelbar darauf nebst 24 andern zur Guillotine geführt, starb sie mit edelster Fassung. Vgl. de Beauchesne, La vie de Madame E.v (2. Aufl., Par. 1871).