FeedMarie Luise
GeschichteBrockhaus 1882

Marie Luise, die zweite Gemahlin Napoleons I., nach dessen Sturze Herzogin von Parma, Piacenza und Guastalla, geb. 12. Dez. 1791, war die älteste Tochter des Kaisers Franz I. aus dessen zweiter Ehe mit Maria Theresia, der Tochter des Königs Ferdinand von Neapel. Nach dem Kriege von 1809 von Napoleon zur Gemahlin erwählt, wurde sie zu Paris 2. April 1810 durch den Kardinal Fesch mit ihm getraut. Zu den Festlichkeiten, mit denen die Vermählung gefeiert wurde, gehört das mit einem verheerenden Brandunglück schließende Ballfest im Hotel des österr. Gesandten Schwarzenberg (s. d.). Im J. 1812 begleitete M. Napoleon nach Dresden zu der Monarchenzusammenkunft. Während der Kaiser in Rußland kämpfte, führte sie in Frankreich die Regentschaft, die sie, von einem Conseil berathen, auch 1813 und 1814 bekleidete. Am 20. März 1811 gebar sie einen Sohn, dem Napoleon den Titel eines Königs von Rom erteilte; doch mußte sie auf Napoleons Maria Sophie Amalie (Königin v. Neapel)- Befehl mit ihrem Sohne 29. März 1814 Paris verlassen und sich nach Blois begeben. Nach der Abdankung Napoleons lebte sie in Schönbrunn. Zu ihrem Oberhofmeister erwählte man den österr. General-Feldmarschalllieutenant Grafen von Neipperg (s. d.), mit dem sie sich 1822 in morganatischer Che vermählte. Am 17. März 1816 übernahm sie die Regierung der ihr, neben dem Titel kaiserl. Majestät, im Vertrage zu Fontainebleau zugesicherten Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla und hielt 20. April 1816 ihren Einzug in Parma. Ihr Sohn blieb in Wien und wurde 1818 vom Kaiser Franz zum Herzog von Reichstadt (s. d.) ernannt. Sie starb 18. Dez. 1847 zu Wien; die Herzogtümer gingen an den bisherigen Herzog von Lucca, den Bourbon Karl II. (s. d.), über. Vgl. Helfert, «M. Luise, Erzherzogin von Esterreich, Kaiserin der Franzosenv (Wien 1873); Wertheimer, „Die Heirat der Erzherzogin M. Luise mit Napoleon I.v (Wien 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 448Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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