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GeschichteBrockhaus 1882

Marmont (Auguste Frederic Louis Viesse de), Herzog von Ragusa, Marschall von Frankreich, nach Napoleons Urteil der beste Feldherr des ersten Kaiserreichs, geb. 20. Juli 1774 zu Chätillon-sur-Seine, kämpfte im Feldzug von 1795 am Rhein, 1796 als Bonapartes Adjutant in Italien, wo er sich namentlich bei Lodi (10. Mai) und Castiglione (5. Aug.) auszeichnete. Er begleitete Bonaparte 1798 nach Agypten, stieg bei der Wegnahme von Malta zum Brigadegeneral auf und kehrte 1799 nach Frankreich zurück. Nach dem 18. Brumaire trat er in den Staatsrat, führte im Mai 1800 die Reserveartillerie über den St.⸗Bernhard und erhielt nach der Schlacht von Marengo den Grad eines Divisionsgenerals. Im Feldzuge von 1805 begfehligte er zuerst in Holland und führte dann sein Armeekorps nach Deutschland, wo er bei der Einnahme von Ulm mitwirkte. Nach dem Frieden von Preßburg verteidigte er glücklich das Gebiet von Ragusa gegen die Russen und Montenegriner, schlug 31. Okt. 1807 bei Castelnuovo die Russen und verwaltete das Land bis 1809 zur großen Zufriedenheit Napoleons I., der ihm deshalb den Titel eines Herzogs von Ragusa beilegte. Im Kriege von 1809 vereinigte er seine Truppen mit der ital. Armee, traf bei dem großen Heere am Tage vor der Schlacht bei Wagram ein und erhielt nach dem Treffen bei Znaim (10. Juli), das er gewann, auf dem Schlachtfelde die Marschallswürde. M. verwaltete nun 18 Monate mit großer Umsicht die illyr. Provinzen als Generalgouverneur und übernahm 1811 an Massenas Stelle den Oberbefehl in Portugal. Hier bewirkte er die Verbindung mit Soult und 9on den Feind zur Aufhebung der Belagerung von Badajoz; dann nach dem Tejo sich wendend, hielt er Wellington 15 Monate im Schach. Doch wurde er 22. Juli 1812 von Wellington bei Salamanca geschlagen und hierbei verwundet. Im J. 1813 befehligte er das 6. Armeekorps bei Lützen, Bautzen und Dresden. In der Schlacht bei Leipzig wurde er 16. Okt. bei Möckern von Blücher geschlagen und dabei verwundet, verteidigte aber am 18. und 19. die Vorstädte. Nach dem Rückzuge erhielt er mit Victor und Maedonald den Auftrag, den Rhein zu verteidigen. In dem Feldzuge 1814 kämpfte er mit äußerster Anstrengung, wurde aber unter Napoleon bei Laon von Blücher geschlagen. Nach der Schlacht bei Paris (30. März) zog sich M. mit den Trümmern seines Korps nach Essonne bei Fontainebleau zurück, unterwarf sich 5. April der provisorischen Regierung und wurde dann von den Bourbonen mit Gunstbezeigungen überhäuft. Der Kaiser nahm ihn deshalb bei der Rückkehr 1815 in der allgemeinen Amnestie aus, sodaß M. die Flucht ins Ausland ergreifen mußte. Während der Hundert Tage hielt er sich zu Aachen auf, und nach der zweiten Restauration gab ihm Ludwig XVIII. die schon 1814 verliehene Pairswürde zurück und erhob ihn zum Majorgeneral der Haustruppen. Nachdem er 1817 die Unruhen zu Lyon unterdrückt, widmete er . fortan der Landwirtschaft. Beim Ausbruch der Revolution von 1830 erhielt er von Karl X. 26. Juli den Befehl über die 1. Militärdivision (Paris), zog sich am Abend des 29. mit 6000 Schweizern und einigen treu gebliebenen Bataillonen aus Paris zurück und beg eitete hierauf Karl X. in das Ausland. Im J. 1852 versuchte er als Unterhändler die Fusion der franz. Legitimisten mit den Orléanisten zu Stande zu bringen und starb 2. März 1852 ohne Nachkommen zu Venedig. Er wurde in Chätillon-sur-Seine beigesetzt. Seine hinterlassenen Memoiren (9 Bde., Par. 1856—57; deutsch von Burckhardt, 9 Bde., Halle 1857—58, und von Goldbeck, 4 Bde., Potsd. 1857—58) sind ein wichtiger Beitrag zur Zeitgeschichte. Von seinen Reisebeschreibungen erschienen vier Bände (Par. 1837); auch ist zu erwähnen Par. Schrift Esprit des institutions militairesp (Par. 1845; deutsch von Stäger v. Waldburg, Berl. 1845).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 471Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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