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Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Mars (im Arvallied Marmar, in älterer Form Mavors, oscisch und sabinisch nach alten Grammatikern Mamers genannt), eine der Hauptgottheiten der altitalischen Völker und insbesondere auch der Römer, seiner ursprünglichen Bedeutung nach wohl ein Sonnengott, der als solcher Segen und Gedeihen spendet, sowie er auch Verderben über die Saaten, Tiere und Menschen bringen oder abwehren kann, dann auch ein Gott des Jahres, daher ihm besonders der März (aus mensis Martius) als Frühlingsmonat und als erster Monat des Jahres geweiht war. Allmählich überwog aber für ihn besonders in Rom der Begriff der männlichen Tapferkeit, und er wurde hauptsächlich als Kriegsgott verehrt, daher ihm vor jedem Feldzug und vor und nach jeder Schlacht Opfer, Gelübde und Dankspenden dargebracht wurden. Von dem rüstigen Schritt der in den Kampf Ziehenden wurde daher auch der noch unerklärte Beiname M. Gradivus abgeleitet, wie auch andere seiner Beinamen, wie Victor (der Sieger), Ultor (der Rächer) und ähnliche auf den Krieg bezüglich sind. Nach der Sage war er der Vater des Romulus und Remus (von der Vestalin Ilia oder Rhea Silvia) und dadurch der Stammvater des röm. Volks. Unter seinen Heiligtümern in Rom war das großartigste und berühmteste der Tempel des M. Ultor, den Augustus zum Andenken an die an den Mördern Cäsars vollzogene Rache auf dem Forum Augusti errichtete. Seit alten Zeiten war dem M. die Priesterschaft der Salier geweiht, welche ihm zu Ehren Waffentänze ausführten. Der von den Römern mit dem italischen M. identifizierte griech. Ares ist ein, wie es scheint, ursprünglich aus Thrazien zu den Griechen gekommener Gott. Er war wohl ursprünglich auch ein Himmels- und Sonnengott, wurde aber ebenfalls frühzeitig hauptsächlich, ja fast ausschließlich als der Gott des Kriegsgetöses und Schlachtgetümmels aufgefaßt und daher mit Beiworten, wie «der Ungestümes, «der Rasende » u. a. m., bezeichnet. Die Dichter nennen ihn einen Sohn des Zeus und der Hera (nach einer andern Sage hat ihn Hera allein im Groll gegen Zeus erzeugt) und schildern ihn, wie er in eherner Rüstung, den Helm mit dem wallenden Helmbusch auf dem Haupte, in der Rechten den Speer, am linken Arm den gewaltigen Schild, zu Fuß kämpft oder auf dem Kriegswagen in die Schlacht fährt, begleitet von seinen Dienern Deimos und Phobos (Schrecken und Furcht). Auch die Göttin des Streites, Eris (s. d.), und die Kriegs-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. göttin Enyo erscheinen öfters in seiner Begleitung, ewie er auch an mehrern Orten unter dem Beinamen 9Enyalios verehrt wurde. Verehrt wurde Ares in Athen, wo er am Fuße des nach ihm benannten 3Hügels, des Areopag(s.d.), einen Tempel (mit einer 3berühmten Statue des Gottes von Alkamenes) hatte, sferner an mehrern Orten von Argolis, von Lakonien (wie in Sparta und Geronthrä) und in einigen andern Gegenden Griechenlands. Auch manche von efremden barbarischen Völkern, wie von den Kolchiern und Skythen, verehrte Gottheiten sind von den Griechen mit ihrem Ares identifiziert worden. Die bildende Kunst, unter deren Denkmälern die Aresbildungen nicht gerade häufig sind (abgesehen von den Gruppen des M. und der Venus in der röm. Plastik und Malerei), stellt ihn als jugendlich kräftige Männergestalt dar mit derber Muskulatur, starkem Nacken, in älterer Zeit regelmäßig in voller Rüstung, seit der Blütezeit der Kunst gewöhnlich nur mit Helm und Chlamys bekleidet; in den Denkmälern des ältern Stils is er bärtig, in den Werken der ausgebildeten Kunst bartlos. Unter den erhaltenen Statuen des Gottes sind die des sogenannten M. Borghese im Louvre (s. Tafel: Bildnerei III, Fig. 4) und die in der Villa Ludovisi in Rom, welche den Ares sitzend, in Liebesgedanken versunken, zeigt (nach einem Original aus der Schule des Lysipp), die vorzüglichsten. Vgl. Roscher, Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer» (Bd. 1: «Apollon und M. », Ipz. 1873); Voigt, Beiträge zur Mythologie des Ares und der Athena » (Lpz. 1881); Tümpel, «Ares und Aphroditen (Lpz. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 481Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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