FeedMärtyrer
ReligionBrockhaus 1882

Märtyrer (vom gräch. ucervo, d. h. Zeuge) nennt man allgemein jeden, der für eine Idee äußere Nachteile und Anfeindungen übernimmt. Im histor. oder engern Sinn bezeichnet M. die standhaften Bekenner des christl. Glaubens. Bis ans Ende des 3. Jahrh. hießen M. nur diejenigen, welche ihr Bekenntnis des Christentums mit dem Tode besiegelt hatten, später nannte man M. auch die Konfessoreno, d. h. diejenigen Christen, welche in drohender Todesgefahr, sowie beim Verlust ihres Vermögens und ihrer Freiheit am Bekenntnis des Glaubens standhaft festhielten. Je größer in den Verfolgungen die Zahl der Abgefallenen ward, desto höher ehrte man die M., ihre Aussprüche galten als göttliche Befehle, ihre Fürsprache entschied über die Wiederaufnahme Gefallener. Dies führte an manchen Orten zu einer Laxheit der kirchlichen Disciplin und zu einer Bekämpfung des Ansehens der M. durch die Bischöfe. Der Tod der M. galt als vollgültige Sühne der Sünden, ersetzte gar die Taufe (daher Bluttaufe, lavacrum sanguinis, Matth. 10, 30, genannt) und sollte sofort zur vollen Seligkeit führen, die sonst erst nach dem Jüngsten Gericht verheißen ist; daher die Todestage der M. ihre Geburtstage (matalitia martyrum) hießen. Die Verehrung der M. knüpft daran an, daß man ihre Leichname von der heidnischen Obrigkeit einlöste und feierlich beisetzte, über ihre Gräber Altäre (mensae martyrum) und Kirchen (martyria, memoriae martyrum) baute, oder doch an denselben Gottesdienste feierte, oder später ihre als heilige Reliquien (s. d.) betrachteten überreste in Kirchen und unter Altäre versetzte. Gegen solche translationes erließ schon Theodosius I. ein Gesetz. Hatte man bis ins 5. Jahrh. noch für verstorbene M. gebetet, so stellte Augustin den Satz auf: man müsse sich durch Gebet den M. empfehlen. Diesen Satz machte die Kirche zur Praxis und begründete Innocenz III. durch die Autorität der Bibel. Märtyrerfeste kamen schon zu Ende des 2. und Anfang des 3. Jahrh. auf; man wallfahrtete zu den Gräbern der M., hielt Lobreden über ihre Thaten und Leiden, betete und feierte das Abendmahl. Später führte man das Fest aller M. ein, das von der griech. Kirche in der Pfingstwoche, von der römischen 26. Dez. gefeiert wird. Die größtenteils unglaubwürdigen, legendenhaften Schilderungen der Thaten und Leiden der M. sind in den Martyrologien (Calendaria sanctorum) enthalten, deren wichtigstes das römische ist, das Clemens I. entworfen haben soll. (S. Acta Sanctorum.) Vgl. Hausrath, «Neutestamentliche Zeitgeschichtey (Bd. 3: «Die Zeit der M. und das nachapostolische Zeitalter v, Heidelb. 1873—74).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 496Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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