Maskät ist der von der Hauptstadt auf das Land übertragene Name des Staates Omän an der Ostküste Arabiens längs des Persischen Golfs und des Golfs von Omän (Bahr Omän), des nördlichsten Teils des Arabischen Meers (s. d.). Die Herrschaft in diesem Staate ist in der Familie des zu Anfang des 18. Jahrh. durch Volkswahl auf den Thron gehobenen Stammherrn erblich. Der Imäm oder Sultan von Omän, Säud, welcher 1804—56 regierte, machte, von den Engländern unterstützt, durch seine milde und kluge Regierung M. zu dem mächtigsten Staate Arabiens und zu einem der wichtigsten Handelsgebiete des Orients. Früher gehörte zu dem Imamat nicht nur das Küstenland Omän, sondern pachtweise auch der schmale Küstenstrich der pers. Landschaften Mogistan und Laristan mit den Handelsstädten Bender-Abbasi (s. d.) und Lindscha und den Inseln Ormus (s. d.), Kischm oder Tawilah, Laredsch oder El-Aredsch und Hendscham, sowie die Küste Balutschistäns vom Ras-Tanka bis nach Passani mit den Hafenplätzen Gwatar und Gwadar. Unter dem Sultan Sejjid-Said gehörte unmittelbar zu M. auch die ganze ostafrik. Küste Wasamba oder der Suaheli-Neger, fast vom AÄquator bis südlich zum Kap Delgado mit den Inseln Patta, Lamo, Pemba, Zanzibar oder Zanguebar (s. d.), Mafia oder Monfia und Kilwa (Quiloa), desgleichen eine Zeit lang die Insel Sokotora (s. d.). Nachdem aber dieser Sultan 18. Okt. 1856 gestorben, teilten sich seine Söhne in die Herrschaft. Der älteste, Sejjid-Tsueni, erhielt M. und die asiat., Sejjid-Mejjid die afrik. Besitzungen. Im J. 1875, nach Ablauf der Pachtzeit, bemächtigten sich die Perser wieder der Städte und Inseln an ihrer Küste; nur einige unbedeutende Küstenorte in der teils zu Persien, teils zu Balutschistän gehörigen Landschaft Mekran, wie Tis, Tschaubar und Patkue, verblieben bei M. Das Land Omän, auf 210 450 qkm mit 1 600 000 E. geschätzt, ist im ganzen ein produktenarmes Land, doch gehören einzelne Küstenstrecken zu den fruchtbarsten und bevölkertsten Teilen Arabiens. Die Bewohner, die von der westl. Einwanderung nach Arabien fast unvermischt gebliebenen Reste der Kartani, haben mit den nördlicher wohnenden Arabern wohl die Sprache gemeinsam, weichen aber fast in jeder Beziehung von den übrigen Arabern ab. Neben ihnen haben sich auch andere Araberstämme aus dem Norden angesiedelt, namentlich Wahabiten der fanatischsten Art, Feinde aller ihrer Umwohner. Unter den übrigen Einwohnern Omäns gilt aber Wahäb und selbst Mohammed nichts, Ali ist in hohem Grade verhaßt. Ebenso hat der Koran hier keine Geltung, und die Pilgerfahrt nach Mekka ist abgeschafft. Wein und Tabak werden in großer Menge gebraucht, Gold und Silber mit Verschwendung getragen. Durchweg herrscht große Toleranz und in jeder Weise Freiheit, doch auch Hang zum Wohlleben und Luxus. Aus Zanzibar werden zahlreiche Negersklaven eingeführt, von denen sich viele mit der Zeit frei machen und die jetzt schon ein Viertel der Bevölkerung bilden. Gerichte und Exekutive sind ganz getrennt. Der Imam ist im Besitz von Monopolen und hat eine Leibgarde von 1000 Mann. Neben ihm besteht eine mächtige Aristokratie; auch bildet jede Stadt ein geschlossenes Municipium. Die Hauptstadt Maskät, die Residenz des Imam, nahe dem Wendekreise, im Hintergrunde einer von steilen und nackten Felsen eingeschlossenen, überall guten Ankergrund bietenden und außerordentlich fischreichen Bucht des Golfs von Omän gelegen und auf der Landseite mit Festungswerken versehen, hat enge, schmutzige Straßen, Häuser, die vielfach nur aus Erde und Palmzweigen erbaut, einige stattliche Gebäude, darunter den großen Palast des Imäm, und etwa 50000 E. Nahe westlich an einer ähnlichen Bucht liegt die Stadt Matrah, der Sitz der Weber, Waffenschmiede, Fischer und Chalwafabrikation. M. ist mit seiner Ergänzung Matrah ein wichtiger Stapelplatz, dessen Schiffe die Häfen des Persischen Golfs, die von Indien (namentlich Karätschi), das Rote Meer und die ostafrik. Küste bis Quiloa und selbst Mauritius besuchen. Zur Winterzeit ist der Hafen zugleich das Asyl aller Schiffe des Indischen Oceans. Die Ausfuhrartikel sind Kopftücher, Teppiche, Waffen, Getreide, Datteln, Chalwa, Früchte und getrocknete Fische. Die Einfuhr von europ. Fabrikaten ist unbedeutend. Der Handel, besonders der mit Perlen, liegt meist in den Händen der Banjans. Von 1507, wo Albuquerque auf seinem Zuge gegen Ormus die Stadt M. eroberte, bis 1658, wo sie der arab. Imäm Seif befreite, gehörte sie den Portugiesen, von denen noch weite Befestigungen vorhanden sind.