FeedMasken
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Masken (mittellat. masca, ital. maschéra, vom arab. mascharah, d. i. Spott, Gegenstand des Gelächters) stammen aus sehr alter Zeit her, man kennt sie schon aus Agypten, Vorderasien, Altitalien, und Schliemann fand goldene Masken in den Agamemnonsgräbern zu Mykenä; man weiß ferner, daß sie in Griechenland bei den bacchischen Weisen, festlichen Aufzügen und Prozessionen gebraucht wurden. Weil der Ursprung des griech. Trauerspiels mit dem Bacchusdienst zusammenhängt, so dienten sie gleich anfangs auch für die Bühne. Die antiken M. waren nicht, wie die modernen, eine Art Visier, welches nur das Gesicht bedeckt, sondern eine Art Helm, der den ganzen Kopf verhüllte und außer dem Gesicht auch Haar, Ohren, Bart, sogar die von Frauen beim Kopfputz angewendeten Schmucksachen an sich trug. Die ersten griechischen M. bestanden aus Baumrinde; später machte man solche aus Leder, inwendig mit Leinwand oder Zeug gefüttert. Da aber die Form derselben sich leicht verschob und verknitterte, wurden endlich M. aus Holz und sogar aus Elfenbein verfertigt. Man unterschied viererlei Arten: tragische M., bei heroischen Stücken gebräuchlich und von imposantem, schreckhaftem Aussehen; komische M., denen man einen burlesken, grimassierenden Ausdruck und oft etwas lächerlich Verzerrtes gab; Satyrmasken, welche, weil sie bei Possen und Schwänken dienen sollten, vom Verfertiger die närrischsten, drolligsten und groteskesten Formen erhielten; orchestrische M. mit regelmäßigen Zügen für die Tänzer. Meist hatten die alten M. sehr große Mundöffnungen, inwendig mit Metallstangen oder andern tönenden Körpern versehen, um der [Stimme des Schauspielers eine Verstärkung zu geben, welche die Einrichtung der antiken Theater und ihre ungemeine Größe erforderte. Der Gebrauch der seenischen M. ging vom griech. Theater auf das römische über, und von diesem auf die ital. Kunstkomödie, commedia dell' arte, ein volkstümliches Stegreifspiel mit komischen M. und lokalen Dialekten. Don Pasquale, der Doktor von Bologna, auch Graziano genannt, Pantalone von Venedig, die listigen, schelmischen Bedienten Scapino (in Neapel Pasquariello) und Arlecchino aus Bergamo (in Neapel Puleinella), Brighella von Ferrara, Beltramo von Mailand, Gelsonimo von Rom, die bramarbasierenden Kapitäne Spaviento, Frocasso und Tempesta, Tartaglia der Stotterer, Giangurgolo und Coviello von Calabrien, Truffaldino und Smeraldino, Columbina und Spiletta waren seit dem Mittelalter herkömmliche Maskencharaktere auf dem ital. Nationaltheater und wurden im 17. Jahrh. teilweise auch auf fast allen andern eutop. Buhnen eingebürgert. Vgl. Ficoroni, De larvis scenicis et figuris comiciso (Rom 1754, mit vielen Abbildungen antiker M.); Böttiger, „Kleine Schrifteno (Dresd. u. Lpz. 1838); Valentini, Trattato sulla commedia dell' arte (Berl. 1826, mit Kupfern); Flögel, «Geschichte der komischen Litteraturs (4 Bde., Lpz. 1784—87); Sand, (Masques et bouffonso (Par. 1860); Altmann, „Die M. des Schauspielerso (2. Aufl., Berl. 1875). Der Gebrauch der M., wie man sie jetzt trägt, kam nach unsern Gegenden aus Italien, namentlich aus Venedig, wo sie selbst außer der Karnevalszeit zu allen Freudenfesten gehörten. Diesseit der Alpen waren M. schon im 14. Jahrh. gebräuchlich und wurden sonst von vornehmen Frauen getragen, um die Haut gegen rauhe Witterungseinflüsse zu schützen und den Teint frisch zu erhalten. Der Gebrauch solcher M., im 17. Jahrh. noch sehr verbreitet, kam im 18. Jahrh. ab; an ihre Stelle traten Schminke und Schönpflästerchen. Jetzt trägt man M. nur noch bei Maskenbällen und Maskeraden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 503Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sitten & Mode 6