Mathilde, Markgräfin von Toscana, war die um 1046 geborene Tochter des Markgrafen Bonifacius von Toscana (gest. w1052) und der Lothringerin Beatrix, welche sich 1054 zum zweiten mal an den Herzog Gottfried den Bärtigen (s. d.) von Lothringen verheiratete, aber schon 1056 starb. M., eine durch den Vater in Italien, durch die Mutter in Lothringen reich begüterte Erbin, vermählte sich 1070 mit dem Sohne ihres Stiefvaters aus einer frühern Ehe, dem Herzog Gottfried dem Buckeligen (s. d.) von Lothringen, lebte aber stets von ihm getrennt in Italien. Im 30. Jahre verwitwet, war sie die vornehmste Stütze Papst Gregors VII. in dessen langem Kampfe gegen das Kaisertum, und auf ihrer Burg Canossa geschah es, daß Kaiser Heinrich IV. Buße that. Ihre große Territorialmacht wie ihre Reichtümer und ihr Einfluß standen dem Heiligen Stuhl immer zur Veren K Sie allein stand 1081 dem Papst gegen en Kaiser bei, unterstützte ihn, als er in Rom eingeschlossen war, und führte selbst noch nach dem Tode desselben den offenen Krieg gegen den Kaiser fort. Urban II. stiftete 1089 eine Ehe zwischen der mehr als 40 jährigen Frau und dem 17jährigen Welf, des Bayernherzogs Sohn, welche nach einigen Jahren gelöst wurde. M. starb kinderlos 1115 in ihrem Schlosse Bondeno und wurde in dem von ihr erbauten Benediktinerkloster zu Polirone, später durch Papst Urban VIII. in der Peterskirche beigesetzt. Ihren ganzen Besitz, d. h. die ausgedehnten Allodien in Tuscien, der Romagna und der Lombardei, schenkte sie 1102 der röm. Kirche, mit Berufung auf eine zweifelhafte frühere Schenkung an Gregor VII.; doch behielt sie sich freie Verfügung vor und erkannte 1111 Heinrich V. als ihren Erben an, der auch nach ihrem Tode den Besitz antrat. Erst Innocenz II. erhob wegen der alten SSchenkung Ansprüche, welche Kaiser Lothar anerkannte, und daran knüpfte sich der das 12. Jahrh. erfüllende Streit zwischen den Kaisern und Päpsten um die Mathildeschen Güter. Vgl. Pannenborg, Studien zur Geschichte der Herzogin von Canossav (Gött. 1872). [tarier. Mathurinen (Mathurins), soviel wie Trini-Mathy (Karl), deutscher Staatsmann, geb. 17. März 1806 zu Mannheim, studierte Staatsrecht und Kameralwissenschaft und wurde im Großherzogtum Baden im Finanzfach angestellt. Die Bewegung, welche nach der Julirevolution von 1830 Süddeutschland ergriff, regte auch „ihn zu lebhafter, besonders publizistischer Beteiligung an. Er schied 1834 aus seiner aheilihen Stellung und siedelte 1835, um den polizeilichen Maßregelungen zu entgehen, nach der Schweiz über. Dort war er zunächst als Publizist thätig und wurde 1838 Lehrer an der Bezirksschule zu Grenchen im Kanton Solothurn. Die polit. Bewegung 1840 führte ihn nach Baden zurück, wo er als Publizist, seit 1842 als Vertreter der Stadt Konstanz in der Abgeordnetenkammer und als ein Führer der Opposition thätig war. Im J. 1847 war er bei Gründung der Deutschen Zeitung beteiligt, leistete 1848 als Mitglied des Vorparlaments den republikanischen Plänen der Linken energischen Widerstand und trat auf kurze Zeit als Staatsrat in das bad. Ministerium. Er ging darauf als Mitglied des Parlaments nach Frankfurt, wurde dort ein hervorragendes Mitglied der Partei Gagern und zum Unterstaatssekretär im Reichsministerium der Finanzen ernannt. Mit seinen Parteigenossen schied er aus dem Ministerium und Parlament. Im Volkshause zu Erfurt kämpfte M. wieder für die Unionspolitik. In den Reaktionsjahren verließ er den Staatsdienst und widmete sich industriellen Unternehmungen. Er wurde 1858 Direktor der Bank von Gotha, 1860 der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt in Leipzig. Im J. 1862 trat er in den bad. Staatsdienst zurück. Er übernahm die Leitung der Hofdomänenkammer und wurde Jan. 1864 Präsident des Handelsministeriums, als welcher er besonders für die Entwickelung des Eisenbahnwesens thätig war. Er gab zwar 30. Juni 1866 seine Stelle auf, als die großdeutsche Partei im Ministerium den Krieg gegen Preußen durchgesetzt hatte, wurde aber wenige Wochen darauf vom Großherzog zur Bildung eines neuen Ministeriums aufgefordert. Dasselbe kam 28. Juli zu Stande. M. wurde als Staatsminister Chef des Ministeriums und Präsident der Ministerien des Handels und der Finanzen. Die Vorbereitung Badens, namentlich in militärischer Beziehung, für den Eintritt in den Norddeutschen Bund war von nun an sein Hauptbestreben. Er starb 3. Febr. 1868. Vgl. Freytag, KKarl M. Geschichte seines Lebensy (pz. 1870; 2. Aufl. 1872).