FeedGottfried
GeschichteBrockhaus 1882

Gottfried der Bärtige war der Sohn des Herzogs Gozelo von Lothringen, welches nach dem Tode desselben 1044 geteilt wurde, sodaß G. von Kaiser Heinrich III. nur mit Oberlothringen, sein Bruder Gozelo der Jüngere und nach dessen baldigem Tode Friedrich von Luxemburg mit Niederlothringen belehnt wurde. Als G. nun gegen den Willen des Kaisers und in offener Auflehnung gegen denselben ganz Lothringen an sich reißen wollte, unterlag er nach heftigen Kämpfen und verlor nicht nur Oberlothringen, welches ihm als Hochverräter schon 1047 abgesprochen worden war, sondern geriet auch in die Gefangenschaft Heinrichs, der ihm nur aus besonderer Gnade das Leben schenkte und seine Eigengüter Benlorene G. fand jedoch einen Ersatz für das Verlorene in der Ehe (1054) mit Beatrix, der Witwe des von Mantua bis fast nach Rom gebietenden Markgrafen Bonifaz von Tuscien, welche ihm die Vormundschaft über ihre Erbtochter Mathilde und als Tochter eines frühern Herzogs von Lothringen auch dort einen reichen Allodialbesitz mitbrachte. Hierauf gestützt, suchte G. nun auch in Lothringen seine frühere Stellung zurückzugewinnen, geriet jedoch nochmals in die Gewalt Heinrichs III., der indessen auch diesmal Gnade walten ließ. In Italien wuchs die Macht G.s während der Minderjährigkeit Heinrichs IV. immer weiter. Zu den tuscischen Besitzungen erhielt er 1057 das Herzogtum Spoleto hinzu, sein Bruder Friedrich wurde gleichzeitig Papst als Stephan X. Obwohl dieser schon 1058 starb, wußten die spätern Päpste doch den Rückhalt an dem mächtigen Nachbarn wohl zu schätzen, welcher für die Kirchenpolitik eintrat, deren Ausdruck später Papst Gregor VII. war. Die deutschen Erzbischöfe endlich, welche für Heinrich IV. regierten, fanden sich mit dem gefährlichen Nebenbuhler dadurch ab, daß sie ihm nach dem Tode des Herzogs Friedrich von Niederlothringen 1065 auch dieses Herzogtum überließen. Als G. 21. Dez. 1069 in Verdun starb, blieb alles, was er unter sehr verschiedenen Rechtstiteln in seiner Hand vereinigt hatte, doch zusammen, da sein Sohn Gottfried der Buckelige (s. d.) sich mit seiner Stieftochter Mathilde von Tuscien verheiratete. G.s einzige Tochter Ida, die Gattin des Grafen Eustachius von Boulogne, wurde die Mutter der beiden ersten christl. Könige von Jerusalem: Gottfrieds von Bouillon und Balduins J.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 236Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6