Maus (Mus) ist eine bekannte, artenreiche, zu den Nagetieren gehörende Säugetiergattung, von welcher mehrere Arten durch starke Vermehrung und große Gefräßigkeit den Menschen schädlich werden. Sie haben eine zugespitzte, bis zu den Naslöchern behaarte Schnauze, einen mittellangen oder sehr langen, mit Schuppenringen besetzten, selten haarigen Schwanz, vierzehige Vorderfüße mit Daumenwarze und fünfzehige Hinterfüße und entbehren der Backentaschen. Hierher gehören die größern Ratten (s. d.) und die eigentlichen Mäuse. Sie sind über die Alte Welt und Australien verbreitet, fehlten ursprünglich aber in Amerika, wohin europ. Arten durch Schiffe übergeführt wurden. Die Hausmaus (M. musculus), ursprünglich in Europa einheimisch, jetzt aber über die ganze Erde verbreitet, lebt sits nur bei dem Menschen und wird niemals außer dessen Behausung angetroffen. Sie ist dunkelaschgrau, unten heller,7 9em lang und hat einen Schwanz von gleicher Länge. Das Weibchen wirft in einem Sommer fünf⸗ bis sechsmal 4—6 Junge, welche bereits nach 14 Tagen für sich selbst sorgen. Kakerlaken oder Albinos sind unter ihnen nicht selten, und solche weißen Mäuse mit roten Augen werden zuweilen als zahme Zimmertiere gehalten. Die sog. Singmäuse scheinen lungenkranke Individuen zu sein, die beim strengten Atmen pfeifende Geräusche entwickeln. Katzen und Igel sind ihre gefährlichsten Feinde. Die Waldmaus (M. sylvaticus, s. Tafel: Nagetiere 0, die in Europa ebenso verbreitet ist als die Hausmaus, hält sich mehr in Wäldern auf, besucht aber des Nachts Gärten, zernagt die Rinde junger Baumsetzlinge oder frißt ihre Blattknospen, gräbt frisch gesäete Eicheln, Bohnen und Erbsen und beißt den Keim ab. In manchen Jahren vermehrt sie sich zu ungeheuern Scharen, welche sich über die Felder verbreiten und noch weit mehr Getreide zerstören, als sie zur Nahrung brauchen. Dann sind vorzüglich Eulen zu ihrer Vertilgung sehr thätig. Diese M. ist bräunlich-grau, unten stark abgesetzt weiß, ohne den 10 em langen Schwanz 14 em lang und frei von dem unangenehmen Geruch der übrigen Mäuse. Sie läßt sich gleichfalls zähmen. Die Brandmaus (M. agrarius), welche vorzugsweise in Rußland heimisch, aber auch in manchen Gegenden Deutschlands nicht selten ist, wie z. B. in Thüringen, wo sie hauptsächlich die Erbsenfelder besucht, bezieht im Winter die Scheunen. Sie ist lebhaft rostbraun, den Rücken entlang mit dunklern Streifen gezeichnet und ohne den 7 em langen Schwanz 10 em lang. Zu den kleinsten Säugetieren gehört die Waand-Eihsrien (M. minutus), welche in Rußland und Sibirien sehr gemein, aber auch im mittlern Deutschland vorhanden ist. Sie wiegt etwa 2 g, ist oben rostrot, unten weiß und hat kurze, abgerundete Ohren und einen Schwanz von halber Leibeslänge. Ihr fast kugelrundes, aus Rispen und zerschlitzten Grasblättern gefertigtes Nest hängt sie zwischen den Kornhalmen auf. Die Feldmaus und Schermaus gehören einer besondern Gattung, Wühlmaus (s. d.), an.