Meise (Parus) heißt eine zu den Singvögeln gehörende Vögelgattung, bei denen das Gefieder locker, weich, der Schnabel von der Wurzel an allmählich verdünnt, gerade und ohne Kerbe ist, die runden Nasenlöcher mit mehrern buschig geteilten Federn bedeckt und die Flügel kurz sind. Es sind im ganzen kleine, lebhafte, listige, unruhige und mutige Vögel, welche sehr geschickt in jeder Stellung auf⸗ und abklettern, sich von Insekten, Samen und Früchten nähren und sehr fruchtbar sind. Zu den gemeinsten deutschen Vögeln gehört die Kohl- oder Speckmeise (P. major), welche als Zugvogel im April bei uns ankommt und uns gegen Ende des September wieder verläßt; doch bleiben einzelne Pärchen auch über Winter bei uns. Sie ist 15em lang, oben olivengrün, am gelben Bauche mit einem schwarzen Längsstreifen gezeichnet, am Kopfe schwarz und an den Wangen weiß. Zur Zeit ihres Wegzugs, wenn sie sich zu Scharen vereinigt hat, wird sie neben der Blaumeise im großen zu vielen Tausenden besonders in Kloben und auf Leimruten gefangen. Auch die Blaumeise (P. caeruleus) ist sehr gemein in Deutschland, der Kohlmeise ähnlich, aber etwas kleiner, am Bauche ganz gelb, an Stirn und Wangen weiß und am Körper grünblau. Ihr ähnlich ist die in Rußland lebende La surmeise (P. cyanus), nur daß der Hals hier weiß und das Blau lebhafter ist. Die Beutelmeise (P. pendulinus), die im östl. Europa und Nordasien lebt, ist durch den Kunstbau ihres beutelförmigen Nestes berühmt, welches sie aus Fasern der im Wasser verfaulten Pflanzen und feinen Grashalmen erbaut, die mit der Samenwolle von Weiden, Pappeln, Disteln und Rohrkolben zu einem festen Filze verwebt werden. Mit dem obern Ende, in dessen Nähe sich der Eingang befindet, ist es an einem Rohrstengel oder dünnen Weidenzweige frei aufgehängt, und seine Länge beträgt bis 20 em, seine Breite etwa 10 cm. Die Bartmeise (P. biarmicus), welche besonders in Holland gemein, aber auch in Deutschland stellenweise häufig ist, zeichnet sich durch den schwarzen, am Mundwinkel beginnenden und etwas an den Hals hinabreichenden Zwickelbart des Männchens aus. Die Schwanzmeise oder Teufelsbolzen (P. caudatus), deren Schwanz länger als der Körper ist, übertrifft in der Kunst des Nesterbaues fast noch die Beutelmeise. Die dichte Wandung des eiförmigen, überall geschlossenen und nur am obern Ende mit einer Seitenöffnung versehenen Beutels besteht aus sorgfältig durcheinander gefilztem Moos, Wolle und Insektengespinst und ist äußerlich mit Baumflechten überzogen, die durch eingearbeitete Fäden von Spinnen und Raupen in ihrer Lage erhalten werden. Im Innern sind Wolle, Haare und ähnliche weiche Stoffe zu einem Lager aufgehäuft. Diese Meisenart ist übrigens in Deutschlands Wäldern gemein, kommt aber im Winter auch in die Dörfer und bis in die Nähe großer Städte. Die Haubenmeise (P. cristatus), welche Nadelwälder bewohnt und im Winter nicht fortzieht, ist durch eine zugespitzte Federhaube aus schwarzen, weiß gerandeten Federn ausgezeichnet. Die in ihrer Gesellschaft lebende Tannenmeise (P. ater) ist aschgrau, mit schwarzem Kopf, Schwingen und Schwanz. Da die M. viele Insekten vertilgt, sollte sie geschont werden.