Memnon, bei Homer der schöne Sohn der Cos, wird in der nachhomerischen Sage als ein Athiopierfürst und Sohn des Tithonos genannt, der seinem Oheim Priamos zu Hilfe eilt und, nachdem er den Antilochus erlegt, von Achilles getötet wird. Sein Grab wurde nach Strabo bei der Mündung des Aisepos gezeigt. Aus der Asche seines Scheiterhaufens läßt Zeus eine Schar Vögel sich erheben, die über dem Totenhügel sich bekämpfen und diesen Kampf jährlich erneuern. Daher wurden diese Vögel Memnones oder Memnoides genannt. Große Bauwerke wurden sowohl in Asien als in Agypten dem M. zugeschrieben und Memnonia genannt. Aus AÄthiopien sollte er erst nach Agypten, dann nach Susa, von dort nach Troja gezogen sein (nach Pausanias). Susa war nach der Sage von Tithonos, dem Vater des M., gegründet und die Burg daselbst, Memnoneion genannt, von M. selbst. In Agypten wurde der ganze westl. Teil von Theben von den Griechen Memnoneia genannt und auch in Abydos hießen die großen Tempelanlagen so. Theben ging die griech. Sage noch weiter und fand in den Memnonien auch eine Statue M.s, des Gründers jener Gebäude. Vor einem Tempel des Königs Amenhotep III., der um 1500 v. Chr. gegen Ende der 18. Dynastie regierte, waren zwei außerordentlich große monolithe sitzende Kolosse dieses Pharaonen errichtet und weit vom Wüstenrand nach dem Fluß zu vorgeschoben. Der Stein, aus dem die Statuen bestehen, ist ein Kieselkonglomerat von überaus harter und spröder Beschaffenheit. Diese bewirkte, daß häufig, besonders während des plötzlichen Temperaturwechsels bei aufgehender Sonne, kleinere und größere Stücke des Steins zersprangen. Es scheint, daß die nördliche der beiden Statuen auf diese Weise einen Sprung durch den ganzen Körper erhalten hatte, sodaß bei einem Erdbeben 27 v. Chr. der ganze Oberteil dieses Kolosses herabgeworfen wurde. Seit dieser Zeit wurden häufig bei Sonnenaufgang zitternde Töne aus der Statue vernommen, welche von dem Platzen der kleinen Steinstückchen herrührten, wobei die zufällige Stellung einzelner Teile der verstümmelten Statue eine größere Resonanz bewirkt zu haben scheint. Wenigstens wird erst von der genannten Zeit an die eigentümliche Erscheinung jenes Tons erwähnt, welcher von den Griechen mit der Stimme des jungen, früh entrafften M., der seine Mutter Cos allmorgendlich begrüßte, verglichen wurde. Die Wahrnehmung springender und klingender Steine in der Wüste ist indes in Agypten nicht selten. Die Inschriften des Kolosses beginnen unter Nero und reichen bis zu Septimius Severus. Von dem letztern rührt wahrscheinlich die Restauration des Kolosses her, welche aber die hellen Töne so dämpfte, daß sie seitdem, den Inschriften nach zu urteilen, nicht mehr gehört wurden. Jetzt ragen noch immer die beiden Kolosse aus der weiten Saat⸗ oder Wasserfläche Doch empor, obgleich ihre Postamente bereits 2m hoch von dem jährlich steigenden Thalboden bedeckt werden. Die Höhe der nördl. Statue, vom Kopf bis zum Fuß gerechnet, beträgt ohne den hohen Kopfschmuck, den sie vielleicht einst trug, 14 m. Dazu kommt die als besonderer Block davon getrennte Basis von 4-m, wovon gegen Um durch eine herumgelegte Stufe verdeckt wird. Demnach erhoben sich ursprünglich diese Statuen nahe an 20, mit dem Kopfschmuck vielleicht an 23 me hoch über den Tempelboden. Die Araber nennen jetzt die beiden Bilder die Sanamät, d. h. die Idole, und einzeln Schama und Tama. (S. Tafel: Bildnerei I, 11.) Vgl. Lepsius, «Briefe aus Agyptenp (Berl. 1852) Letronne, La statue de M. (Par. 1833). Mmoire (frz.), Denkschrift, besonders über eine staats-oder völkerrechtliche Frage.