Menschikow, auch Mentschikow, eigentlich Menschtschikow (Alex. Danilowitsch, Fürst), russ. Staatsmann und Feldmarschall, war der Sohn eines Stallknechts in Moskau, geb. 6. (16.) Nov. 1672, erlangte als Bäckerlehrling die Gunst des Generals Lefort, der ihn Peter d. Gr. vorstellte. Er kam in den Dienst des Zaren und es gelang ihm, eine Verschwörung der Strelitzen zu entdecken, wodurch er sich die Bahn zu den höchsten Ehrenstellen öffnete. Er begleitete Lefort auf einer Reise nach Westeuropa und nahm nach dessen Tod, 1690, dessen einflußreiche Stellung ein. M. machte 1696 den Feldzug gegen Asow mit, begleitete den Zaren nach Holland und England und gewann sich das Vertrauen desselben in hohem Grade. Er wurde 1703 der erste Gouverneur von Petersburg, 1704 von ganz Ingermanland und schlug 30. Okt. 1706 die Schweden bei Kalisch, trug nicht wenig zu den Siegen von Ljesnoi und Pultawa bei und zwang nach dieser letztern Schlacht den größten Teil der schwed. Armee unter Lewenhaupt zur Kapitulation. An der Spitze der russ. Armee rückte er in Pommern und Holstein ein und eroberte 1713 Stettin, welches er jedoch gegen den Willen des Zaren an Preußen überließ. Dieses und M.s Eigennutz und Habsucht brachten Peter d. Gr. so gegen ihn auf, daß er ihn vor ein Kriegsgericht stellte, welches ihn durch Stimmenmehrheit zum Tode verurteilte. Der Kaiser begnadigte ihn war, ließ ihn in allen seinen Würden und sogar in em Amte eines Generalgouverneurs von Petersburg; doch mußte M. eine bedeutende Geldbuße zahlen und gewann unter Peter seinen frühern Einfluß nicht wieder. Eine desto einflußreichere Rolle spielte er während der Herrschaft Katharinas I., welche 1725 hauptsächlich durch seine Entschlossenheit auf den Thron gehoben wurde und sich gänzlich seinem Willen fügte. Obgleich es ihm gelang, die gewaltsame Vertreibung des zum Herzog von Kurland und Gemahl der Herzogin (spätern Kaiserin) Anna Iwanowna bestimmten Marschalls von Sachsen durchzusetzen, ging sein Plan, sich zum Herzog von Kurland ernennen zu lassen, nicht in Erfüllung. Nach dem Tode Katharinas 1727 wurde M. Reichsverweser und Vormund des minderjährigen Peter II., regierte mit größter Willkür und stand bereits auf dem Punkte, durch Vermählung seiner Tochter Maria Schwiegervater des Kaisers zu werden, als er plötzlich 10. (21.) Okt. 1727 gestürzt und nach Sibirien verbannt wurde, während sein ungeheueres Vermögen der Krone verfiel. Im Sept. 1727 reiste M., den Kaiser Joseph 1. 1705 zum deutschen Reichsfürsten erhoben, dem Peter d. Gr. 1707 die Würde eines russ. Fürsten und auf dem Schlachtfeld von Pultawa den Feldmarschallstab verliehen hatte, mit seiner Gattin, seinem Sohne und seinen beiden Töchtern nach Beresow ab. Er verfiel in Schwermut und starb 30. Jan. 1730. Seine beiden hinterlassenen Kinder wurden 1730 von der Kaiserin Anna aus der Verbannung zurückberufen. Die Tochter Alexandra heiratete den General Grafen Gustav Biron, Bruder des Herzogs von Kurland, und starb zu Petersburg 24. Okt. 1736. Der Sohn, Fürst Alexander Alexandrowitsch M., geb. 1714, wurde Gardeoffizier, zeichnete sich in den türk. und schwed. Kriegen aus und starb als General 27. Nov. (8. Dez.) 1764.