FeedMünnich (Burkhard Christoph, Graf von)
GeschichteBrockhaus 1882

Münnich (Burkhard Christoph, Graf von), russ. Feldmarschall und Staatsmann, geb. 9. (19.) Mai 1683 zu Neuenhuntorf in Oldenburg, trat jung in franz., 1701 als Hauptmann in hess.⸗darmst., 1717 als Generalmajor in poln.⸗sächs. und 1720 in russ. Dienste, wo er bald Generallieutenant und zunächst mit der Leitung von Wasserbauten beschäftigt wurde. Peter II. erhob ihn 1727 zum General-en-Chef und 1728 in den russ. Grafenstand, und unter Anna wurde er 1731 Generalfeldzeugmeister, 1732 Generalfeldmarschall und Präsident des Kriegskollegiums. Er gab dem russ. Landheere eine neue Organisation und errichtete das adelige Kadettenkorps. In den J. 1733 —34 belagerte und eroberte er Danzig, und bei seiner Rückkehr wurde er nach Warschau gesendet, um die dort ausgebrochenen Unruhen beizulegen. Im Kriege gegen die Türken verwüstete er 1736 die Krim, eroberte 1737 Otschakow, ging 1739 über den Dnjestr, schlug die Türken bei Stawutschana, bemächtigte sich der Festung Choczim und besetzte die Moldau. Nach dem Tode der Kaiserin stürzte er den als Vormund des minderjährigen Thronfolgers Iwan zum Regenten des Reichs erklärten Herzog von Kurland und ließ ihn gefangen setzen, worauf die Prinzessin Anna, Iwans Mutter, die Regentschaft übernahm. M. wurde nun Premierminister und betrieb mit vielem Eifer das Bündnis mit Preußen. Als aber die Regentin mit Wien und Dresden in Verbindung trat, forderte er im Mai 1741 seinen Abschied. Kurz zuvor hatte ihn der Kurfürst von Sachsen als Reichsvikar in den deutschen Reichsgrafenstand erhoben. Als er jedoch, nachdem er seinen Abschied erhalten, nach Königsberg abreisen wollte, wurde er auf Befehl der Kaiserin Clisabeth, die sich im Dez. 1741 auf den Thron geschwungen hatte, verhaftet und zum Tode verurteilt, nachmals aber seiner Güter und Würden für verlustig erklärt und nach Pelim in Sibirien verwiesen. Dort lebte er bis 1762, wo ihn Kaiser Peter III. zurückberief. Katharina II. ernannte ihn noch 1762 zum Generaldirektor der Häfen am Baltischen Meere. M. starb 27. Okt. 1767 in Petersburg. Er schrieb: Ebauche pour donner une idée de la forme du gouvernement de l'empire de Russien (Kopenh. 1774). Vgl. Halem, Geschichte des Feldmarschalls Grafen M.y(Oldenb. 1803: neue Aufl. 1838); Hempel, Leben M.s9o (Brem. 1742). anter h (Don Fernando), Herzog von Rianzares, s. unter Maria Christina.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 936Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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