Merck (Joh. Heinr.), deutscher Schriftsteller aus der Zeit der Sturm⸗ und Drangperiode und Goethes Jugendfreund, geb. in Darmstadt 11. April 1741, begleitete nach vollendeten Universitätsstudien einen Herrn von Bibra auf Reisen, heiratete in Genf eine Französin und wurde 1767 in seiner Vaterstadt als Sekretär der Geheimkanzlei, später als Kriegskassierer und Kriegsrat angestellt. M.s eigene litterarische Thätigkeit war von geringem Umfange, darunter Übersetzungen aus dem Englischen; wichtiger war seine Teilnahme an den „Frankfurter gelehrten Anzeigeno, am Deutschen Merkuro und andern Zeitschriften und Sammelwerken. Seine hauptsächlichste Bedeutung aber liegt in seiner persönlichen Wirksamkeit. In Darmstadt, Gießen, Frankfurt und Umgegend lebte ein engverbundener Kreis geistig bedeutender Männer, und M. bildete durch vielseitige Bildung, durch seine geistige Regsamkeit und rücksichtslos offene Kritik den belebenden Mittelpunkt desselben. Groß war sein Einfluß auf Herders Entwickelung, noch größer auf Goethe, den er eigentlich in die dichterische Produktivität hineinriß. Durch letztern trat M. mit dem ganzen weimarischen Mufenhofe in die engste Verbindung. M. begleitete 1773 die Landgräfin von Hessen-Darmstadt auf einer längern Reise nach Petersburg; 1790 wurde er in Geschäften seines Landesherrn nach Paris gesendet. Die scharf zersetzende Richtung seines Geistes gewann schließlich durch mancherlei Mißgeschick mehr und mehr in ihm die Oberhand und wandte sich zuletzt gegen ihn selbst, sodaß er sich 27. Juni 1791 erschoß. Vgl. Briefe an M. von Goethe, Herder, Wieland u. a.y (herausg. von Wagner, Darmst. 1835); (Briefe an und von M. (herausg. von demselben, Darmst. 1838); (Briefe aus dem Freundeskreise von Goethe, Herder, Höpfner und M. (herausg. von demselben, Lpz. 1847); M.s ausgewählte Schriften» (herausg. von Stahr, Oldenb. 1840); G. Zimmermann, Johann Heinrich M., seine Umgebung und Zeite (Frankf. a. M. 1871).