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ErdkundeBrockhaus 1882

Merseburg, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Provinz Sachsen sowie eines Kreises, liegt an der Saale, über die hier eine steinerne Brücke führt, sowie an der Linie Berlin-Halle-Bebra der Preußischen Staatsbahnen und zählt mit den beiden Vorstädten Altenburg und Neumarkt (1880) 15 205 meist prot. E. Die Stadt hat ein altertümliches Ansehen und ist schlecht und unregelmäßig gebaut. Ein interessantes Denkmal mittelalterlicher Baukunst ist die Domkirche mit vier alten Türmen und einer der größten war sie wieder Residenz der herzogl. Linie von mann wieder genommen. Die Gegend von M. ist denkwürdig durch die Schlacht bei Mölsen, 15. Okt. 1080, wo Heinrich IV. seines Gegners, Rudolfs von Schwaben, sich entledigte, und durch die große Ungarnschlacht bei Keuschberg (s. d.) 935, die auch oft die Schlacht bei M. genannt wird. Die Grafschaft Merseburg, welche schon im 9. Jahrh. vorkommt, lag, nach Thietmars Angabe, zwischen der Wipper, Saale, Salza und dem bei Schraplau fließenden Weitschkerbache. Unter die berühmtesten Grafen von M. zählt Erwin, zu Anfang des 10. Jahrh., dessen Tochter die Gemahlin König Heinrichs I. wurde. Der letzte Graf war Esiko, der 1007 zu Leipzig starb. Das Bistum Merseburg wurde 968 vom Kaiser Otto I. gestiftet und dem Erzbistum Magdeburg untergeordnet, 982 wieder aufgehoben und in eine Abtei verwandelt, durch Kaiser Heinrich II. aber 1004 wiederhergestellt. Der erste Bischof war Boso, der sich um die Bekehrung der Slawen in seinem Sprengel große Verdienste erwarb. Am wichtigsten aber wurde Bischof Thietmar (s. d.). Vom Bischof Thilo von Trotha (gest. 1514) rührt angeblich die Stiftung her, wonach im Schloßhofe fortwährend ein lebender Rabe gehalten wird. Es knüpft sich hieran die Sage, daß der Bischof Trotha seinen Kammerdiener auf den Verdacht hin, einen Ring ihm entwendet zu haben, hinrichten ließ, der Ring aber nachher im Neste eines Raben wiedergefunden wurde. Unter dem Bischof Sigismund von Lindenau fand 1543 die Reformation in M. Eingang. Nach dessen Tode wählte 1544 das Kapitel den Prinzen August von Sachsen, einen jüngern Bruder des Herzogs Moritz, zum Administrator des Stifts, der zwar nach der Schlacht bei Mühlberg 1547 noch einmal einem kath. Bischof, Michael Helding, genannt Sidonius, weichen mußte; nach des letztern Tode aber kam die Administration des Stifts wieder an Kursachsen. Zufolge des Testaments des Kurfürsten Johann Georg I. wurde dessen dritter Sohn, Christian, 1656 der Stifter der herzogl. Linie Sachsen-M., die aber 1738 wieder erlosch. Schon 1731 hatte das Domkapitel mit Kursachsen den Vergleich abgeschlossen, künftig stets den Kurfürsten von Sachsen selbst als Administrator zu postulieren, und dieser dagegen versprochen, das Kapitel im Besitze seiner Rechte zu belassen. So blieb es, bis durch den Kongreß zu Wien 1815 das Stift, welches unter der Verwaltung einer besondern Stiftsregierung stand und die Amter M., Schkeuditz, Lüten und Lauchstädt umfaßte, zum größten Teil an Preußen kam. Das Domkapitel besteht noch gegenwärtig, ist jedoch nicht mehr vollzählig. Der Regierungsbezirk Merseburg besteht wesentlich aus den 1815 vom Königreich Sachsen abgetrennten Landstrichen (Kurkreis, Teile des Meißner, Leipziger und Thüringer Kreises, die Hochstifter M. und Naumburg-Zeitz) nebst dem Mansfeldischen und dem Saalkreise, zählt auf 10207,4 km 971098 meist prot. E. und zerfällt in die 17 Kreise: M., Delitzsch, Bitterfeld, Wittenberg, Schweinitz, Torgau, Liebenwerda, Naumburg, Zeitz, Weißenfels, Eckartsberga, Querfurt Sangerhausen, Mansfeld-See, Mansfeld-Gebirg, Stadt Halle und Saalkreis. Vgl. Schmekel, 4Histor. topogr. Beschreibung des Hochstifts M. (Halle 1858); Schadeberg, 4Skizzen über den Kulturzustand des Regierungsbezirks M.y (Halle 1857—58). Der Kreis Merseburg zählt auf 576 akm (1880) 69309 meist prot. E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 641Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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