Gardelegen, srüher auch Gardeleben und Garleben, Kreisstadt im Regierungsbezirk Magdeburg der preuß. Provinz Sachsen (in der ehemaligen Altmark), an der Milde und der Linie Berlin-Lehrte der Preußischen Staatsbahn, 45 km im NNW. von Magdeburg gelegen, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat zwei evang. Kirchen, eine kath. Kirche, ein schon 1285 gestiftetes, gut dotirtes Hospital, ein Realprogymnasium, eine Privat-Idiotenanstalt und zählt (1880) 6896 meist prot. E., die außer Landwirtschaft bedeutenden Hopfenhandel, Eisengießerei, Knopffabrikation, Lein- und Baumwollweberei, Zeugdruckerei und Bierbrauerei treiben. Das früher berühmte Bier der Stadt hieß Garlei. Das ehemalige Gymnasium sowie das spätere Lehrerseminar sind eingegangen. — Der Ort wurde 633 von dem Sorbenherzog Dervan zerstört und um 924 von König Heinrich I. wieder aufgebaut. Längere Zeit war sodann der Ort Sitz markgräfl. Prinzen, die sich Grafen von G. nannten. G. blieb bis 1478 eine freie Stadt, war Mitglied der Hansa, wurde 1547 befestigt, litt viel im Dreißigjährigen Kriege und durch Feuersbrünste, verlor seine Werke durch Kurfürst Friedrich Wilhelm und wurde 1757 von den Franzosen gebrandschatzt. Im J. 1681 ward hier ein Schutbündniß zwischen Brandenburg und Braunschweig-Lüneburg geschlossen. Nahe nördlich liegt an der Milde ein kleines altes Schloß, die Isenschnippe, d. i. eiserne Schnippe, welches nebst der dazu gehörigen Vogtei ehemals (seit 1446) den Herren von Alvensleben gehörte. Auf der anliegenden Gardelegener Heide siegte Markgraf Ludwig I. 1343 über Otto den Milden von Braunschweig. G. ist Geburtsort der Dichter Tiedge und Bornemann. Der Kreis Gardelegen zählt (1880) auf 1309 akm 51025 fast durchweg prot. E.; etwa 10 km im SO. der Kreisstadt liegt das Dorf Letzlingen (s. d.). Im SWr. breitet sich der Drömling (s. d.) aus; 15 EKmeim NW. der Kreisstadt liegt das Dorf Zichtau mit 350 E. in schöner Hügelgegend, der sog. Altmärkischen Schweiz.