FeedMesser (frz. couteau, engl. Knife)
Sport & SpielBrockhaus 1882

Messer (frz. couteau, engl. Knife), im allgemeinen ein aus dem wirksamen Teil, der Klinge, und dem zum Anfassen dienenden Teil, dem Heft oder der Schale, bestehendes Schneidwerkzeug, das jetzt fast durchgängig ganz aus Stahl hergestellt wird. Je nach der Wirkungsweise unterscheidet man Wiegemesser, Hackmesser, Schnitzmesser u. s. w., nach der Verwendungsart Vorlege- oder Tranchiermesser, Tischmesser, Brotmesser, Federmesser, Radiermesser, Rasiermesser, Baummesser, Pflugmesser u. a. Die von verschiedenen Handwerkern gebrauchten M. werden als Böttcher⸗, Fleischer⸗, Seifensieder⸗, Formstechermesser u. s. w. bezeichnet. Chirurgischen Zwecken dienende M. sind die Scalpells, Bistouris, Lanzetten (s. d.), die Stein⸗, Star⸗, Amputationsmesser. Während früher die Erzeugung der M. durch den Messerschmied (s. d.) und dessen Gehilfen, den Zuschläger, mittels der beim Schmieden gewöhnlichen Handgriffe ausgeführt wurde, werden jetzt alle Arten der Schneidwaren fast ausschließlich in fabrikmäßigem Betrieb mit Hilfe von Dampfhämmern, Walzwerken und andern maschinellen Vorrichtungen hergestellt. Bei den großen ordinären Messersorten bestand früher nur die Schneide mit den ihr zunächst liegenden Teilen aus Stahl, alles übrige aus Eisen, oder es war ein Gemenge von Eisen und Stahl benutzt, welches man dadurch erhielt, daß man mehrere Schienen von Eisen und von Stahl abwechselnd aufeinander legte, zusammenschweißte und zu einer Stange ausstreckte; durch den bedeutenden Fortschritt in der Stahlbereitung ist es jetzt möglich, auch wohlfeile Schneidwaren ganz aus Stahl herzustellen. Zur Ersparnis von Arbeit und Material werden Messerklingen aus Stahlblech gestanzt oder gepreßt. Ahnlich wie die Verfertigung der M. ist die der Gabeln, mit den durch die Form bedingten Abänderungen beim Schmieden. Die nach Lehren ausgeschmiedeten und mit dem Stempel der Fabri versehenen Klingen erhalten ihre Formvollendung durch Feilen und Schleifen, worauf sie den Operationen des Härtens und Anlassens unterworfen werden. Nächstdem werden alsdann die Klingen nochmals geschliffen, um ihnen die erforderliche Schärfe und gleichzeitig eine blanke Oberfläche zu geben. Die Klinge ist entweder unbeweglich mit dem Heft verbunden, oder zum Einschlagen eingerichtet. Das im erstern Fall zur Befestigung der Klinge im Heft angeschmiedete Stück, die Angel, ist teils vierkantig und spitz und in das Heft bloß eingelassen (eingekittet) oder auch hindurchgehend und am Ende desselben vernietet, teils ist dasselbe flach, d. h. lang und breit, und das Heft besteht aus zwei aufgenieteten Schalen. Bei den Klapp⸗, Einschlage- oder Einlegemessern, zu welchen die Feder⸗‚ Taschen⸗, Garten⸗ und Rasiermesser gehören, erhält die Klinge statt der Angel einen kurzen, eckigen Ansoz, Druck oder Talon genannt, der im Griff um einen vernieteten Drahtstift drehbar befestigt ist. Das Heft besteht hier aus zwei eisernen Platinen und auf die Rückseite desselben ist eine stählerne Feder genietet, welche die zwischen die Platinen genietete, aber bewegliche Klinge sowohl auf- abs zugeschlagen am Druck festhält. Bei den sogenannten franz. Einlegemessern ist am Druck und an der Feder eine derartige Vorrichtung angebracht, daß die aufgeschlagene Klinge unbeweglich feststeht und nicht eher zugeschlagen werden kann, als bis man die Feder mittels eines an derselben befindlichen Knopfs zurückbiegt. Andere Einlegemesser besitzen statt der Feder nur am Druck einen sog. Schwanz, der die aufgeschlagene Klinge verhindert, sich zurückzubiegen. Ofters sind an den Einlegemessern verschiedene kleine Werkzeuge, wie Säge, Feile, Bohrer, Korkzieher, angebracht. Die größte Sorgfalt erfordert die Herstellung der Rasiermesser, bei welchen es ganz besonders auf gute Beschaffenheit des Stahls, angemessenes Härten und Feinheit der Schneide ankommt. Zur Verschönerung derselben dient oft eine oberflächliche Atzung, das sog. Damascieren, durch welche Punkte oder Flammenlinien entstehen. Als Materialien zur Verfertigung der Hefte für Tischmesser, sowie der Schalen für alle Arten von Einlegemessern werden Ebenholz. Perlmutter, Schildpatt, Elfenbein, Horn, Holz, Knochen u. s. w. verwendet. Die Zwingen der Tischmesserhefte aus Silber⸗ oder Neusilberblech werden entweder aus zwei im Fallwerk gestanzten Teilen zusammengekötet, oder im ganzen mittels des Durchschnitts (. Lochmaschine) hergestellt und durch Drehen und Rändeln vollendet. Für besondere Zwecke, wie zum Schneiden der Butter, des Obstes, hat man M., die ganz aus Silber, Horn oder Knochen sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 649Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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