Methode (vom griech. E6edodos), ein nach Grundsätzen geregeltes Verfahren zur Erreichung eines bestimmten Zwecks. Eine besondere Wichtigkeit hat der Begriff der M. teils für die pädagogische Thätigkeit, teils für das wissenschaftliche Verfahren. In der erstern Beziehung spricht man von einer M. der Erziehung, namentlich aber von einer M. des Unterrichts. Die Lehre von der M. des Unterrichts im weitern Sinne umfaßt die Lehre von der Anordnung, dem Gange und der Form des Unterrichts. In diesem Sinne betrachtet man auch den Unterschied der akroamatischen und der erote—⸗ matischen Lehrform als einen Unterschied der M. Die akroamatische Lehrform besteht darin, daß der Lehrer allein spricht und dem Lernenden die Auffassung des Gesprochenen überläßt; die erotematische dagegen beruht auf einem gegenseitigen Gedankenaustausch des Lehrenden und Lernenden, nimmt daher die Selbstthätigkeit des letztern unmittelbar in Anspruch und gibt dem Lehrer sowohl Gelegenheit, die Art, wie der Lehrstoff aufgefaßt wird, zu kontrollieren, als auch der eigenen Gedankenentwickelung des Lernenden zu Hilfe zu kommen. Dadurch geht die erotemätische M. in die katechetische über, welche man häufig auch die Sokratische nennt, weil Sokrates vorzüglich die Kunst geübt hat, den Lehrstoff im Gespräch mit den Schülern durch geschickt aneinander gereihte Fragen entstehen zu lassen. Im engern, jetzt fast Überall angenommenen Sinn ist die M. des Unterrichts gleichbedeutend mit dem Lehrgange. Dieser ist, je nachdem der vorhandene Gedankenkreis in seine Bestandteile zerlegt oder erweitert wird, erläuternd oder erweiternd (analytisch oder synthetisch), und letzterer, je nachdem er Vorstellungen von einem bisher unbekannten Wirklichen erzeugt oder durch neue Verknüpfung der Vorstellungen die Welt unserer Begriffe erweitert, darstellend oder entwickelnd. In Rücksicht auf das wissenschaftliche Verfahren ist zunächst zwischen den M. des Untersuchens und denjenigen des Beweisens zu unterscheiden. In den M. der Untersuchung ist mit Berücksichtigung der speziellen Aufgaben jeder einzelnen an lonschaft festzustellen, wie elben; ihre Thatsachen konstatieren und von denselben zur Aufstellung allgemeiner Lehrsätze fortschreiten muß. Hier handelt es sich für die histor. Wissenschaften um die M. der Kritik des überlieferten, für die Naturwissenschaften um diejenigen der Beobachtung, des Experiments u. s. w. Die M. der Analogie (s. d.) ist in ihrem Werte für beide Arten der Forschung zu prüfen. Weiterhin ist gleichfalls für beide Arten die Aufstellung allgemeinerer, erklärender Sätze, Anschauungsweisen u. s. w. zu regulieren; dies leistet die M. der Hypothesen. Im rempiri zu diesen analytischen Methoden der empirischen Wissenschaften besteht die synthetische Methode der Mathematik in dem geregelten Fortschritt notwendig sich aus dem früher Erkannten ergebender neuer Sätze; sie ist deshalb auch uglei eine M. des Untersuchens und des Beweisens. Denselben Unterschied hat man auch als denienigen der regressiven und der progressiven Methode bezeichnet. Die Philosophie hat in ihrer Geschichte mehrfach zwischen beiden geschwankt, ohne mit dem Streben nach einer ihr eigentümlichen M. zu einem allgemein anerkannten Ziele gelangen zu können. Was die M. des Beweisens anbetrifft, 0 sind dieselben von dem besondern Charakter des jedesmaligen Forschungsgegenstandes unabhängig und mit überall gleich geltender Allgemeinheit in den formalen Prinzipien der Logik gegeben. Sie unterscheiden sich wesentlich als deduktive und induktive Methode, von denen die erstere von anerkannten allgemeinen Sätzen aus die besondern Folgerungen, die andere umgekehrt von anerkannten Thatsachen aus allgemeinere Sätzezu beweisen sucht.