Metz, Bezirkshauptstadt von Lothringen und Festung ersten Ranges mit starker Garnison, 179 m über dem Meere, im Thal der Mosel, am Einfluß der Seille in die Mosel, Knotenpunkt der Eisenbahnlinien Luxemburg-M.⸗Saarburg-Straßburg, M.⸗Pagny-Nancy, M.⸗Saargemünd-Hagenau-Straßburg, M. Bolchen-Teterchen und M.⸗Amanweiler-Verdun, ist im ganzen eng gebaut, hat aber einige neuere gerade und breitere Straßen mit schönen Häusern, zehn öffentliche Plätze und neun Thore, unter letztern das altertümliche deutsche Thor (Porte des Allemands) mit kastellartigem Turm, 1445 erbaut. Von den Plätzen sind bemerkenswert: der Paradeplatz neben der Kathedrale mit dem Denkmal des Marschalls Fabert; der Königsplatz, an welchen sich die Esplanade mit schönen Anlagen und einer prächtigen Aussicht auf das Moselthal und den ohen St.⸗Quentin anschließt, mit Standbild des Marschalls Ney; der Theaterplatz mit schöner Fontäne und dem Jardin d'Amour. Thore, Plätze und Straßen tragen seit 1872 franz. und deutsche Namen. M. hat sieben kath. Pfarrkirchen, zwei evang. Kirchen und eine Synagoge. Das Hauptgebäude von M. ist die Kathedrale auf einem der höchsten Punkte der Stadt, ganz in got. Stil, wenn auch in verschiedenen Perioden erbaut. Der Bau wurde im 13. Jahrh. begonnen, Querschiff und Chor stammen von 1486 bis 1498, eine Verlängerung des Vorderschiffs gegen Westen von 1503 bis 1519; die in Widerspruch mit den übrigen Bauformen stehende ital. Facade, deren Beseitigung beabsichtigt ist, aus dem J. 1764: die beiden Türme sind unvollendet, der eine, 91m hoch, hat eine Glocke (a Mutte) von 11210 kg. Seit der Besitzergreifung von M. durch das Deutsche Reich sind am Außern und Innern der Kathedrale zahlreiche und wohlgelungene Verbesserungs⸗ und Verschönerungsarbeiten ausgeführt worden; zur ganz besondern Zierde gereicht ihr das nach dem ursprünglichen mittelalterlichen Plane in reichster Bildhauerarbeit neu hergestellte zu Ostern 1885 vollendete Liebfrauenportal. Die St. Vincenzlirche hat zwei got. Türme und die neue Garnisonskirche einen schönen got. Turm. Weiter sind bemerkenswert das Stadthaus, das Gebäude des Bezirkspräsidiums, das Theater, der Justizpalast, die beiden Zeughäuser, 1. Marit-Kasernen, das Militärhospital, zwei gedeckte Markthallen und zwei öffentliche Bade⸗ und Waschanstalten. Eine unterirdische 20 km lange Wasserleitung aus Gorze liefert täglich bis zu 20900 ebm Wasser für öffentlichen und Privatgebrauch. M. ist Sitz des Bezirkspräsidiums von Lothringen, der Kreisdirektion für den Landkreis M., der Polizeidirektion für die Stadt M., sowie eines Hauptzollamts, eines Landgerichts mit Schwurgerichtshof, eines Amtsgerichts, einer Reichsbankstelle, Oberpostdirektion, Handelskammer und eines Gewerbegerichts, eines Bischofs mit Priesterseminar, reform. und israel. Konsistoriums, ferner eines Festungsgouvernements und des Kommandos der 30. Division. Es ist daselbst ein Gymnasium (Lyceum) mit Realgymnasium und Internat, eine Realschule, Lehrerseminar, eine Kriegsschule (die ehemalige Ecole impériale d'application de Partillerie et du génie, 1872 wieder eröffnet), Taubstummenanstalt, höhere Töchterschule, zahlreiche mittlere und Volksschulen, zahlreiche Wohlthätigkeitsanstalten aller Konfessionen, eine städtische Musik⸗ und Zeichenschule, eine Bibliothek von 36000 Bänden, 800 Handschriften und vielen Inkunabeln, eine Münzsammlung, ein naturhistor. Museum, eine Gemäldesammlung, ein botan. Garten, eine Akademie (privat), Gesellschaften für Archäologie, Erdkunde, Medizin und Naturwissenschaften, ein landwirtschaftlicher Verein und ein Theater. Vor der Besitznahme durch die Franzosen hatte M. 60000 E., mehrere Vorstädte und ein Gebiet von 265 Ortschaften, dann aber sank die Einwohnerzahl auf 20000, zumal als bei der Vertreibung der Protestanten die reichsten und betriebsamsten Einwohner fortzogen, und schwankte seit 1811 zwischen 41000 und 52000, je nach der Stärke der Besatzung. Die Bevölkerung, welche im J. 1869 48 325 Seelen betrug, ging infolge der Option 1875 auf 45 856 zurück, darunter 8561 Mann Militär. Nach der Volkszählung von 1880 war dieselbe wieder auf 53 131 gestiegen, darunter 10436 Mann Militär, 13898 Protestanten, 1592 Israeliten; im J. 1884 belief sich die Civilbevölkerung auf 42052, wovon 33188 Katholiken, 7541 Protestanten, 1307 Israeliten. Hierzu kommt noch die Garnison mit etwa 13000 Mann. Die Elsaß-Lothringer einerseits und die Angehörigen anderer deutscher Bundesstaaten halten sich mit genau je 46 Proz. der Gesamtbevölkerung die Wagschale (unter den letztern befinden sich allerdings 19 Proz. Militärpersonen). Der Rest mit 8 Proz. wird von Ausländern, namentlich Franzosen und Luremburgern, gebildet. Die Garnison der Stadt M. mit Hinzurechnung der der Forts ist die zweitstärkste im Deutschen Reiche. Die Stadt hat Leder⸗, Leinwand⸗, Glas⸗ und Fayence⸗, Hut⸗ und Papierfabriken, sowie Gerbereien; sie treibt einen sehr lebhafter Handel, besonders mit Vieh und Landesprodukten. Bemerkenswert ist der an Denkmälern reiche Ostfriedhof mit Denkmälern für die 1870 daselbst begrabenen 8400 Franzosen. Auf der westl. Moselseite liegen die reichen Eisenberg-und Hüttenwerke von der franz. bis zur luxemb. Grenze. Seit M. besteht, war es auch befestigt; jede Regierung, welche im Wechsel der Ereignisse in Besitz der Stadt gelangte, verstärkte und vermehrte die Festungswerke. Die alte Mauerbefestigung wurde 1466 mit Türmen umgebaut, 1550 trat an deren Stelle eine Wallbefestigung, deren Südfront 1562 durch Erbauung der jetzt eingegangenen Citadelle verstärkt wurde. Unter Vauban begann 1674 ein gründlicher Umbau aller Werke; 1728—31 erbaute Cormontaigne auf dem linken Moselufer das Moselfort und auf der Ostfront das Fort Bellecroir, 1736 und 1737 wurden die weiter vorgeschobenen Werke Fort Gisors und du Paté erbaut,‚, 1791 die gegen die Stadt gerichteten Fronten der Citadelle eingeebnet und in Promenaden umgewandelt, 1792 die Lünette Chambière, 1815 die Lünetten Miollis, d'Argon und Rogniat erbaut. Von 1830 bis 1843 wurden sämtliche, damals sehr verfallene Werke mehrfach ausgebessert und umgebaut, ebenso 1867 in umfassenderer Weise, auch begann man 1867 die Herstellung der selb:ständigen Außenforts St.⸗Julien, Queuleu auf dem rechten und St.⸗Quentin und Plappeville auf dem linken Moselufer. Unter der deutschen Regierung wurde der Ausbau der genannten Forts beendet; außerdem wurden die Befestigungen durch Hinzufügung neuer Werke verstärkt. Dicht vor der eigentlichen Stadtbefestigung liegen die Forts Voigts-Rhetz (früher Moselle) und Steinmetz (früher Bellecroir), ferner links der Mosel die Forts Veste Friedrich Karl (früher St.⸗Quentin), Manstein (1872 — 76 neu erbaut), Alvensleben (früher Plappeville), Kameke (1875 — 78 neu erbaut), Hindersin (1879—81 neu erbaut), auf dem rechten Moselufer liegen die Forts Prinz August von Württemberg (früher St.⸗Privat), Göben Mante Queuleu), Zastrow (früher Les Bordes) und anteuffel (früher St.⸗Julien). Der Abstand der Außenforts vom Dom beträgt 3300 - 5000 meund umschließt ein weites, durch die hohe Lage der Forts völlig der Einsicht und Beschießung entzogenes verschanztes Lager, dessen zahlreiche Ortschaften einem starken Heere Unterkunft gewähren können. Geschichtliches. ist das gallische Divodurum, die Hauptstadt der Mediomatriker, und war röm. Militärstation, seit Anfang des 4. Jahrh. Bischofssitz und später Hauptstadt von Austrasien. Seit 870 wares freie deutsche Reichsstadt und erhielt 1179 neue Stadtverfassung. KarllV. verkündete hier 1356 die Goldene Bulle. Durch Verrat einiger Patricier kam es 1552 an Frankreich und wurde vom 19. Okt. 1552 bis 1. Jan. 1553 von Kaiser Karl V. vergebens belagert, aber erst 1648 förmlich an Frankreich abgetreten, bei dem es bis 1870 blieb. Am 27. Okt. 1870 kapitulierte die Festung gleichzeitig mit der franz. Rheinarmee unter Marschall Bazaine (s. d.) nur infolge Mangels an Lebensmitteln und wurde von der Ersten und Zweiten deutschen Armee unter Prinz Friedrich Karl besetzt. (S. Deutsch-Franösischer Krieg von 1870 und 1871.) Durch ie in rascher Folge 14., 16. und 18. Aug. 1870 in den Schlachten von Colombey Nouilly (s. d.), von Vionville —-Mars⸗-la-Tour (s. d.) und von Gravelotte-St.⸗Privat (s. d.) erlittenen Niederlagen war die franz. Rheinarmee hinter die Forts von M. zurückgeworfen und dort eingeschlossen worden. Nachdem ein 31. Aug. und 1. Sept. unternommener Durchbruchsversuch von dem 1. preuß. Armeekorps und der Division Kummer unter General Freiherrn von Manteuffel blutig zurückgeschlagen worden (Schlacht von Noisseville, s. d.), fanden nur noch kleinere Gefechte, namentlich 22. und 23. Sept. bei Peltre, 27. Sept. bei Mercy-le-Haut, 2. Okt. bei St.⸗Remy und 7. Okt. bei Woippy, vor M. statt, und 25. Okt. begannen die Kapitulationsverhandlungen im Schlosse Frescaty. Am 29. Okt. wurde M. von den Deutschen (7. Armeekorps) besetzt; General von Zastrow übernahm das Gouvernement, General von Kummer wurde Kommandant der Festung. Drei Marschälle von Frankreich, 50 Generale, 6000 Offiziere, 153000 Mann und 20000 in den Lazaretten befindliche Militärpersonen fielen in deutsche Gefangenschaft; außerdem wurden in der Festung vorgefunden 53 Adler, 66 Mitrailleusen, 541 Feld⸗ und 800 Festungsgeschütze, Material für 85 Feldbatterien, 2000 Militärfahrzeuge, 300 000 Infanteriegewehre und große Vorräte an Ausrüstung, Bekleidung und Munition. Die franz. Kriegsgefangenen wurden nach Deutschland abgeführt, das Einschließungsheer wieder in zwei Armeen gegliedert und teils nach dem nördl. Frankreich (Erste Armee unter General Manteuffel), teils nach der Loire (Zweite Armee unter Prinz Friedrich Karl) in Marsch gesetzt, um die zum Entsatz von Paris bestimmten neugebildeten Heere der Republik zu bekämpfen. (Hierzu eine Karte: Die Kämpfe um Metz am 14., 16. und 18. Au gust 1870.) Vgl. Coster, «Geschichte der Stadt und Festung M.y (Trier 1871); Westphal, «Geschichte der Stadt M. (3 Bde., Metz 1875—77): Lang, M. und seine Umgebung » (2. Aufl., Metz 1884); über die Belagerung und die Schlachten vor M. 1870: Der Deutsch-Französische Krieg von 1870—71. (bearbeitet von der kriegsgeschichtlichen Abteilung des preuß. Großen Generalstabes, Tl. 2, Berl. 1878); Freiherr von Fircks, Die Verteidigung von M. im 5 18705 (2 Bde., Berl. 1872); Freiherr von der oltz, Die Operationen der Zweiten Armee vom Beginn des Kriegs bis zur Kapitulation von M. im J. 18705 (Berl. 1874); „Die Operationen um M.v (von einem preuß. General, Berl. 1871; auch in franz. Üübersetzung mit Anmerkungen eines franz. Offiziers, Brüss. 1871); von Hanneken, „Marschall Bazaine und die Kapitulation von M.» (Darmst. 1873); Paulus, «Die Cernierung von M.» (Berl. 1875); (Le blocus de M. en 18705 (vom Conseil municipal, Metz 1871); Deligny, Armée de M. 18705 (Par. 1871); Coffinières de Nordeck(Festungskommandant 1870), Capitulation de M.y (Brüss. 1871); Bazaine, cRapport sommaire sur les opérations de l'armée du Rhino (Berl. 1870); L'armée de M. et le maréchal Bazaines (Par. 1871); Fay, Journal d'un officier de Larmée du Rhinv (Brüss. 1871); Bazaine, Episodes de la guerre de 1870 et le blocus de M.v (Madr. 1883).