Mickiewicz (spr. Mitzkiewitsch, Adam), der größte poln. Dichter der Neuzeit, geb. 24. Dez. 1798 zu Nowogrödek in Litauen, von armen adeligen Eltern stammend, besuchte das Gymnasium zu Minsk, studierte seit 1815 in Wilng und erwarb sich reiche Kenntnisse in Geschichte, Litteratur und neuern Sprachen, auch in den Naturwissenschaften. Eine unglückliche Jugendliebe schilderte er später in dem Gedicht «Dziady (& Die Totenfeiere). Die erste Sammlung seiner zerstreuten Gedichte, Romanzen, Sonette, Balladen veröffentlichte er 1822 in Wilna, wodurch sein Kampf mit den Klassikern begann. M. war damals Lehrer der lat. und poln. Sprache an dem Gymnasium zu Kowno. Eine zweite Sammlung, welche den zweiten und vierten Teil der Dziadyr und die epische Erzählung Grasynay enthält, erschien in Wilna 1827. Infolge der 1823 über die Universität Wilna verhängten Maßregeln wurde er längere Zeit in Petersburg festgehalten und in das Innere Rußlands velwieien. Am Ufer des Schwarzen Meers dichtete er die trefflichen Sonette, durch die er sich die Gunst des Militärgouverneurs von Moskau, Fürsten Galizyn, erwarb, der ihn 1826 in sein Gefolge nahm. Unter dem Patronat dieses Gönners wurden auch M. Sonette gedruckt (deutsch von Schwab im «Deutschen Musenalmanacho, 1833, und von Cornelius, Lpz. 1868). Dann weilte er in Moskau und Petersburg und ließ hier 1828 sein episches Gedicht „Konrad Wallenrod» (deutsch von Kannegießer, Lpz. 1834 u. 1858, und von Weiß, Brem. 1871) erscheinen, das ungemein zur Weckung des Nationalgefühls unter der poln. Jugend wirkte. Im J. 1829 durchreiste M. Deutschland, wo er mit Goethe bekannt wurde, und Frankreich, und war in Italien, als 1830 die poln. Revolution ausbrach. Im J. 1831 lebte er in Dresden und 1832 ging er nach Paris. Das Schicksal seines Vaterlandes veranlaßte ihn zu der Schrift „Księgi narodu polskiego i pielgrzymstwa polskiego v (Par. 1832), welche in einer der biblischen Sprache nachgebildeten Prosa Polens Bestimmung in der Vergangenheit und Zukunft schildert (deutsch unter dem Titel „Die Bücher des poln. Volks und der poln. Pilgerschafto, Par. 1833). Das Hauptwerk von M. ist das epische Gedicht «Pan Tadeusz v (2 Bde., Par. 1834; deutsch von Spazier, Lpz. 1836; von Weiß, Lpz. 1882; von Lipiner, Lpz. 1883); durchaus national, enthält es die treueste Darstellung poln. Volkslebens und die anschaulichsten Schilderungen des litauischen Landes. Nachdem M. 1838 Professor der lat. Litteratur in Lausanne geworden, übertrug ihm bald nachher die franz. Regierung den am Collsge de France neuerrichteten Lehrstuhl der slaw. Litteratur, und hier hielt M. 1840—43 seine 4Vorlesungen über slaw. Litteratur und Zuständey (deutsch, 4 Bde., Lpz. 1843—44; neue Ausg. 1849). Die Teilnahme M.' an dem mystischen Treiben Towianskis (s. d.) veranlaßte die franz. Regierung, M. von seiner Lehrthätigkeit zu dispensieren. Im J. 1848 ging M. nach Italien und Rom und suchte die Idee der poln. Legionen ins Leben zu rufen, kehrte dann aber nach Paris zurück. Als eifriger Verehrer Napoleons III. erhielt er 1852 die Stelle eines Unterbibliothekars an der Bibliothek des Arsenals. M. ging 1855, um die Bildung poln. Legionen in der Türkei im Auftrag der franz. Regierung zu fördern, nach dem Orient und starb 28. Nov. 1855 zu Konstantinopel. Seine Leiche wurde nach Frankreich gebracht und in Montmorency beigesetzt. Eine Sammlung seiner Werke hatte M. selbst 1838 zu Paris (8 Bde.; neue Aufl., 11 Bde., 1860) veranstaltet; eine andere erschien in 6 Bänden in Leipzig 1862—69. Eine Sammlung seiner kleinern epischen Dichtungen erschien unter dem Titel &Ballady i Romanse (Lpz. 1874). Vgl. „Adam M., eine biographische Skizzer (Lpz. 1857); Fontille, Adam M.v (Par. 1862).