Mikropsfychie (grch.), Kleinmütigkeit, Verzagtheit; auch kleinliche Gesinnung oder Denkart. Mitropple (grch.), kleine offnung der Cikapsel für den Eintritt der Samenfäden. Mitkroskop (grch.) heißt jeder optische Apparat, durch welchen sehr kleine Gegenstände dem Auge vergrößert erscheinen. Man unterscheidet einfache und zusammengesetzte M. Das einfache M. ist eine sehr alte Erfindung; es besteht aus einer (oder auch mehrern aneinander liegenden und also nur die Stelle einer einzigen vertretenden) Glaslinse und wird gewöhnlich mit dem Namen Lupe (s. d.) V bezeichnet. Das zusammengesetzte M. ist von Zacharias Jansen (1590) erfunden; es besteht wenigstens aus zwei in einer bestimmten Entfernung voneinander, gewöhnlich in messingenen Röhren befestigten Linsengläsern, von denen das eine, entsprechend wie beim Fernrohr, das Objektiv, das zweite das Okular heißt; ersteres wird beim Gebrauche dem zu betrachtenden Gegenstande (Objektiv), letzteres dem Auge zugewendet. Das Objektiv ist bei dem M. eine sehr kleine Konvexlinse ab (s. beistehende Figur), deren Flächen sehr stark gekrümmt sind und welche also eine sehr kurze Brennweite (s. Linse) hat. Wenn einem solchen Linsenglase ein kleiner Gegenstand rs bis kurz vor dem Brennpunkte genähert wird, so erscheint hinter der Linse sein vergrößertes Bild 8R in umgekehrter Lage, das man auf einem Papierschirm oder miteiner auf einer Seite matt geschliffenen Glastafel auffangen kann Der Ort. wo das Bild hinter der Linse erscheint, wo also der Papierschirm oder die Glastafel hingestellt werden muß, wenn das Bild deutlich darauf erscheinen soll, hängt von den Krümmungen der Linse und von der Entfernung des Gegenstandes von derselben ab; je näher der Gegenstand der Linse kommt, um so weiter entfernt sich das Bild von ihr, wobei letzteres auch gleichzeitig an Größe zunimmt. Soll das Bild scharf und rein in seinen Umrissen sein, so muß die Linse durch Zusammensetzung aus zwei Linsen, einer konvexen aus gewohnlichem Glase und einer konkaven aus bleihaltigem Flintglase, achromatisch gemacht und durch angemessene Wahl der Krümmungen der Oberflächen auch von der infolge ihrer Kugelgestalt vorhandenen Abweichung der Strahlen befreit sein. Das von einer solchen Objektivlinse erzeugte Bild fängt man in dem M. nicht mit einem Schirme auf, sondern man behandelt es wieder als einen optischen Gegenstand, indem man hinter dasselbe eine zweite Linse od, das Okular, so stellt, als wollte man das Bild durch sie wie durch eine Lupe betrachten, was erst dann geschieht, wenn das durch das Objektiv von dem Gegenstande erzeugte Bild sich etwas näher an dem Okular, als die Brennweite des letztern ist, befindet. Das durch das Objektiv erzeugte vergrößerte Bild erscheint dann durch das Okular von neuem vergrößert bei 8“R“. Um hinlängliche Helligkeit für die Vergrößerungen zu erhalten, beleuchtet man die vor dem Objektivglase auf einem kleinen Tischchen befindlichen Gegenstände durch einen kleinen Hohlspiegel oder durch eine Linse, welche das zerstreute Licht des Himmels oder am besten das Licht einer weißen Wolke auf den Gegenstand konzentrieren. Das von Lieberkühn 1738 erfundene Sonnenmikroskop besteht aus einer (oder mehrern nur die Stelle einer einzigen vertretenden) Glaslinse, welche dem Objektiv des eben beschriebenen M. entspricht. Vor ihr stellt man den Gegenstand nahe in der Entfernung der Brennweite der Linse, aber noch ein wenig außerhalb derselben auf, sodaß auf einem mehrere Meter hinter der Linse befindlichen weißen Schirm ein vergrößertes Bild entsteht. Zur Beleuchtung des Gegenstandes dienen eine oder mehrere vor dem Gegenstande befindliche Konvexrlinsen, welche das von einem ebenen Spiegel in horizontaler Richtung zurückgeworfene Sonnenlicht auf den Gegenstand konzentrieren. Das Lampenmikroskop, das Hydrooxygengas-Mikroskop (. d. und das Photoelektrische Mikroskop unterscheiden sich von dem Sonnenmikroskop nur dadurch, daß anstatt des Sonnenlichts bei dem erstern das Licht einer Lampe, bei dem zweiten das Licht des durch ein Knallgasgebläse weißglühend gemachten Kalks und bei dem dritten das elektrische Kohlenlicht angewendet wird. Die gemeinsame Benennung aller dieser M. ist: Objektives oder Bild-Mikroskop. Die Bezeichnung der Vergrößerung eines M., d. h. der Zahl, welche angibt, wie viele mal das durch ein M. erzeugte Bild größer als der wirkliche Gegenstand erscheint, ist eine doppelte: die lineare und die quadratische. Die lineare Vergrößerung gibt an, wie viel eine Linie verlängert erscheint; sie bezeichnet also das Verhältnis der scheinbaren Länge des vergrößerten Gegenstandes zu dessen wirklicher Länge. Die quadratische Vergrößerung nennt dagegen, wie viele mal größer die Fläche des Bildes ist als die des wirklichen Gegenstandes. Will man daher die Linearvergrößerung auf die Flächenvergrößerung berechnen, so muß man die Zahl der erstern auf das Quadrat erheben, und umgekehrt bei der Reduktion der Flächenvergrößerung auf die Linearvergrößerung die Quadratwurzel der erstern ausziehen. Die Wissenschaft hat nach dem Vorgange Herschels (bei Bezeichnung des Vergrößerungsmaßstabes für sein Riesenteleskop) die lineare Vergrößerung adoptiert, weil sie anschaulicher ist und sich sowohl bei der Berechnung als bei der vergleichenden Messung einfacher ergibt. Dagegen bezieht sich die quadratische Vergrößerung auf die Vergleichung der Flächen der entsprechenden optischen Bilder, und sie gibt daher direkt die Vergrößerung des Bildes an, wie sie wirklich stattfindet, denn 1 qmm, zu 1 gem vergrößert, hat (da 1 gem = 100 qmm) eine 100fache (d. i. quadratische) und nicht bloß 10fache (d. i. lineare) Vergrößerung erfahren. Da sich jedoch die quadratische Vergrößerung leicht aus der linearen berechnet, so geben auch jetzt die meisten Optiker wie die Männer der Wissenschaft die Vergrößerung ihrer Instrumente linear an. Die Ankündigungen von Schauvorstellungen mit dem Sonnenmikroskop nennen dagegen, als Reklame, oft die quadratische Vergrößerung, wo dann sehr große Zahlen herauskommen, denn eine 1000fache Linearvergrößerung ist gleich einer 1000 000fachen Flächenvergrößerung. Die Angabe der Vergrößerung nach kubischem Verhältnis ist Charlatanerie, da ja nur Flächenbilder auf der Netzhaut des Auges entstehen. Um den Grad der Linearvergrößerung eines M. zu suchen, legt man einen kleinen mikroskopischen Maßstab (lein sog. Mikrometer), bei welchem mehrere Millimeter je in 10 oder mehrere Teile geteilt sind, unter die Objektivlinse und vergleicht nun die scheinbare Größe desselben mit einem neben das M. gehaltenen wirklichen Metermaßstabe, indem man zusieht, wie sich die Teile des erstern zu denen des letztern verhalten. Bei einiger Übung gelingt es leicht, das mikroskopische Bild mit dem wirklichen Maßstabe zur Deckung zu bringen, wobei dann eine Vergleichung sehr gut angestellt werden kann. Findet man z. B., daß 1 mm des mikroskopischen Maßstabes so vergrößert wurde, daß er 20 em des wirklichen Maßstabes entspricht, so hat das M. eine 200fache lineare Vergrößerung. Das M. hat nicht nur in vielen Gebieten der wissenschaftlichen Naturforschung, insbesondere der Botanik und Zoologie, sondern in neuerer Zeit auch im praktischen Leben, z. B. zur Erkennung der Verfälschungen der Lebensmittel und verschiedener Waren, der Dichtheit der Gewebe u. dgl., eine ausgedehnte Anwendung gefunden. Nicht minder wichtige Dienste hat das M. der Medizin geleistet, indem erst durch die mikroskopische Forschung die Zelle (s. d.) als letzte organische Einheit des tierischen Körpers erkannt und damit die wichtigen, epochemachenden Lehren der Gewebelehre und der Cellularpathologie (f. d.) begründet wurden. Viele verheerende Krankheiten des Menschen, der Haustiere und der wichtigsten Kulturpflanzen (Infektionskrankheiten, Trichinose, die Krankheit der Weinstöcke, Kartoffeln, der Seidenraupen u. a.) sind erst durch das M. in ihrem Wesen erkannt und mit seiner Hilfé wirksam bekämpft worden. Hinsichtlich der mikroskopischen Untersuchunist im allgemeinen zu bemerken, daß die meisten Gegenstände nicht ohne weiteres untersucht werden können, sondern zuvor in geeigneter Weise vorzubereiten sind; nur Flüssigkeiten breitet man einfach auf einer kleinen Glasplatte, dem sog. Objektträger, zu einer dünnen Schicht aus und bringt sie dann, mit einem dünnen Deckgläschen bedeckt, unter das M. Von allen festen Körpern dagegen werden zunächst mit einem scharfen Rasiermesser oder mit einem eigenartigen Instrument, dem sog. Mikrotom, zarte, durchsichtige Schnitte angefertigt und alsdann, mit Wasser, Glyeerin, Terpentinöl und ähnlichen aufhellenden Flüssigkeiten befeuchtet, auf den Objektträger gebracht; von härtern Körpern, wie Knochen, Zähnen, Versteinerungen, Gesteinen u. dgl., werden gröbere Splitter auf einem Schleifstein erst hinreichend dünn geschliffen, während weiche, nicht schneidbare Gegenstände zuvor in Alkohol, Chromsäurelösung, Pikrinsäure und ähnlichen Flüssigkeiten genügend erhärtet werden. Vgl. Harting, Das M.y (aus dem Holländischen von Theile, 2. Aufl., 3 Bde., Braunschw. 1866); L. Dippel,«Das M. und seine Anwendunge(2. Aufl., 2 Bde., Braunschw. 1882); Nägeli u. Schwendener, Das M.y (2. Aufl., Lpz. 1877, nur für pflanzliche Objekte); Frey, Das M. und die mikroskopische Technik' (7. Aufl., Lpz. 1881; nur für tierische Objekte); J. Vogel, «Das M. und die Methoden der mikroskopischen Untersuchunge (3. Aufl., Berl. 1879); Merkel, «Das M. (Münch. 1875).