Militärkolonien heißen die schon im Altertum zur Sicherung der Herrschaft, zu besserm Schutze der Grenzen, zum Straßenbau und zur Urbarmachung des Landes angewendeten Niederlassungen, in denen ganze Truppenteile oder ausgediente Soldaten angesiedelt sind. Landmann und Soldat sind in den M. in einer Person vereinigt. Schon Alexander d. Gr. siedelte seine Veteranen zum Teil in M. an. Die Römer legten M. römischer Bürger in Italien, später in den Provinzen an und begründeten dadurch ihre Weltherrschaft; sie erbauten am Rhein und in Gallien castra stativa, aus denen die großen Städte sich entwickelten. Die Spanier und Portugiesen legten in Mexiko und Südamerika ebenfalls M. an, ebenso in neuerer Zeit Großbritannien im Kaplande (die deutsche Legion an der Kafferngrenze) und die Franzosen, diese allerdings ohne Erfolg, in Algerien. Dagegen richtete König Karl XI. von Schweden gegen Ende des 17. Jahrh. in großem Umfange M. ein, welche die noch jetzt vorhandenen Indelta⸗(s. d.) Truppen aufstellten. Auch die ehemalige österr. Militärgrenze (s. d.) bestand aus M. Die Pforte legte im westl. Bulgarien, in der Dobrudscha, sowie an den Grenzen von Griechenland, Montenegro und Serbien ebenfalls M. an und besiedelte dieselben mit Tscherkessen, ebenso besitzen die Chinesen an der nordwestl. Grenze ihres Reichs und am Amur M., welche mit Tataren (Bannertruppen) besetzt sind; auch in oder in der Nähe großer Städte finden sich vielfach solche chinesische M. Viel genannt sind die russischen M., welche nach einem von Araktschejew auf Wunsch des Kaisers Alexander I. entworfenen Plane angelegt wurden, sich jedoch nicht bewährt haben und deshalb 1856 bei der Reorganisation des russ. Heerwesens eingegangen sind. Man brachte die Soldaten bei den Kronbauern unter, unterwies dieselben in der Landwirtschaft und siedelte bis 1828 in den nördl. Gouvernements 3 Infanterie⸗ und im südl. Rußland 5 Kavalleriedivisionen an. Der Kolonist konnte nach 25jähriger Dienstzeit den Abschied verlangen und die Kolonie verlassen, blieb aber dann noch 5 Jahre dienstpflichtig in der Reserve. Von 1857 ab bestanden nur noch die südrussischen M. in den Gouvernements Charkow, Cherson, Kiew und Podolien weiter fort, erhielten jedochunter Aufhebung der militärischen Organisation die Gemeindeverfassung. In den Kaukasusländern und in Asien sind ebenfalls russische M. vorhanden, in denen namentlich Kosaken zum Schutze der Grenzen angesiedelt sind.