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GeschichteBrockhaus 1882

Miliz (vom lat. militia, Kriegsmacht) heißt die Landesbewaffnung im Gegensatz zu den frühern Lehns- und geworbenen oder den jetzigen stehenden Heeren. Im 12. Jahrh. errichteten die franz. Könige, um von ihren Vasallen unabhängig zu werden, eine Gemeindemiliz, die sich aber nicht bewährte. M. kommen später oft vor, wenn auch nicht immer unter diesem Namen. Frankreich erhielt unter Ludwig XIV. Preußen unter Friedrich l. (1701) eine M., welche Friedrich Wilhelm I. jedoch wieder aufhob. Im nordamerik. Befreiungskriege wurden M., in der Französischen Revolution Nationalgarden organisiert. Gegenwärtig hat die Schweiz und die nordamerik. Union ihre ganze Wehrverfassung auf das Milizsystem basiert, welches mit Ausnahme geringer Abteilungen oder Stämme kein stehendes Heer, sondern für den Krieg eine organisierte Volksbewaffnung als Milizheer aufstellt. Dadurch werden dem Land bedeutende Kosten und Lasten erspart, auch viele Arbeitskräfte erhalten. Durch Jugendwehr, Schützen⸗ und Wehrvereine sucht man der militärischen Ausbildung nachzuhelfen. Es kann durch das Milizsystem im Verhältnis zur Bevölkerung die stärkste Streitmacht aufgestellt werden, in der Schweiz durch die Überzähligen und den Landsturm bis zu 7. Proz. Aus diesen Gründen ist früher und neuerdings vielfach auf Abschaffung der stehenden Heere gedrungen worden. Der Secessionskrieg in Nordamerika, so- wie der Krieg Serbiens gegen die Türkei haben aber die Mängel des Milizsystems dargethan.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 727Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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