FeedMilitärschulen
GeschichteBrockhaus 1882

Militärschulen nennt man im allgemeinen die Bildungsanstalten für Aspiranten zur Offizierlaufbahn. (Vgl. Militärbildungsanstalten.) Im Deutschen Reiche existieren zur militärwissenschaftlichen Ausbildung und zugleich zur dienstlichen und körperlichen Fortbildung der Offizieraspiranten aller Waffen die Kriegsschulen, deren jetzt acht preußische zu Potsdam, Erfurt, (später Glogau), Neisse, Engers, Hannover, Kassel, Anklam, Metz und eine königl. bayrische zu München sind. Die preuß. Kriegsschulen sind aus den frühern Divisionsschulen hervorgegangen, die ältesten unter denselben wurden 1859 errichtet. Analoge Zwecke verfolgt die Selekta des preuß. Kadettenkorps. (S. unter Kadett und Lichterfelde.) Die Offiziere der Artillerie und des Ingenieurkorps erhalten ihre Fachbildung auf der vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin beziehungsweise für Bayern auf der analogen Anstalt zu München. Militär-Hochschule ist die Kriegsakademie in Berlin, welche 1858 aus der 1816 gegründeten Allgemeinen Kriegsschule hervorging, und für Bayern die gleichnamige Anstalt in München. In Ssterreich-Ungarn dient als M. für die Offizieraspiranten der Infanterie und Kavallerie die Militärakademie zu Wiener-Neustadt, für diejenigen der Artillerie und des Genies die technische Militärakademie zu Wien, höhere Fachbildungsschule ist für die Offiziere der letztern der höhere Artillerie⸗ und Geniekurs ebenda. Militär-Hochschule ist die Kriegsschu le zu Wien, außerdem existieren noch der Stabsoffizierkurs und der vorbereitende Kurs für Stabsoffizier-Aspiranten der Artillerie. Zur Heranbildung von Unteroffizieren und Eleven der Truppen zu Offizieren dienen die Kadettenschulen, ferner bestehen Landwehroffizier-Aspirantenschulen und für Ungarn die Ludovika-Akademie zu Budapest und die Central-Kavallerieschule behufs Ausbildung der Honvédoffiziere. Frankreich hat als Bildungsschule, für Offiziere der Infanterie und Kavallerie die Ecole spéciale militaire zu St. Cyr, an welche sich für die Offiziere der Kavallerie zu ihrer fachlichen Ausbildung noch der Besuch der Ecole de cavalerie zu Saumur schließt; füx die Offiziere der Artillerie und des Genies die Ecole d'application de Lartillerie et du génie zu Fontainebleau. Um Unteroffiziere der Infanterie zu Offizieren heranzubilden, wurde die Ecole spéciale militaire zu St.⸗Avor, jetzt St.Maixent, errichtet. Militär-Hochschule ist die Ecole supérieure deguerrezu Paris. Außerdem existiert zur Ausbildung für den Dienst des Generalstabes die Ecole d'application de Pétat-major. Rußland hat zur Ausbildung der Offizieraspiranten die Kriegsschulen und die Junkerschulen, von welchen die letztern zugleich die Ergänzung der Schulbildung der Aspiranten bewirken sollen. Fachschulen für Spezialwaffen sind die Nikolaus-Kavallerie-, die Michael-Artillerie⸗ und die Nikolaus-Ingenieurschule, Hochschulen die Nikolaus-Generalstabs-, die Michael-Artillerie- und die Nikolaus-Ingenieurakademie. Italien hat zur Heranbildung von Offizieren der Infanterie und Kavallerie die M. zu Modena, von Offizieren der Artillerie und des Genies die Militärakademie zu Turin. Fachbildungsschule ist die Applikationsschule der Artillerie und des Genies, Hochschule die Kriegsschule, beide zu Turin. In Großbritannien dient zur Heranbildung von Offizieren der Infanterie und Kavallerie das Militärcollege zu Sandhurst, für Artillerie und Genie die Militärakademie zu Woolwich, zur Fortbildung der Artillerieoffiziere die avancierte Klasse der letztern, zur Ausbildung der Generalstabsoffiziere das Stabscollege zu Sandhurst. Eine M. besondern Rufs ist in den Vereinigten Staaten von Nordamerika die Militärakademie zu Westpoint (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 724Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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