FeedMilitärerziehungsanstalten
GeschichteBrockhaus 1882

Militärerziehungsanstalten sind entweder nur als solche bestimmt und bilden dann Versorgungsanstalten, in welchen Kinder und namentlich auch Waisen von Soldaten (von Unteroffizieren und Gemeinen, unter Umständen selbst von Offizieren) so lange Erziehung und elementare Schul-Paienz erhalten, bis sie sich selber durchs Leben helfen können (in der Regel bis zur Konfirmation), oder die M. sind zugleich Militärbildungsanstalten (s. d.). Zur erstern Kategorie gehört im Deutschen Reich das Militärwaisenhaus zu Potsdam, das Militär-Knaben-Erziehungsinstitut zu Annaburg und die Erziehungsanstalt für Soldatenkinder zu Struppen (Königreich Sachsen); in Osterreich-Ungarn das Militärwaisenhaus zu Fischau bei Wiener-Neustadt, sowie die Offiziers⸗, beziehungsweise die Mannschafts-Töchter-Erziehungsinstitute zu Hernals bei Wien und Odenburg, beziehungsweise zu Wien und Szathmär-Nemethy; in Rußland die Schulen der Soldatenkinder; in England das Militärasyl zu Chelsea und die Königl. Irische Militärschule zu Dublin u. s. w. „Militäretat (Militärbudget) heißt der auf die gesamte Militärverwaltung bezügliche Teil des Staatshaushalts; doch werden in den verschiedenen Staaten sehr verschiedene Grundsätze bei der Abgrenzung der zum M. gehörigen Ausgaben angewendet. * Deutschen Reich bildet der M. einen Teil des Reichshaushalts, da nach Art. 58 der Reichsverfassung alle Kosten und Lasten des Kriegswesens von allen Bundesstaaten und ihren Angehörigen gleichmäßig zu tragen sind und Ersparnisse am M. nach Art. 67 der Reichskasse zufallen. Nur für Bayern wird seitens der Staatsregierung infolge der Reservatrechte ein Spezialetat aufgestellt über die Verwendung der im Reichshaushalt für das Königreich zu militärischen Ausgaben ausgeworfenen Mittel, und die Königreiche Sachsen und Württemberg besitzen eigene Militärverwaltung, die indessen an den Reichsmilitäretat gebunden ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 720Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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