Milz (lien oder splen), die große Blutdrüse der Wirbeltiere, welche in der linken Seite des Unterleibes im linken Hypochondrium unterhalb der Rippen liegt, nach oben an das Zwerchfell, nach unten an den Grimmdarm und die linke Nebenniere, nach rechts an den Magen grenzt. (S. die Tafel: Die Baucheingeweide des Menschen, Fisn II„ S, Bd. II, S. 565.) Sie ist halbeiförmig, länglichrund, an der nach außen gekehrten Seite leicht konvex, an der nach innen gerichteten leicht konkav, und hier treten an einem leichten Einschnitte (hilus linealis) die Blut⸗ und Lymphgefäße in die Drüse. Die M. besitzt beim Menschen eine Länge von 12, eine Breite von 8, eine Dicke von 3—4 em und ein Gewicht von 225 g. Durch bandartige Streifen (Milzbänder) ist sie an das Zwerchfell und den Magen angeheftet. Überzogen wird sie von einer Falte des Bauchfells, der sog. Milzkapsel. Ihr Gewebe ist in verschiedenen Nuancen blaurot bis bräunlichrot und besteht aus einem festen bindegewebigen Gerüstwerk (stroma), in dessen Maschenräumen das eigentliche Drüsengewebe der M., die sog. Milzpulpa, eingeschlossen liegt, die aus einem sehr seinen retikulären Fasernetz und zahllosen eigenartigen weißen Körperchen, den sog. Milzbläschen oder Malpighischen Körperchen zusammengesetzt ist; letztere stimmen hinsichtlich ihres feinern Baues mit den einfachsten Lymphdrüsen, den sog. Follikeln, überein. (S. Lymphe.) Die Funktionen der M. bestehen nach den neuern Untersuchungen hauptsächlich in der Neubildung von Lymphkörperchen, die in den Blutstrom übergeführt und hier in rote Blutkörperchen umgewandelt werden; daneben findet in der M. auch wahrscheinlich ein massenhafter Untergang älterer und unbrauchbar gewordener roter Blutkörperchen statt. (S. Lymphe.) Doch scheint das Organ für das Leben selbst nicht die hohe Bedeutung zu haben wie andere Drüsen (Leber, Nieren); denn man kann Tieren die M. ausschneiden, ohne daß diese, wenn sie die Operation überstanden haben, irgendwie in ihrer Thätigkeit und ihrem Befinden beeinträchtigt werden. Auch bei den Menschen hat man wiederholt die krankhaft entartete M. ohne Gefährdung des Lebens exstirpiert. Wahrscheinlich übernimmt mit dem Wegfall der M. ein anderes Organ (vielleicht das Lymphdrüsensystem) deren Funktion. Bemerkenswert ist, daß die M. bei allen schweren (fieberhaften) Krankheiten mehr oder minder Anteil nimmt, was sich durch ihre Anschwellung kundgibt, die bei einigen Krankheiten (Wechselfieber, Typhus) so beträchtlich ist, daß sie meist zur Erken1 der Krankheit dient.