Mineralreichs verwiesen werden. Die M. können von sehr mannigfachen Gesichtspunkten aus betrachtet werden. Zunächst als chem. Grundstoffe und bestimmte Verbindungen, unterschieden durch ihre Zusammensetzung und durch besondere äußere Eigenschaften, so namentlich durch Krystallform, Härte, spezifisches Gewicht, optisches Verhalten, Glanz und Farbe. Die Unterscheidung und Beschreibung der einzelnen Mineralarten, deren man über tausend kennt, ist Aufgabe der speziellen Mineralogie (s. d.). Sodann sind von Wichtigkeit die Untersuchungen über ihre geolog. Verbreitung, über die Gesetzmäßigkeit ihrer räumlichen Association, ihres Zusammenvorkommens und über ihre Bildungs⸗ und Entwickelungsgeschichte; letztere Forschungen gehören der Gesteinslehre oder Petrographie an, die einen Teil der Geologie oder Geognosie (s. d.) bildet. Die Lithurgik ist die Lehre von dem Gebrauch, welchen die M. zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse gewähren. Die Eigenschaften der M., welche den Hauptgegenstand einer wissenschaftlichen Beschreibung derselben bilden, sind dreierlei Art, indem sie sich auf die Form auf die physischen Qualitäten und auf den Stoff beziehen. Nach ihren morphologischen Eigenschaften zerfallen die M. zunächst in krystallisierte, d. h. nach bestimmten Gesetzen gestaltete, von regelmäßig verteilten und ursprünglichen Flächen begrenzte Individuen, deren Moleküle bestimmt und regelmäßig angeordnet sind „Maßen s. d.), sodann in krystallinische, d. h. f olche Massen, welche in ihrer äußern Formentwickelung gehemmte Individuen darstellen, deren physik.⸗molekulare Beschaffenheit aber mit derjenigen der Krystalle vollkommen übereinstimmt, und endlich in amorphe, d. h. diejenigen M., welchen neben der räumlichen Individualisierung auch das krystallinische Gefüge überhaupt abgeht, indem bei ihnen die gegenseitige Aggregation der Moleküle unregelmäßig und ordnungslos ist, und bei welchen (wie z. B. unter den Kunstprodukten bei dem Glas) Elasticität und Kohärenz nach allen Richtungen hin gleich wirken. Dahin gehören unter anderm die Opale, auch die wenigen flüssigen M., wie das gediegene Quecksilber. Manche, namentlich thonähnliche M. sind jedoch nur scheinbar amorph, indem sie aus einer sehr innigen Zusammenhäufung zartester mikroskopischer Teilchen von krystallinischer Natur bestehen. Die Individuen des Mineralreichs sind aber nur in verhältnismäßig seltenen Fällen ganz frei und ihrer Form nach vollkommen ausgebildet, in der Regel dagegen zu Aggregaten, d. h. zu Komplexen vereinigt, welche aus einer großen Anzahl neben⸗,/ über⸗ und durcheinander gewachsener, dichtgedrängter, verkrüppelter und verzerrter Individuen zusammengesetzt werden; so entstehen Mineralaggregate mit körnigem, schuppigem, schaligem, stängeligem Gefüge, welche in allerhand büscheligen, wulstähnlichen, fächerförmigen, kugeligen, traubigen, zapfenförmigen, cylindrischen u. s. w. Gestalten auftreten. Zu solchen Aggregaten gehören auch die als Umwandlungsprodukte früherer M. aufzufassenden sog. Pseudomorphosen. Eine große Bedeutung hat neuerdings den M. gegenüber das Mikroskop erlangt, vermittelst dessen man die feinern anatom. Strukturverhältnisse sowohl im frischen und unveränderten, als im umgewandelten Zustande untersuchen und wertvolle Schlüsse über die Entstehung ableiten kann. Vgl. Zirkel, Die mikroskopische Beschaffenheit der M. und Gesteine» (pz. 1873); Rosenbusch, Abtteen MR3 Physiographie der petrographisch wichtigen M.v (Stuttg. 1873); Hussak, «Anleitung zum Bestimmen der gesteinbildenden Mineralieno (Lpz. 1885). M. ist zunächst die mit der Kohärenz zusammenhängende gesetzmäßige Spaltbarkeit der Krystalle und krystalkinischen Massen wichtig, welche ein um so belangreicheres Merkmal abgibt, als sie von der vielgestaltigen Formentwickelung ganz unabhängig und dennoch stets konstant ist. Wird ein M. nach Richtungen zerschlagen oder zerbrochen, nach welchen keine Spaltbarkeit vorhanden ist, so zeigt sich der sog. t welcher muschelig, eben oder uneben, glatt, splitterig, erdig oder hakig sein kann. Die Härte der M. und ihr spezifisches Gewicht oder ihre Dichtigkeit sind gleichfalls physik. Eigenschaften, welche bei der Unterscheidung der einzelnen Arten mit don ersten Rang einnehmen. Im engsten Zusammenhang mit der morphol. Ausbildung der Krystalle des Mineralreichs steht ferner ein Teil ihrer optischen Eigenschaften, ihre einfache oder doppelte Strahlenbrechung, das Vorhandensein einer oder zweier optischer Achsen, ihr Verhalten gegen polarisiertes Licht, ihre Farbenverschiedenheit nach abweichenden Richtungen (Pleochroismus) u. s. w. Die Fortschritte der Physik haben der Mineralogie allmählich eine Menge von sinnreichen Instrumenten und Methoden zur optischen Prüfung der M. geliefert, wozu die verschiedenen Polarisationsapparate, Stauroskop, Dichroskop, die Instrumente zur Messung des Brechungsindex, des Winkels der optischen Achsen u. s. w. gehören, alles Apparate, die für die speziellere allseitige Untersuchung oder für die Diagnose der M. wichtig sind. (Bgl. Groth, «Physik. Krystallographie v, 2. Aufl, Lpz. 1885.) Andere optische Eigenschaften, welche mit der Krystallform nicht oder nicht so direkt zusammenhängen, sind der Glanz, bei welchem man den Grad und die Art (Metallglanz, Diamantglanz, Glasglanz, Fettglanz, Perlmutterglanz, Seidenglanz) unterscheidet, die Farbe, der Farbenschiller,‚ die Pellucidität oder das Vermögen, Licht hindurchder Arß Sodann gehören auch noch das Verhalten der Krystalle gegen die Wärme (Leitungsfähigkeit der Wärme, abweichende Ausdehnung nach verschiedenen Richtungen bei Temperaturerhöhung), die Elektricität, Phosphorescenz und der Magnetismus, welche manche M. zeigen, zu ihren physik. Eigenschaften. Bei der Betrachtung der chemischen Natur der M. kommen namentlich zwei Gegenstände in Betracht: die chem. Konstitution und die chem. Reaktionen. Was das chem. Wesen der M. anbetrifft, so sind dieselben entweder Grundstoffe (z. B. Gold, Silber, Kupfer, Arsen), oder Oxyde (3. B. Quarz, Zinnstein, Rutil, Eisenglanz, Saphir Magneteisen, Brauneisenstein), oder Schwefelmetalle (z. B. Eisenkies, Bleiglanz, Kupferkies, Fahlerz, Rotgültigerz, Zinnober), oder Haloidsalze (wie Steinsalz, Flußspat, Kryolith), oder Sauerstoffsalze (z. B. die große Zahl der Silicate, Carbonate Phosphate, Sulfate, auch Borate, Nitrate, Wolframiate, Titanate), endlich organische Verbindungen und deren Zersetzungsprodukte (die verschiedenen Kohlen und Erdharze). Die chem Konstitution eines M. kann nur durch eine genaue quantitative Analyse erkannt werden während die chem. Reaktionen bloß mehr oder weniger genau auf die Kenntnis seiner qualitativen Zusammensetzung fuhren. Diese letztern einfachen chem. Prüfungen werden entweder auf dem sog. trockenen oder auf dem nassen Wege vorgenommen. Bei der Untersuchungsmethode auf dem trockenen Wege bedient man sich des Lötrohrs, womit die Schmelzbarkeit, das Entweichen flüchtiger Stoffe, die Sublimation gewisser Substanzen, die Gegenwart einiger charakteristischer Metalle, die Färbung der Flamme, welche die erhitzte Probe liefert, auch die Produkte und Erscheinungen, welche sich beim Zusammenschmelzen mit andern Körpern (sog. Flüssen, wie Soda, Borax, Phosphorsalz) zeigen, ermittelt werden sollen. (Vgl. Plattner, «Probierkunst mit dem Lötrohry, 4. Aufl., herausg. von Richter, Lpz. 1865.) Bei der Prüfung auf dem nassen Wege handelt es sich um die Auflöslichkeit oder Unlöslichkeit eines