FeedMinotaurus
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Minotaurus, d. i. Stier des Minos, soll nach der Sage ein Sohn der Pasiphas und eines Stiers, ein Mensch mit einem Stierkopf gewesen sein. Ihn fütterte Minos im knossischen Labyrinth, in das er ihn gesperrt, mit den Jünglingen und Jungfrauen, welche Athen jährlich als Tribut liefern mußte, bis endlich Theseus mit Hilfe der Ariadne ihn tötete und Athen vom Tribut befreite. M. ist wohl als Symbol des phöniz. Sonnengottes anzusehen. Minsk, Gouvernement des westl. Rußland, von 91 405 qkm mit (1882) 1 451 074 E., wurde 1795 aus der vormaligen litauischen Wojwodschaft gleichen Namens und aus Teilen der Wojwodschaften Polock, Wilna, Nowogrudok und Brest-Litowsk zusammengesetzt. Es ist morastig, flach, mit ungeheuern, 55 Proz. des Areals einnehmenden Waldungen und mit Steppen bedeckt, hat noch Elentiere, Wölfe, Bären, Luchse, Wildschweine und Dachse in seinen Wäldern, sogar Biber, besonders in der Umgegend von Pinsk, und nur im Westen einige Gegenden, die für den Getreidebau geeignet sind. Die beiden Hauptnebenflüsse des Dnjepr sind der Pripet und die Beresina, und die ausgedehntesten Moräste die von Pinsk und Rokitno, wahre Einöden, aus Bruch- und Schilfgegenden bestehend. Im Frühjahr ist fast das ganze Land eine weite endlose Wasserfläche, wo der Verkehr nur durch Kahnschiffahrt unterhalten wird. Das Klima ist gemäßigt; im Sommer beträgt die mittlere Temperatur + 14 R., im Winter — 5,2“. Ein besonderes Produkt ist die hier häufig gesammelte sog. polnische Cochenille. Die Bevölkerung, aus Großrussen, Weißrussen, Kleinrussen, Litauern, Polen, Juden und Tataren gemischt, nährt sich kümmerlich von Jagd, Fischfang, Handel mit kleinen, wilden, mutigen Pferden und einigen Arbeiten in Wolle und Leder. Der Ackerbau bildet die Hauptbeschäftigung. Der Handel, durch die vielen schiffbaren Flüsse begünstigt, ist meist Transithandel und befindet sich ausschließlich in den Händen der Juden. Die Hauptstadt Minsk, am Flusse Swislotsch, einem Nebenflusse der Beresina, anmutig gelegen, Station der Eisenbahnen Moskau-Brest und Wilejka-Romny, ist der Sitz eines Civilgouverneurs, des griech.⸗russ. Bischofs von M. und Bobruisk und eines kath. Bischofs, hat eine berühmte Messe im März (die sog. Josephskontrakte), eine herrliche Kathedrale, sechs griech., acht kath. Kirchen, eine prot. Kirche, ein griech. und ein kath. Kloster, eine Synagoge, ein Seminar, ein 1722 gestiftetes Gymnasium, mehrere andere Schulen, vier Wohlthätigkeitsanstalten, zwei Theater, mehrere Fabriken und (1822) 43 995 E., die starken Handel treiben. M. kam 1793 an Rußland. Vom 3. bis 6. Juli 1881 brannte ein großer Teil der Stadt ab.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 755Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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