Haruspices (im Singular Haruspex) hießen bei den Römern die Weissager, welche die sog. Haruspicina übten. Diese war ursprünglich in Etrurien heimisch und begriff nicht nur die Weissagung aus den Eingeweiden der Opfertiere in sich, von welcher die H. ihren Namen «Eingeweideschauerhaben, sondern auch die Deutung der Blitze und anderer wunderbarer Erscheinungen (Prodigien), sowie die Kunde von den durch diese Zeichen geforderten Sühnopfern und andern Sühngebräuchen. In Rom, wo es für die verschiedenen übrigen Arten der Weissagung oder genauer der Erforschung des Willens der Götter und der Kunde der Mittel zur Abwendung des durch schlimme Zeichen angedrohten Unheils die öffentlichen Priesterkollegien der Augurn (s. d.) und Decemviri sacrorum (s. d.) gab, war die nicht bloß geduldete, sondern vom Staat anerkannte und benutzte Thätigkeit der etruskischen H. zumeist auf die Eingeweideschau beschränkt; doch wurden auch bei andern Zweigen der Divination nicht selten H. verwendet. In der Kaiserzeit machte sich neben ihrer Kunst vornehmlich die Astrologie der Chaldäer geltend. Kaiser Claudius begünstigte die H., und er war es vermutlich, der sie als förmliches, aus 60 Mitgliedern unter einem Magister bestehendes Priesterkollegium konstituierte. Noch unter den christl. Kaisern erhielt sich ihre heidnische Kunst. Haruspicina, s. unter Haruspices.