Mollusken (lat.) oder Weichtiere bilden eine große Tierklasse, welche alle diejenigen niedern rückgratlosen Tiere umfaßt, deren Nervensystem aus einem den Schlund umgebenden Ringe und asymmetrisch durch den Körper zerstreuten Nervenknoten (Ganglien) besteht, und die der Gliedmaßen entbehren. Sie haben einen weichen dehnbaren, ursprünglich symmetrischen Körper, der mit einem lose anhängenden, weichen, schlüpfrigen Hautsack (dem Mantel) umhüllt ist, der bei den meisten ein Kalkgehäuse absondert. Die Whermuitelt werden durch fleischige Organe (Fuß) vermittelt, die aus dem allgemeinen Hautmuskelschlauche hervorgehen. Man unterscheidet drei Hauptklassen: die Kopffüßler oder Kraken (Cephalopoda) mit im Kreise um den Mund gestellten, durch Saugnäpfe ausgezeichneten Armen; sie werden nach der Zahl ihrer Kiemen in Zwei-⸗ und Vierkiemer unterschieden; zu den erstern gehören unter den lebenden einzig und allein die Perlboote oder Nautilus (s. d., z. B. Nautilus pompilius, s. Tafel: Mollusken, Fig. 17), zu den letztern die Sepien (s. d., z. B. die gemeine Sepie, Sepia officinalis, Fig. 3) und das Papierboot (s. d., Argonauta argo, deren Männchen, Fig. 2). Die zweite, große Klasse, bilden die eigentlichen Schnecken (s. d., Cephalophora), mit. mehr oder weniger deutlichem Kopf, der die Sinnesorgane trägt, und einen der Bauchseite in der Mittellinie angefügten sog. Fuß; diese teilt man weiter ein in Bauchfüßer (Gastropoda), die teils Gehäuse tragen, teils (z. B. die Fadenschnecken, Acolis papiliosa, und die Bäumchenschnecken, Dendronotus arborescens, beide in Fig. 6) vollständig schalenlos erscheinen; bisweilen ist auch das Gehäuse sehr klein und dann (wie z. B. bei der Ackerschnecke, Limax agrestis, Fig. 8 und a einer Schale) im Mantel verborgen. Die meisten leben im Meere (3. B. das Wellhorn, Buccinum undatum, Fig. 1, das Brandhorn, Murex brandaris, Fig. 19), weniger Arten im Süßwasser (z. B. die gemeine Blasenschnecke, Physa fontinalis, Fig. 15), während andere sehr zählreich als Landschnecken, unter ihnen bei uns häufig die Hainschnirkelschnecke (Helix nemorosa, Fig. 11), die Schließmundschnecke (Clausilia laminata, Fig. 10) und die Mooswindelschnecke (Pupa muscorum, Fig. 18), außerhalb des Wassers wohnen. Eine zweite Gruppe der Bauchfüßer sind die meerbewohnenden Kielfüßer (Heteéropoda), bei denen der Fuß zum Teil in eine seitlich komprimierte Flosse verwandelt ist, wie bei der Schwimmschnecke (Pterotrachea coronata, Fig. 7), und eine dritte, die gleichfalls meerbewohnenden Flügelfüßer (Pteropoda), deren Fuß am Rande zu flügelartigen Flossen verbreitert ist, so z. B. beim Flossenfüßer (Hyalea tridentata, Fig. 13). Eine eigentümliche kleine Gruppe bilden die Kahnfüßer (Scaphopoda), die man in der Regel den Schnecken anreiht, bei denen ein eigentlicher Kopf, obwohl Tentakelen vorhanden sind, fehlt, der Fuß lang und zum Graben eingerichtet ist; die einfache röhrige Schale von Dentalium ist häufig in Sammlungen. Viele Forscher sehen in ihnen einen Übergang zu den Muscheltieren (s. d.), zu denen die Herzmuscheln (Cardium edule, ig. , die Klappmuschel (Spondylus spinosus, ig. 12), die eßbaren Mießmuscheln (s. d., Mytilus edulis, Fig. 9), die Flußperlmuschel (s. unter Ma lermuschel, Fig. 5) und die Bohrmuschel (Pholas crispata, Fig. 16) gehören. Die M. sind entweder getrennten Geschlechts oder sich selbst oder gegenseitig befruchtende Zwitter nur wenige gebären enthüllte Junge. Die meisten legen Eier, oft in Menge zusammen und dann oft zu traubenförmigen oder symmetrischen Gebilden vereint. So finden sich nicht selten in den Sammlungen die erbsengroßen, leeren, zusammengeballten, getrockneten Eier des Wellhorn. Die meisten M. bewohnen das Meer, wenigere das Land und noch wenigere die süßen Gewässer. Die auf dem Lande und in süßem Wasser, sowie die meisten auf hohem Meere lebenden M. haben gewöhnlich ein dünnes, leichtzerbrechliches Gehäuse; dagegen ist das Gehäuse der an der Küste lebenden oft dick und fest. Die meisten im Meere wohnenden M. scheinen auf tierische Nahrungsstoffe angewiesen zu sein; die Land⸗ und Süßwasserschnecken nähren sich meist von Pflanzen. Die Gefräßigkeit der letztern ist bekannt und bei den im Meere lebenden wahrscheinlich nicht geringer, ja die Tintenfische (Sepien) sind unersättliche und grimmige Raubtiere. Schädlich sind mehrere Landschnecken, besonders die nackten und gefräßigen Ackerschnecken, welche die den Menschen zur Nahrung dienenden Gewächse vernichten, ferner die Böhrmuscheln und Pfahlmuscheln (s. d.). Nützlich werden viele M. dadurch, daß sie als Nahrung dienen, wie die Tintenfische, Weinbergsschnecken, Austern, Napfschnecken, Herzmuscheln, Kammmuscheln, Mießmuscheln u. s. w. Die Flußperlmuscheln (s. unter Malermuscheln) und die Meerperlmuscheln liefern Perlen (s. Perlen) und Perlmutterschalen, und mehrere haben einen eigentümlichen Saft, der zum Färben benutzt wurde. (S. Purpur.) Die Tintenfische liefern die als Sepia bekannte braune Malerfarbe. Aus dem Barte (Byssus) der Steckmuschel (Pinna) verfertigt man um Tarent Geldbörsen, Handschuhe u. dgl., welche durch die braune, gold-oder grünglänzende Naturfarbe und Weichheit gefallen, aber hoch im Hamn stehen. Die Gehäuse der Porzellanschnecken, ammmuscheln, Schiffsboote u. a. werden zu Kunstarbeiten, Gefäßen, Löffeln, Dosen u. s. w. verwendet. In Siam, Birma und Guinea dienen die Kauris (s. d., Cypraea moneta, Fig. 14) als Scheidemünze. Auf die Bildung der Erdrinde haben die Schalmollusken einen großen Einfluß geübt. Über Manteltiere (Tunicata), Moostiere (Brvozoa) und die Armfüßer (Brachiopoda) s. unter Molluskoiden. Vgl. Classin, Deutsche Exkursions-Molluskenfaunay (4 Lfg., Nürnb. 1876— 7) und von Martens, Die Weich⸗ und Schaltierer (Lpz. u. Prag 1883).