FeedMonophysiten
ReligionBrockhaus 1882

Monophysiten (grch.) hießen die Anhänger einer vielfach verzweigten christl. Partei, die im Gegensatze zu der Lehre des Nestorius (s. d.) in der Verson Christi nur Eine, gottmenschliche Natur annahm. Der theol. Hauptvertreter dieser Lehre war der Patriarch Cyrillus von Alexandria, welcher auf der Synode zu Ephesus (431) die Verdammung der Gegenlehre, welche den Einen Christus in zwei Personen zerreiße, durchsetzte. Sein Nachfolger Dioskuros erlangte in Verbindung mit dem Archimandriten Eutyches in Konstantinopel die Bestätigung der Lehre von einer Natur auf der sog. Räubersynode zu Ephesus 449. Dagegen wurde Eutyches (s. d.) nebst allen seinen Anhängern auf der Kirchenversammlung zu Chalcedon 451, auf welcher die Gegenpartei die Oberhand hatte, als Ketzer verurteilt. Seitdem suchte man, wenn auch vergeblich, die rechte Mitte zwischen der Lehre des Eutyches und der des Nestorius festzuhalten, und fand dieselbe in der widerspruchsvollen Bestimmung des chalcedonensischen Symbols, daß in Christo zwei Naturen ohne Vermischung, Verwandlung und Trennung zu einer Person und Hypostase vereinigt seien. Aber die zahlreichen monophysitisch gesinnten Geistlichen in Agypten, Mesopotamien und Syrien weigerten sich, die chalcedonische Bekenntnisformel anzunehmen, und lösten sich, als die kaiserl. Regierung Gewalt gegen sie brauchte, förmlich von der Staatskirche los. Nach langjährigen, oft blutigen Kämpfen und vergeblichen Vermittelungsversuchen gelang es den M., besonders unter mohammed. Herrschaft, ihre Unabhängigkeit von der kaiserl. Orthodoxie zu behaupten. Doch zerfielen sie selbst über untergeordnete Fragen untereinander. Die Severianer, Anhänger eines abgesetzten Patriarchen Severus von Antiochia, behaupteten die Verweslichkeit des Leibes Christi; die Lobtrre erner oder Gajaniten verneinten sie. Letztere zerfielen wieder über die Frage: ob der Leib Christi erschaffen gewesen? in Aktisteten, die ihn für unerschaffen, und Ktistolatrer, die ihn für erschaffen hielten. Die Severianer, nach einem ihrer Bischöfe auch Theodosianer genannt, behielten endlich die Oberhand. Am stärksten blieben die monophysitischen Gemeinden in Agypten, Syrien und Mesopotamien, wo sie durch ihre besondern Patriarchen zu Alexandria und zu Antiochia eine kirchliche Ordnung erhielten und, nachdem der Syrer Jakob Baradäus (gest. um 578) ihre Kirchenverfassung befestigt 2— die selbständigen Kirchen der Jakobiten (s. d.) und Armenier bildeten. Zu den monophysitischen Kirchen gehören auch die abessinische und die koptische.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 827Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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