Montenegrinischer Hausorden, früher Kreuz Danilos J., jetzt Tschernagorischer Unabhängigkeitsorden genannt, zerfällt in drei Klassen: Großkreuze, Kommandeur und Ritter. Die Dekoration ist bei den erstgenannten ein blaues rotgerändertes Kreuz, auf einem silbernen Sterne liegend, bei den Kommandeuren ein schwarzes Kreuz mit weißer Einfassung, bei den Rittern ein schwarzes Kreuz mit rotem weißgeränderten Mittelschilde. Das Band ist weiß gewässert mit schmalen purpurnen Randstreifen. Montenegro, serb. Crna Gora (spr. Tsrna⸗), türk. Kara Dag (welche Namen alle «Schwarzer Bergo bedeuten), unabhängiges Fürstentum zwischen Dalmatien, Albanien und der Herzegowina. Im 14. Jahrh. umfaßte M. Nordalbanien, die Boecche di Cattaro und Teile der Herzegowina, doch blieb nach verschiedenen Kriegen mit Türken und Venetianern zu Beginn des 17.Jahrh. bloß die eigentliche Erna Gora (1300 qkm mit 30 000 C.) unabhängig. In der Folge vergrößerte sich M. beständig durch Eroberungen, sodaß sein heutiger Umfang 9450 (ohne Seefläche 9030) qkm beträgt, auf denen 240000 Seelen leben (nach Auswanderung von 35000 Mohammedanern und Katholiken). Davon entfallen 4315 qkm mit 170000 Seelen auf das M. in den Grenzen vor 1878. M. ist durchaus gebirgig. Bloß an der Moraca, Zeta, Crmnica, bei Niksié, Jezera, Grahowo u. s. w. finden sich kleine Ebenen. In der eigentlichen Crna Gora bestehen die Gebirge aus nackten grauen Felsen, in den Brda sind sie jedoch meistens bewaldet. Die höchsten Berge sind: Durmitor (2700 m), Kom (2430 m), (1759 m) u. s. w. Die bedeutendsten Flüsse sind: Moraca, Zeta, Bojana, Rijeka, Lim, Tara u. s. w. An Seen besitzt M. die Westhälfte des Skutarisees, nebst den darin liegenden Inseln, den Sassee und 12 kleinere. Das Klima ist in M. sehr verschieden. In der eigentlichen Crna Gora rauh und stark schwankend, gleicht es am Skutarisee dem von Rom, in den Brda dem von Tirol. Der Sommer ist drückend heiß, der Winter ebenso kalt. Die Temperaturschwankungen betragen oft 16e binnen 10 Stunden. Die Vegetation ist im eigentlichen M. kümmerlich: Strauchwerk, Krummholz, Sumach etc.; dagegen haben die Brda Ulmen, Erlen, Buchen, Eschen, Ahorn und Kiefern. Am Skutarisee gedeihen aber auch Palmen, Weiden, Maulbeerbäume, Nußbäume und Reben. Die Kartoffel ist erst seit 100 Jahren in M. eingeführt; sonstige Nutzpflanzen sind: Mais, Kohl, Zwiebeln, Tabak, Erbsen, Bohnen und Salbei. Die Fauna setzt sich zusammen aus Hasen, Wölfen, Bären (sehr selten), Schafen, Ziegen, Hammeln, Pferden, Maultieren, Ochsen und Kühen (letztere seltener), ferner Forellen, Lachse, Aale, besonders aber Scoranze, welch letzterer sardellenartige Fisch einen Hauptteil des montenegrinischen Handels bildet. Die Bevölkerung hat sich trotz der Kriege rasch vermehrt (hauptsächlich durch Zuzug und Eroberungen). Im J. 1612 gab es bloß 35 230 E., 1767 170 900 E. Die Montenegriner (serb. Ernogorci, Singular: Crnogorac (spr. Tsrnogoratz!]) sind größtenteils Serben von reinstem Blut, die sich zur griech.⸗russ. Kirche bekennen und den südlichen Dialekt des Serbischen in großer Reinheit sprechen. Bloß 7000 sind albanes. Nationalität und kath. Religion, etwa 3000 Mohammedaner (serbische und albanesische). Die höchste geistliche Würde im Lande besitzt der Metropolit von Cetinje. Die Katholiken stehen unter dem Bischof von Antivari. Die Montenegriner leben hauptsächlich von Viehzucht. Über Cattaro allein beträgt die jährliche Ausfuhr 164000 Hammel, 35000 Ziegen, 10000 Centner Käse, für 70 000 Fl. Fische. Außerdem kommen Häute, Kastradina (Pökelfleisch), Wolle, Honig, Sumach, Wein, Obst und Seide zur Ausfuhr. Der Viehstand wird auf 500000 Schafe, Ziegen und Hammel, 80000 Rinder, 10000 Schweine, 4000 Pferde und 40000 Bienen geschätzt. Die Weingärten liefern 75000 Eimer. Da der Montenegriner die Gewerbe verachtet, werden diese von Ausländern (meist Albanesen, Italiener, Zigeuner) besorgt. Die Ausfuhr beträgt etwa 2½—3 Mill. österr. Gulden, die Einfuhr höchstens ½ Mill. (Getreide, Lurxusartikel, Schießbedarf). Die Handelsmarine besteht aus 3 kleinern Dampfern und 30 Küstenfahrern, welche hauptsächlich nach Dulcigno zuständig sind. Das Kommunikationswesen läßt noch alles zu wünschen übrig. Außer der Fahrstraße Cetinje-Cattaro gibt es nur noch mehr oder minder elende Fuß⸗ und Saumpfade. Antivari und Dulcigno sind Dampferstationen des Österreichischen Lloyd. Die Telegraphenlinien sind 338 Em lang mit 15 Stationen. Das Schulwesen hat einen bedeutenden Aufschwung genommen. Die erste Schule wurde 1834 gegründet, zwei weitere unter Fürst Danilo; jetzt gibt es schon ein Realgymnasium, ein Lehrerseminar, ein Mädcheninstitut, 75 Volksschulen (4000 Schüler). In Cetinje besteht eine Staatsdruckerei. In den ältesten Zeiten war M. ein absolutes Fürstentum, erst in der Familie Balsa, dann in der Familie CErnojevié erblich. Von 1516 bis 1853 bildete es einen theokratischen Staat, regiert vom Vladika, dessen Gouverneur (upravitelj) und der Volksversammlung (kupstina). Seit 1853 ist es wieder absolutes Fürstentum und in der Familie Petrovic-Njegus erblich. Doch hat die Skupstina, welche bei besonders wichtigen Anlässen einberufen wird, großen Einfluß auf die Entscheidungen des Fürsten (jetzt Nikola J.). Das erste Gesetzbuch der neuen Ära bildete der 5. Mai 1855 erlassene Codex Danilo, welcher jedoch schon 1876, weil infolge der raschen Civilisierung M.s veraltet, durch den Codex Bogisié ersetzt wurde. Kleinere Staatsfragen werden von der kleinen Skupstina beraten, welche sich aus allen Angesehenen zusammensetzt. Der Senat ist seit 1879 durch den aus acht Mitgliedern bestehenden Staatsrat ersetzt, dem alle sechs Minister angehören. Auch wurde gleichzeitig ein aus sieben Mitgliedern bestehender oberster Gerichtshof eingesetzt und 40 Gerichte errichtet. Die Kriegsmacht beschränkt sich im Frieden auf die 100 Berittene (perjanici) umfassende Leibgarde und 3 Bataillone zu je 500 Mann. Für den Krieg ist M. in sechs Militärbezirke eingeteilt und hat jede Kapetanija ein Bataillon von 6 bis 11 Kompagnien zu stellen. Die Zahl aller Waffenfähigen beläuft sich auf 45—46000 Mann. In Rijeka besteht eine Pulver⸗ und Waffenfabrik sowie Kugelgießerei, in Cetinje eine Patronenfabrik. Das Wappen M.s ist der altserbische silberne Doppeladler, über dessen Köpfen die Krone des Serbenzaren Duschan schwebt; die Brust ist mit einem blauen Herzschild belegt, in welchem auf grünem Boden ein leopardierter goldener Löwe nach rechts schreitet. Die Landesfarben sind weiß und rot, die Standarte ist rot mit großem weißen Kreuz, in dessen Mitte die Buchstaben I. I.; die Kriegs⸗ und Handelsflagge ist rot-blauweiß, mit der Standarte in der obern Ecke. An Orden bestehen der 1853 von Danilo gegründete Va slobodu Crne Gorer (Für die Freiheit M.sy) in vier Klassen, sowie der Hausorden des heil. Peter (esvetog Petrao), außerdem die hochgeschätzte goldene Tapferkeitsmedaille des Milos Obilic (Obiliéao) und verschiedene silberne Medaillen (2a junastvo, Za vjeru i slobodu u. s. w.). Die Montenegriner sind eins der merkwürdigsten Völker Europas. Abgehärtet, kräftig und kriegerisch besitzen sie alle Tugenden eines Naturvolks, aber auch dessen Untugenden. Zwar steht die allgemeine Kultur noch auf niederer Stufe, doch hat das von Danilo begonnene, von Nikola durchgeführte Civilisationswerk schon reiche Früchte getragen. Die Häuser sind von Stein, haben selten Fenster und fast nie Schornsteine und bergen meist die ganze Familie samt den Haustieren in einer Stube. Alles ist noch patriarchalisch; der Alteste (starjesina) führt das Regiment über die Familie. Mehrere Familien bilden eine Bruderschaft(bratstvo), mehrere derselben ein Dorf (selo) oder einen Stamm (pleme), deren mehrere einen Bezirk (nahija) bilden. Die sog. „Städter sind: Cetinje (s. d.), Podgorica (4000.C.), Dulcigno (3000 E.), Antivari (2500 E.), Niksié (2500 E.) und Danilovgrad (1500 E.). Geschichte. Zur Zeit des serbischen Kaisers Dusan Silni (gest. 1356) taucht zuerst M. unter dem Namen eines Fürstentums Zeta und beherrscht von der Familie Balsié auf. Mit der Schlacht von Kosovopolje (1389) löste sich das Vasallenverhältnis derselben zum Serbenreiche und behaupteten die Balsié ihre Unabhängigkeit gegen Venetianer und Türken. Im J. 1421 starb der letzte Balsie und Stefan CErnojevis gründete eine neue Dynastie, welche im Verein mit Skanderbeg glorreich gegen die Türken kämpfte. Im J. 1516 dankte Gjuragi II. ab und übertrug dem Metropoliten Vavil die Regierung, M. damit in einen theokratischen Staat verwandelnd. Die ältere Geschichte M.s bildet eigentlich nur eine endlose Reihe von Kämpfen mit den Türken, welche es unaufhörlich, aber stets vergeblich versuchten, M. zu unterjochen. Im J. 1697 kam mit dem Vladika Danilo Petrovié Njegus die gegenwärtige Dynastie zur Regierung. (S. Niegus.) Danilo ließ 1702 alle in den Thälern wohnenden Renegaten umbringen und behauptete dann 33 Jahre lang unter beständigen glorreichen Kämpfen die Unabhängigkeit. Unter seinem schwachen Nachfolger Savo tauchte 1767 ein Abenteurer, Scepan Mali genannt, auf, welcher sich für den ermordeten Kaiser Peter III. ausgab, Anklang fand und gewissermaßen neben dem Vladika bis an seinen Tod (1774) regierte. Sein Nimbus trug dazu bei, daß M. den furchtbaren Angriff von 1768 (120000, nach andern gar 180000 Türken und 20000 Venetianer) siegreich abwehrte. Im J. 1782 begann mit der Regierung des heil. Peter I. für M. eine neue Ara. Durch die Vernichtung der 30000 Mann starken Armee des Kara Machmud von Albanien bei Kruse (1796) setzte er den großen Angriffen der Türken auf lange hinaus ein Ziel. Im J. 1796 erließ er ein Militärrecht, 1798 das erste Gesetzbuch. Im J. 1805 begann er seine Feldzüge gegen die Franzosen, welche mit der Eroberung der Bocche di Cattaro endigten und die Montenegriner bis Ragusa führten, doch gab er 1807 auf Wunsch Rußlands das Eroberte den Franzosen zurück. Im J. 1813 eroberte er von neuem die Bocche di Cattaro, trat sie jedoch abermals auf Wunsch Rußlands an Ssterreich ab. Siege über die Türken füllten seine sowie seines Nachfolgers Peters II. (1830—51) Regierung aus. Letzterer setzte die begonnene Civilisierung fort und erwarb sich den Ruf des hervorragendsten serb. Dichters des 19. Jahrh. Im J. 1852 trat Danilo die Regierung an, führte 1853 einen siegreichen Krieg gegen die Pforte, heiratete dann 1855 und hrach damit für immer mit der theokratischen Herrschaft. Er nannte sich nicht mehr Bischof, sondern Fürst und Herr des freien Montenegro und der Brdao. Im J. 1855 erließ er ein neues Gesetzbuch, 1858 eroberte er den Bezirk Grahowo, doch fiel er schon 1860 unter der Kugel eines Mörders. Ihm folgte sein Neffe Nikola (s. d.), welcher 1861 und 1862 einen gefährlichen Krieg mit der Pforte bestand, der indes glücklich endete und M. einen bedeutenden Gebietszuwachs brachte. Die folgenden Jahre verwendete Nikola zur Civilisierung der Montenegriner, nebenbei auch in den diplomatischen Verhandlungen mit der Pforte viel Geschick zeigend. Im J. 1875 unterstützte er heimlich den Aufstand in der Herzegowina, erklärte 1. Juli 1876 offen den Krieg und fiel in die Herzegowina ein. Doch der glänzende Sieg bei Vueidol wurde nicht benutzt und der weitere Feldzug beschränkte sich auf durchweg siegreiche Defensivschlachten. Am 2. Nov. kam es zu einem bis 13. April 1877 währenden Waffenstillstand. Im zweiten Feldzug erfochten die Montenegriner gleichfalls Sieg auf Sieg. Suleiman Pascha, welcher bei Niksié mit 26000 Mann eindrang und nach Cetinje wollte, wurde in einer neuntägigen Schlacht mit großem Verlust geschlagen und bei Spuz aus dem Lande getrieben. Dadurch retteten die Montenegriner indirekt die russ. Armee vor dem Rückzug über die Donau. Am 13. Nov. ergriff Nikola von neuem die Offensive, eroberte Antivari, Dulcigno und streifte bis Skutari. Am 31. Jan. 1878 machte ein Waffenstillstand dem Kriege ein Ende, während dessen die Montenegriner in 12 Schlachten, 10 Treffen und 50 Gefechten Sieger waren. Durch den Vertrag von San-Stefano wurden M. über 10000 akm mit 200000 Seelen zugesprochen, doch zog der Berliner Friede engere Grenzen. Da es bei Ausführung der Bestimmungen zu Kämpfen mit den Albanesen kam, wurde 18. April 1880 das Gebiet von Gusinje gegen Tuzi umgetauscht, doch als die albanes. Liga auch hier Widerstand leistete, 29. Nov. 1880 besetzt werden konnte. Litteratur. Frilley-Vlahovié, Le Monténégro contemporaino (Par. 1876); Gopéevié, M. und die Montenegrinerd» (Lpz. 1877; franz. Par. 1877); derselbe, «Der turko-montenegrinische Krieg 1876—785 (3 Bde., Wien 1879) und «Die Kämpfe der Montenegriner mit den Franzosen 1806 — 145 (Berl. 1879); Andrié, „Geschichte des Fürstentums M.y (Wien 1853); Schwartz, »Montenegrov 635. 1883); Kaulbars, «Montenegro» (russ., Petersb. 1883); Ducié, Crna Gorav (serb., Belgrad 1875).