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ErdkundeBrockhaus 1882

Montreal, Stadt in der Provinz Quebee der Dominion of Canada, die größte in Britisch-Amerika, liegt an der Mündung des Ottawa in den St. Lorenzstrom auf einer 44 kmelangen, 16 km breiten Insel am Fuße des 213 m über dem Fluß hohen Royal-Mountain, und ist schön gebaut, die Oberstadt schöner als die Unterstadt. Auf dem Markte steht die Statue Nelsons auf einer 10 m hohen Säule. Die prächtige, 1829 vollendete gotische kath. Notre-Damekirche mit sechs Türmen ist die größte Kirche in Nordamerika und nächst der Kathedrale in Mexiko die großartigste Kirche der Neuen Welt. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1881) auf 140 747, wovon 103579 Katholiken sind. Die Hälfte sind Franzosen. Die Stadt ist Sitz eines Bischofs und besitzt mehrere höhere Lehranstalten, seit 1828 auch eine engl. Universität. M. ist wichtig als Handelsplatz, namentlich auch als Hauptstapelplatz des Pelzhandels der Hudsonsbai-Kompagnie. Es verdankt seine Blüte seiner vortrefflichen Lage, indem es an dem Punkte erbaut ist, wo der Lorenzstrom für Seeschiffe fahrbar zu sein aufhört. Durch Eisenbahnen wird es mehrfach mit dem übrigen Canada und den Vereinigten Staaten verbunden. Die Grand-Trunk-Eisenbahn überschreitet hier den 2 Km breiten St. Lorenz auf der prachtvollen Victoriabrücke, einer der größten Hängebrücken der Welt, deren Herstellung 6½ Mill. Doll. ekostet hat. Dieselbe ist 1853—59 gebaut, 2804 m 7 und hat 24 Pfeiler mit Eisbrechern und 28 Bogen, einen von 107 m Spannung. Die Industrie ist bedeutend, ebenso der Handel und die Reederei, der Hafen schön und groß. Hier siedelte sich 1535 bei dem kleinen Irokesendorfe Hochelaga Jacques Cartier an; seine Gründung hieß Villemarie. Im J. 1688 richteten die Indianer ein fürchterliches Butbad unter den Franzosen zu M. an. Die Stadt wurde 1760, von welchem Jahre an sie M. hieß, den Franzosen unter Vaudreuil als ihr letztes Besitztum in Canada von den Engländern unter Lord Amherst entrissen. Am 23. Nov. 1775 ward sie von den Nordamerikanern unter Montgomery durch Kapitulation Carletons eingenommen, im Frühjahr 1776 aber wieder geräumt. Bis April 1849 war M. die Hauptstadt von Untercanada.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 853Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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