FeedMontpensier
GeschichteBrockhaus 1882

Montpensier (Anne Marie Louise von Orléans, Herzogin von), bekannt unter dem Namen Ma de moiselle und La grande Mademoiselleo, geb. zu Paris 29. Mai 1627, war die Tochter des Herzogs Gaston von Orléans (s. d.), Bruders Ludwigs XIII., und Marias von Bourbon, der Erbin des Hauses M. Als sich ihr Vater mit dem Prinzen von Condé verband, ergriff sie entschieden die Sache der Frondeurs. Im März 1652 schickte der Herzog seine Tochter nach Orléans, um die Stadt seiner Partei zu erhalten. An der Spitze der Truppen, zu Pferde und bewaffnet, drang sie in die Stadt. Noch wichtiger war der Dienst, den sie der Fronde 2. Juli desselben Jahres während des Treffens in der Vorstadt St.-Antoine zu Paris leistete. Die Bürger der Hauptstadt, die dem von Turenne hart bedrängten Condé die offnung der Thore verweigerten, wurden durch die Prinzessin zum Einlaß der Insurgenten bestimmt, welche dann die Kanonen der Bastille auf die nachdringenden königl. Truppen richten ließ. Die Eroberung der Stadt bewog sie zur heimlichen Entweichung. Sie ging auf ihr Schloß St.⸗Fargeau, wo sie eine Reihe geistreicher Männer um sich sammelte. Erst nach vier Jahren (1657) durfte sie an den Hof zurückkehren. Im Alter von 42 J. (1669) verliebte sie sich leidenschaftlich in den jungen und schönen Grafen von Lauzun (s. d.). Ludwig XIV. willigte auch im Nov. 1670 in die Vermählung, nahm dann aber sein Wort zurück, Lauzun wurde bald darauf einekerkert, und erst nach 10 un. nachdem die rinzessin dem Herzog von Maine, dem Sohn der Montespan, die Herrschaft Dombes und die Grafschaft Eu abgetreten, freigelassen. Er vergalt jedoch seiner großmütigen Geliebten das Opfer so schlecht, daß sie sich 1685 von ihm trennte. Sie starb 5. März 1693. Ihre Mémoireso (beste Ausg. von Cheruel, 4 Bde., Par. 1858) sind für die Geschichte der Fronde besonders wichtig. Ihr Universalerbe war der Herzog von Orléans, der Bruder Ludwigs XIV.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 853Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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