FeedMoral (vom lat. morées, die Sitten)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Moral (vom lat. morées, die Sitten), Moralität, moralisch, bezeichnet im allgemeinen alles, was sich auf Sitte und Sittlichkeit im menschlichen Leben bezieht; moralisch im engern Sinne nennen wir alles sittlich Gute. M. in besonderer Bedeutung heißt das klare und zugleich die Handlungen bestimmende Bewußtsein von Recht und Unrecht. Moralprinzip oder Maxime (s. d.) nennt man einen bestimmten Grundsatz der sittlichen Handlungsweise; manchmal braucht man dafür auch das Wort M. selbst, so wenn man von der Handlungsweise eines Menschen sagt, sie habe diese oder jene M., oder wenn man sagt, der eine habe eine andere M. als der andere. Auch bezeichnet man als die M. einer Fabel oder Erzählung die Lebensregel, welche darin ausgedrückt werden soll, oder auch die sittliche Gesinnung, welche daraus hervorleuchtet. Moralisieren heißt lehrhafte Betrachtungen über sittliche Gegenstände anstellen. M. oder Moralphilosophie bedeutet endlich auch die Wissenschaft vom sittlichen Leben oder die Ethik (s. d.). Für diese bedeutet Moralprinzip den sittlichen Grundgedanken, aus welchem alle andern Grundsätze des moralischen Lebens abgeleitet werden sollen. Moralischer Imperativ ist die Form, in welcher Kant dasselde aufstellte. Unter Moraltheologie verstand man früher die auf theol. Prinzipien gegründete Ethik; durch und seit Kant hat dies Wort den umgekehrten Sinn einer Wissenschaft erhalten, welche die Notwendigkeit des Glaubens an die religiösen Gegenstände lediglich auf moralische Gründe stützen will. In diesem Sinne nannte Kant die Ideen von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit moralische Postulate, und diese seine Deduktion hat man später denmoralischen Beweis für das Dasein Gottes u. s. w. genannt. Der Kernpunkt desselben ist die Berufung auf unsere Überzeugung von einer moralischen Weltordnung, als einem derartigen Zusammenhange der Dinge, daß dadurch die Erfüllung der von unserm sittlichen Bewußtsein gestellten Forderungen möglich gemacht wird. Im weitesten Sinne bezeichnet moralisch das gesamte geistige Leben im Gegensatz zum physischen so spricht man von moralischem, d. h. psychologischem Zwange im Gegensatze zur Anwendung physischer Gewalt, von moralischen Eroberungen im Gegensatz zu denjenigen der Waffen u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 859Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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