FeedMoreau (Jean Victor)
GeschichteBrockhaus 1882

Moreau (Jean Victor), berühmter General der franz. Republik, geb. 11. Aug. 1761 zu Morlaix in der Bretagne, wurde 1791 zum Führer des Freiwilligenbataillons von Rennes erwählt und entfaltete sehr bald, namentlich bei Pirmasens 1793, solches Talent, daß er 1794 bereits Divisionsgeneral war. Während er im Winter den rechten Flügel der Nordarmee über die gefrorene Waal führte und Menin und MYpern eroberte, mußte sein Vater zu Paris das Blutgerüst besteigen. Im J. 1795 führte M. Pichegrus rechten Flügel bei den Kämpfen in Holland. Das Direktorium verlieh ihm an Pichegrus Stelle 1796 den Oberbefehl über die 70000 Mann starke Rhein⸗ und Moselarmee, während Jourdan die Maas⸗ und Sambrearmee befehligte. Er drängte zunächst Wurmser bis Mannheim zurück, überschritt 24. Juni 1796 bei Kehl den Rhein, schlug Latour 5. Juli bei Rastatt, den Erzherzog Karl am 9. bei Ettlingen, drängte die Österreicher an die Donau und schloß mit Bayern 7. Sept. den vorteilhaften Vertrag von Pfaffenhofen ab. Durch Jourdans Niederlage wurde auch er zum Rückzug durch das Donauthal und über den Rhein gezwungen. Am 20. April 1797 überschritt er zwar wieder den Rhein und nahm Kehl und Offenbach; allein der Waffenstillstand von Leoben (23. April) machte Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. dem Kampfe ein Ende. Nach dem Staatsstreich vom 18. Fructidor verlor er sein Kommando, wurde aber, als 1798 der Krieg mit Osterreich wieder begann, in der Armee in Italien unter Scherer als Divisionsgeneral angestellt und übernahm im April 1799 nach den ersten Niederlagen den ihm von Scherer angebotenen Oberbefehl gegen die Osterreicher und Russen. Er wurde von Suworow 7. April bei Cassano geschlagen und zog sich ins Genuesische zurück, wo der an der Trebia geschlagene Macdonald seine Heerestrümmer ihm zuführte. Das Direktorium gab Anfang August Joubert den Oberbefehl. Indes blieb M. beim Heere und übernahm in der unglücklichen Schlacht bei Novi, als Joubert gleich anfangs fiel, nochmals den Oberbefehl, um die geschlagenen Truppen nach Frankreich zurückzuführen. Der Erste Konsul betraute M. 1800 mit dem Oberbefehl über die 90000 Mann starke Rheinarmee. M. schlug die osterreicher unter Kray bei Stockach, Engen, Möskirch, Bibrach und Memmingen, warf dieselben im Juni aus der festen Stellung bei Ulm und ging dann über die Donau. Nach den Siegen bei Hochstädt, Nördlingen und Neuburg drang er bis Regensburg vor, besetzte München und trat in Verbindung mit dem Heere Bonapartes in Italien. Über den Erzherzog Johann erfocht M. 3. Dez. den entscheidenden Sieg bei Hohenlinden, setzte über den Inn und die Traun, drang bis 75 kmvon Wien vor und schloß 25. Dez. mit dem Erzherzog Karl den Waffenstillstand zu Steyer, dem der Friede zu Luneville folgte. Die absolute Gewalt, welche Bonaparte beanspruchte, erregten jedoch M.s Eifersucht und seinen Ehrgeiz. Er trat gegen Bonaparte offen als Gegner auf und wies sogar das Kreuz der Ehrenlegion zurück. In der Untersuchung über den angeblich von Georges Cadoudal (s. d.) und Pichegru gegen das Leben des Ersten Konsuls gerichteten Anschlag kamen auch Aussagen gegen M. vor. Er wurde daher 15. Febr. 1804 verhaftet, des Hochverrats angeklagt und in dem Prozeß, der 26. Mai 1804 begann, trotz mangelhafter Beweise 10. Juni schuldig erklärt. Bei der Aufregung der Gemüter und der großen Beliebtheit M.s wagte jedoch Bonaparte nicht, das Todesurteil aussprechen zu lassen. M. wurde zu zweijähriger Einschließung verurteilt und begab sich freiwillig in den Temple. Schon nach einigen Tagen verwandelte man die Strafe in Verbannung, und Savary brachte den Gefangenen nach Cadiz. Hier schiffte sich M. 1805 nach Nordamerika ein, wohin ihm auch seine Famiblie folgte. Er kaufte sich zu Morisville bei Trenton in Neu-Jersey an und lebte zurückgezogen, bis er vom Kaiser Alexander 1813 aufgefordert wurde, zu ihm zu kommen und zum Sturze Napoleons mitzuwirken. In Gesellschaft eines russ. Agenten verließ er heimlich die Vereinigten Staaten, landete 26. Juli 1813 zu Götaborg, hatte 7. Aug. in Stralsund eine Zusammenkunft mit Bernadotte, dem Kronprinzen von Schweden, und ging dann über Berlin nach Prag 16. Aug. zum Kaiser von Rußland, den er auf dem Marsche gegen Dresden begleitete. In der Schlacht bei Dresden zerschmetterte ihm 27. Aug. 1813 auf der Höhe bei Räcknitz eine franz. Kanonenkugel an der Seite Alexanders beide Beine. Man amputierte ihn und schaffte ihn nach Böhmen, wo er zu Laun 2. Sept. 1813 starb. Der russ. Fürst Repnin, Gouverneur von Sachsen, errichtete ihm auf der Stelle, wo er gefallen, 1814 ein Denkmal, unter welchem man die Beine beisetzte; seine Leiche wurde nach Petersburg geschafft und dort unter großen Feierlichkeiten begraben. Auch Ludwig XVIII. ließ M. 1819 in Paris ein Denkmal errichten. Vgl. Beauchamp, Vie politique, militaire et privée du général M.o (Par. 1814): Chateauneuf, Iistoire de M.v(Par. 1814); „(M.s Leben und Feldzüge y (deutsch, Lpz. 1802); (M. und sein letzter Feldzug (Tüb. 1801).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 865Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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