FeedMetamorphose
PflanzenreichBrockhaus 1882

Metamorphose (grch.) wird in der Botanik die Veränderung genannt, welche ein und dasselbe Organ auf den verschiedenen Lebensstufen der Pflanze erleidet, wie das Blattorgan, welches zuerst als Samenblatt auftritt, dann als Laubblatt erscheint und immer weiter hinauf am Pflanzenstengel in Deckblatt, Kelchblatt, Blumenblatt, Staubblatt und Fruchtblatt umgewandelt wird. Ist dabei das Organ auf eine höhere, spätere Stufe der Ausbildung gehoben worden, so nennt man dies fortschreitende Metamorphose, z. B. die Veränderung des Laubblattes zum Kelchblatt, des Blumenblattes um Staubblatt etc. Tritt dagegen das umgekehrte erhältnis auf, werden z. B. Kelchblätter wieder zu Laubblättern, wie oft bei den Rosen, oder die Blumenblätter zu Kelchblättern, wie bei dem sog. Vergrünen der Blüten, oder die Staubblätter zu Blumenblättern, wie in gefüllten Blüten, so wird dies rückschreitende Metamorphose oder Anamorphose genannt. Goethe war der erste, welcher in seiner Schrift allber die M. der Pflanzer (Gotha 1790) die Lehre von der Pflanzenmetamorphose aufstellte; derselbe hat den Vorgang auch in dem Gedicht Die M. der Pflanzenv verherrlicht. In der neuern Morphologie faßt man den Begriff M. insofern etwas anders auf, als man damit die Veränderungen der einzelnen Organe im Lauf der phylogenetischen Entwickelungsreihe bezeichnet, während man solche Veränderungen in der ontogenetischen Entwickelung als Mißbildungen betrachtet. In der Zoologie versteht man unter Metamorphose eine Reihe von Entwickelungsvorgängen, die an einem und demselben Tierindividuum nach Ablauf des Eilebens unter eingreifender Umgestaltung seines Körpers und seiner Lebensweise stattfinden. Die M. ist entweder fort⸗ oder rückschreitend: die fortschreitende kann ein mehr oder weniger abgekürztes Spiegelbild des Entwickelungsganges sein, den die Ahnen der betreffenden Tierform im Laufe der Zeiten durchmachten (s.Biogenetisches Grundgesetz im Supplement), und so finden wir sie bei zahlreichen Krebsen, den ametabolen Insekten (s. unter Insekten), bei Fischen, Amphibien u. s. w.; oder es kann dieses Spiegelbild dadurch getrübt sein, daß die betreffenden Larven (s. d.) sich selb:ständig an äußere Umstände anpaßten, was bei sehr vielen Tieren, wie namentlich bei den metabolen Insekten (s. unter Insekten), der Fall ist, wo Larven und Puppen nun nicht etwa der Ausdruck von Ahnenreihen sind, die dem vollkommen entwickelten Insekt vorangingen. Mit Häckel nennt man die erste Art palingenetische, die letztere cenogenetische Metamorphose. Bei der rückschreitenden Metamorphose sind die Larven höher organisiert, als das definitive, geschlechtsreife Tier, und sie wird namentlich veranlaßt durch Parasitismus (s. d.) und festsitzende Lebensweise; sie findet sich bei Manteltieren (s. d.), Würmern, Krebsen, bei einigen Mollusken, Insekten u. s. w. Als eine Art bis zu einem gewissen Grad rückschreitender M. ist die sog. Hypermetamorphosezu betrachten, die namentlich bei einigen maiwurmartigen Käfern (Meloé, Sitaris) auftritt. Die Larven dieser verlassen die Eier als sechsfüßige, sehr bewegliche, relativ Heit organisierte Geschöpfe, kriechen auf Blumen, heften sich dann an honigsuchende Hymenopteren an, von denen sie sich in deren Nester tragen lassen. Hier gelangen sie in die Brutzellen, werden gewissermaßen zu Parasiten, verzehren zunächst das Ei der Biene, häuten sich, wobei sie unter Verlust der Extremitäten zu niedriger organisierten Maden werden, die sich von Honig ernähren, nach mehrern Häutungen sich einpuppen und endlich den wohlentwickelten Käfer liefern. Die M., als eine Entwickelung nach dem Eileben, erlaubt das Ablegen kleiner, daher zahlreicher Cier, und so wird sie bei möglichst großer Fruchtbarkeit der Mutter ein wichtiger Faktor für die Erhaltung der Art; für die Systematik ist sie von nur bedingtem Wert. Dieselbe ist nicht zu verwechseln mit denjenigen Formverschiedenheiten, die beim Generationswechsel (s. d.) verschiedene Individuen betreffen. der Rhetorik die Vertauschung des eigentlichen oder gewöhnlichen Ausdrucks mit einem bildlichen oder übertragenen. Sie dient, da sie die abstrakte Vorstellung durch ein versinnlichendes Bild bezeichnet, zur Veranschaulichung und Belebung des Gedankens und der Rede Überhaupt, z. B. «Hafenv statt Zufluchto, Wunder statt Kränkungs oder Verlusto, akalt v für «gefühllos v. Mehrere M. enthält der Anfang der Elegie Matthissons: „Schweigend in der Abenddämm'rung Schleier ruht die Flur, das Lied der Haine stirbt.v (Vgl. Trope.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 662Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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