FeedMöser (Justus)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Möser (Justus), berühmter Publizist und Historiker, geb. 14. Dez. 1720 zu Osnabrück, studierte 1740—42 zu Jena und Göttingen die Rechtswissenschaft und wirkte dann als Sachwalter in Osnabrück. Das Vertrauen seiner Mitbürger erhob ihn 1747 zu der wichtigen Stelle eines Advocatus patriae; auch ernannten ihn die Landstände zum Sekretär und zum Syndikus der Ritterschaft. Sein edler Charakter wie sein praktischer Sinn bewährten sich vorzüglich in den Drangsalen des Siebenjährigen Kriegs. M. war 20 Jahre hindurch, während der Minderjährigkeit des Herzogs Friedrich von York, der als prot. Bischof 1763 Osnabrück erhielt, der erste Ratgeber des Regenten. Von 1762 an war er als Justitiar beim Kriminalgericht in Osnabrück und, nachdem er diese Stelle 1768 niedergelegt, bis zu seinem Tod als Geheimreferendar bei der Regierung angestellt. Er starb 8. Jan. 1794 in Osnabrück. Mit Sachkunde, weitem Blick und feinem Humor schrieb er über Fehler und Verbesserung der Sitten, über öffentliche Einrichtungen, über Geschichte, Staats⸗ und bürgerliches Recht, und sowohl der innere Gehalt seiner Schriften als seine eigentümliche Schreibart sichern ihm unter den deutschen Prosaisten eine der ersten Stellen. Seine a Osnabrückische Geschichter (2 Bde., Osnahr. 1768; 2. umgearbeitete Aufl., Berl. 1780; 3. Aufl. 1820), die bis 1192 reicht, ist voll von scharfsinnigen und eindringenden Bemerkungen. Den dritten Teil dieses Meisterwerks, mit Urkunden, gab aus des Verfassers handschriftlichem Nachlasse Herburt von Bar (Berl. 1824) heraus. Ein wahres Nationalwerk sind seine Patriotischen Phantasieno (Osnabr. 1775 —86; 3. Aufl. von seiner Tochter J. W. I. von Voigts herausg., 4 Bde., Berl. 1804; neue Aufl., herausg. von Zöllner, Lpz. 1871). Dieselben entstanden aus den Intelligenzblättern, welche M. 1766—82 für Osnabrück schrieb. Auch M.s (Vermischte Schriftenv, die Fr. Nicolai nebst dessen Lebensbeschreibung herausgab (2 Bde., Berl. 1797 —98), enthalten zahlreiche Beweise seiner Menschen⸗⸗ kenntnis und seiner gesunden Laune, z. B. Harlelin, oder Verteidigung des Groteskkomischene (gegen Gottsched) und «üÜber die deutsche Sprache und Litteraturs (gegen Friedrich II.). Eine vollständige Ausgabe seiner Sämtlichen Werker (10 Bde., Berl. 1842—43) hat B. R. Abeken besorgt. Ein von Friedrich Drake gefertigtes ehernes Standbild wurde 12. Sept. 1836 in Osnabrück (auf dem Domplatz) enthüllt. Vgl. Kreyßig, »Justus M. v (Berl. 1857); Lodtmann, Genealogie der M.schen Familien (Osnabr. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 886Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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