FeedMühldorf
ErdkundeBrockhaus 1882

Mühldorf, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, früher eine salzburgische Grenzfeste, am Inn, über welchen eine 100 m lange Brücke führt, Station der Linien München-Simbach und Pilsting-Rosenheim der Bayrischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Bezirksamts und eines Amtsgerichts, hat einen Eisenhammer und (1880) 2666 E. Der Ort ist denkwürdig durch die Schlacht, in welcher 28. Sept. 1322 König Ludwig der Bayer seinen Gegenkönig, Herzog Friedrich von Ssterreich, besiegte und gefangen nahm. Die Ssterreicher waren bei M. über den Inn gegangen und hatten sich auf den Anhöhen zwischen diesem Städtchen und dem Dorfe Ampfing gelagert; Ludwig rückte ihnen dahin entgegen. Obgleich nun König Friedrich anfangs die Ankunft seines Bruders Leopold, der mit neuen Truppen aus Schwaben unterwegs war, erwarten wollte, so beschloß er dennoch, auf die Kunde, daß das kleine Heer Ludwigs sich täglich durch den Zuzug frischer Kriegsvölker verstärke, und trotz der Abmahnung seiner Ritter die Schlacht, teilte sein Heer in vier Haufen, deren zweiten er selbst befehligte, und führte dasselbe 28. Sept. 1322 auf die Vehenwiese bei Ampfing zum Angriff. Auf bayr. Seite leitete Ludwig die Schlacht nicht selbst; den Oberbefehl führte der König Johann von Böhmen. Schon dem Unterliegen nahe, gewannen die Bayern den Sieg, als der Burggraf Friedrich von Nürnberg mit einer Schar frischer Reiter aus einem Hinterhalt dem Feind in die Flanke fiel. Die Österreicher, welche ihn erst für den ihnen zu Hilfe eilenden Herzog Leopold hielten, wurden gänzlich geschlagen, König Friedrich selbst gefangen und König Ludwig gewann die Krone. Die erst spät auftauchende Sage von der Führung des Ritters Schweppermann (f. d.) ist völlig unbegründet. Die Schlacht von M. wird auch Schlacht von Ampfing genannt. — Am 25. Aug. 1257 erlitt König Ottokar von Böhmen bei M. eine entscheidende Niederlage.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 908Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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