FeedSchweppermann (Seyfried)
GeschichteBrockhaus 1882

Schweppermann (Seyfried), ein durch seine Kriegserfahrung berühmter Ritter, stammte aus einem Patriciergeschlechte zu Nürnberg. An der Spitze der fränk. Hilfstruppen zog er 1315 mit dem Burggrafen Friedrich von Nürnberg dem 20. Okt. 1314 zum deutschen König erwählten Herzog von Bayern, Ludwig IV., gegen den gleichfalls 19. Okt. zum König ernannten Herzog von Osterreich, Friedrich III., zu Hilfe. Sieben Jahre wurde mit abwechselndem Glücke, meist in kleinern Gefechten, um den Besitz der deutschen Königskrone gekämpft, und endlich 28. Sept. 1322 durch die Schlacht bei Mühldorf (f. d.) der Sieg zu Gunsten Ludwigs entschieden, welcher nun in den Alleinbesitz der Königskrone trat. Nach einer vielfach verbreiteten Sage sollte S, als der Sieg bereits geschwankt und sich auf die Seite Friedrichs III. geneigt, den Oberbefehl über die gesamten Truppen Ludwigs übernommen, die flüchtigen Bayern wieder zum Stehen gebracht und den Sieg für Ludwig entschieden haben. Als am Abend nach dem Siege für die königl. Tafel nichts als ein Korb voll Eier aufgefunden wurde, sollte Ludwig diese mit den Worten verteilt haben: Jedem ein Ei, dem frommen Schweppermann zwei!d Diese Worte fanden sich in der That auch als Grabschrift S.s, welche im Kloster Castell (im jetzigen bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz zwischen Neumarkt und Amberg) zu Anfang des 18. Jahrh. noch sichtbar war. Dessenungeachtet haben neuere histor. Forschungen ergeben, daß der Sieg bei Mühldorf keineswegs durch S. entschieden wurde, und daß der Ausspruch Ludwigs entweder apokryph ist oder doch nicht von jenem Abend datiert. Die Entscheidung des Siegs wurde vielmehr durch den kaiserl. Feldhauptmann Graf Konrad von Schlüsselburg herbeigeführt; die Urkunden erwähnen nicht einmal die Anwesenheit S.s in der Schlacht bei Mühldorf, und auch die Grabschrift enthielt nichts von seiner Teilnahme an dieser Schlacht. Dagegen enthalten die Urkunden die Mitteilung, daß S. 1318 den Sieg bei Guntersdorf oder Gammelsdorf (im jetzigen Regierungsbezirk Oberbayern) entschied und für den in diesem Gefecht erlittenen Schaden von Ludwig die Burg zu Grunsberg für 300 Pfund Denare verpfändet erhielt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 604Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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