Ludwig IV. oder der Bayer, röm. Kaiser 1314—47, der Sohn Ludwigs des Strengen, Herzogs von Bayern, geb. 1286, wurde nach Heinrichs VII. Tode 1314 von fünf Kurfürsten zum König erwählt, während die übrigen für den Herzog von Osterreich stimmten. Zu Wien erzogen, folgte er 1294 seinem Vater unter Vormundschaft seiner Mutter, Mathilde von Habsburg, wurde 1300 Mitregent seines ältern Bruders Rudolf und erhielt 1310 bei der Teilung den Landstrich am linken Ufer der Isar. Zwischen den beiden Gegenkönigen L. und Friedrich brach bald ein Bürgerkrieg aus, der acht lang Deutschland verheerte. Selbst die bei Mühldorf in Bayern 1322 glorreich gewonnene Schlacht und die Gefangennehmung Friedrichs bei dieser Gelegenheit vermochten den Krieg nicht zu beendigen, weil Friedrichs Bruder Leopold und der Papst für sich den Kampf fortsetzten. L. hatte inzwischen seinen Bruder Rudolf von der Pfalz, der zur Wahl Friedrichs geholfen hatte, 1317 vertrieben und dessen Länder in Besitz genommen, bis er nach dem Tode desselben mit dessen Söhnen 1329 einen Vergleich einging, kraft dessen er ihnen die Rheinpfalz und die Oberpfalz einräumte, welche fortan von Bayern getrennt blieben. Im J. 1322 verlieh er seinem ältesten Sohne Ludwig die erledigte Mark Brandenburg und unterstützte, um den siegreichen Fortschritten des Papstes in Oberitalien Einhalt zu thun, die hartbedrängten Visconti, die dadurch den Sieg über die guelfische Partei in der Lombardei errangen. Papst Johann XXII. schleuderte nun nicht nur 1324 den Bannstrahl gegen L., sondern wiegelte auch die Polen und Russen auf, die in Brandenburg einfallen mußten, und knüpfte zwischen den Habsburgern und Frankreich gegen L. ein heimliches Bündnis. Dies bewog L., sich mit Friedrich auszusöhnen und diesen unter der Bedingung der Thronentsagung und Ausantwortung der besetzten Städte und Reichsgüter in Schwaben freizulassen; andererseits verpflichtete er den König Johann von Böhmen durch ein Bündnis zum Kampfe gegen die Polen. Da aber Friedrich, durch seinen Bruder Leopold verhindert, die versprochenen Bedingungen nicht erfüllen konnte, kehrte er zu L. zurück, der durch solche edle Treue gerührt, mit ihm die Herrschaft zu teilen beschloß, eine Absicht, die jedoch nicht zur Ausführung kam. Schon 1327, als L. nach Italien zog, trat neue Entzweiung ein, so daß Friedrich von seiner röm. Königswürde keinen weitern Gebrauch mehr machte. L. ließ sich in Mailand zum König von Italien, in Rom 17. Jan. 1328 von dem dortigen Volkshaupte Sciarra Colonna zum Kaiser krönen, bestrafte den verräterischen Galeazzo Visconti und setzte an Johanns XXII. Stelle Nikokaus V. als Papst ein. Eine Empörung der Römer und andere gefahrdrohende Bewegungen in Italien nötigten ihn aber, 1329 nach Oberitalien, dann 1330 nach Deutschland zurückzueilen, wo er nach dem Tode Friedrichs durch Vermittelung Johanns von Böhmen sich mit den andern Herzögen von Osterreich aussöhnte. Minder glücklich wirkte indes Johann für eine Aussöhnung zwischen dem Papste Johann XXII. und dem Kaiser, welcher selbst so wenig von der Gerechtigkeit seiner Sache überzeugt war, daß er 1333 sogar abdanken wollte. Der Einfluß der franz. Staatskunst auf die jetzt zu Avignon residierenden Päpste machte auch alle Versuche einer friedlichen Ausgleichung mit Benedikt XII. fruchtlos, sodaß die deutschen Fürsten auf dem Kurvereine zu Rense am Rhein, 15. Juli 1338, einmütig den Beschluß faßten, edaß, wer auf rechtmäßige Weise von der Mehrheit der Kurfürsten auf den deutschen Thron Taer worden, für einen wahren und rechtmäßigen Kaiser und König zu halten sei, ohne erst der Einwilligung und Bestätigung des Papstes zu bedürfenv. Außer Brandenburg nahm L. 1341 ohne Rücksicht auf seine Vettern die Länder Heinrichs von Niederbayern in Besitz, schied 1342 Margarete Maultasch eigenmächtig von ihrem Gemahl Johann Heinrich, einem Sohne Johanns von Böhmen, und vermählte sie mit seinem Sohne, dem Markgrafen Ludwig von Brandenburg, brachte mit ihr Tirol an sein Haus und erwarb endlich durch seine Gemahlin Margareta, die Schwester des kinderlosen Grafen Wilhelm IV. von Holland, 1346 auch die erledigten Länder Holland, Seeland, Friesland und Hennegau. Freilich zog er sich durch die unrechtmäßige Erwerbung Tirols die erbittertste Feindschaft Johanns von Böhmen und dessen Sohns Karl zu. Nach dem Tode Benedikts XII. sprach der neue Papst Clemens VI. am Gründonnerstage 1346 aufs neue den Bann über L. aus, forderte die deutschen Fürsten zu einer neuen Königswahl auf, entsetzte den L. befreundeten Erzbischof von Mainz, vergab den erzbischöfl. Stuhl an den Grafen Gerlach von Nassau und wußte durch diesen einen Teil der übrigen deutschen Fürsten so zu gewinnen, daß sie 11. Juli 1346 zu Rense an L.s Stelle den Sohn Anrren⸗ von Böhmen, Markgrafen Karl von Mähren, als Karl IV. (s. d.) zum Kaiser wählten. Zwar konnte es Karl nicht zur Anerkennung bringen; doch L. starb plötzlich auf einer Bärenjagd bei Fürstenfeld, unfern München, 11. Okt. 1347. Er wurde in der Frauenkirche zu München begraben, wo ihm 1622 Kurfürst Maximilian I. ein Denkmal errichtete. An der Stelle, wo er starb, ließ Maximilian Joseph eine marmorne Spitzsäule setzen. Vgl. Fr. von Weech, «Kaiser L. der Bayer und König Johann von Böhmeno (Münch. 1860); Döbner, Die Auseinandersetzung zwischen L. IV. dem Bayer und Friedrich dem Schönen von Ssterreich' (Gött. 1875); C. Müller, Der Kampf L. von Bayern mit der röm. Kurier (2 Bde., Tüb. 1879); Preger, «„Beiträge und Erörterungen zur Geschichte des Deutschen Reichs 1330—34 (Münch. 1880); derselbe, Anfänge des kirchenpolit. Kampfes unter L.v (Münch. 1882); derselbe, «Verträge L.s von Bayern mit Friedrich dem Schöneno (Münch. 1883); Mühling, «Die Geschichte der Doppelwal des Jahres 1314 (Münch. 1889).