FeedMüller (Friedr. Max)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Müller (Friedr. Max), ausgezeichneter Sprachforscher und Sanskritist, Sohn des Liederdichters Wilh. M., geb. 6. Dez. 1823 zu Dessau, besuchte die Nikolaischule und die Universität in Leipzig, wo er durch Herm. Brockhaus auf das Studium des Sanskrit hingeleitet wurde und eine Übersetzung des Hitopadega (Lpz. 1844) veröffentlichte. Darauf ging er nach Berlin und 1845 nach Paris, dort unter Bopps, hier unter Burnoufs Leitung seine Studien fortsetzend. Im J. 1846 begab er sich nach England, wo ihm von der Ostindischen Kompagnie die Herausgabe des Rig-Veda mit dem Kommentar des Säyana (6 Bde., Oxford 1849—74) übertragen wurde. Daneben veröffentlichte er eine Ausgabe ohne Kommentar (2. Aufl., Lond. 1877) und den ersten Band einer übersetzung: Rig Veda Sanhità, the sacred hymns of the Brahmanso (Lond. 1869). Seit 1850 in Oxford, wo er an der Universität den Auftrag erhielt, Vorlesungen über Litteraturgeschichte und vergleichende Grammatik zu halten, wurde er 1851 Ehrenmitglied der Universität und des Christ-Church-College, erhielt 1854 eine ord. Professur der neuen Sprachen und Litteratur und trat 1856 als Mitglied in das Kuratorium der Bodleianischen Bibliothek, an welcher er von 1865 bis 1867 auch als orientalischer Bibliothekar wirkte. Im J. 1858 ward er zum Fellow von All-Souls-College erwählt. Im J. 1868 stiftete die Universität Oxford eine Lofessut der vergleichenden Philologie und ernannte M. zum ersten Professor. Im Sommer 1872 hielt er zu Straßburg einen Kursus Vorlesungen über die Resultate der Sprachwissenschaft. Im J. 1875 legte M. seine Professur nieder, blieb aber in Oxford, um im Auftrag der Universität eine Reihe von Übersetzungen der heiligen Bücher des Orients herauszugeben. Von seinen Arbeiten sind ferner hervorzuheben: eine übersetzung von Kalidasas «Meghaduta (Königsb. 1847),(History of ancient Sanskrit literaturer (Lond. 1859; 2. Aufl. 1860), eine zweite Ausgabe des Rig-Veda (Bd. 1, Lpz. 1856, den Text des ersten Mandala, sowie vollständigen Text und Üübersetzung des Pratiçakhyay, des ältesten Lehrbuchs der vedischen Phonetik, enthaltend); eine Textausgabe des (itopadecan mit lat. Transstription, Interlinearübersetzung und grammatikalischer Erklärung, sowie eine Grammatik der Sanskritsprache (1866; 2. Aufl. 1870, deutsch von Kielhorn und Oppert). Von sprachwissenschaftlichen Untersuchungen erschienen: ESsay on Bengalee and its relation to the Aryan languageso (in den Transactions of the British Associationo, 1847), On the comparative philology of the Indo-European lan. guages in its bearing on the early civilisation 0f mankindo (1849 vom Französischen Institut mit dem Volneyschen Preis gekrönt), «Suggestions on learning the languages of the seat of vVar in the Easty (Lond. 1854), erweitert unter dem Titel: & survey of languagesv (1855), Proposals for a missionary alphabety (Lond. 1854), Letter to Chevalier Bunsen on the classification of the Turauian languageso (in Bunsens «Christiauity and mankindo, Lond. 1854), ESssay on comparative mythologys (Lond. 1858) u. s. w. M.s Vorlesungen an der Royal Institution in London erschienen unter dem Titel Lectures on the science of languagev (Lond. 1861; neue Serie 1864 12. Aufl. 1882; deutsch bearbeitet von Böttger, 1. Serie, 3.Aufl., Lpz. 1875,2. Serie, 2. Aufl., Lpz. 1870). Seine in Zeitschriften veröffentlichten Aufsätze gab M. gesammelt als «Chips from a German workshopo (4 Bde., Lond. 1868 — 75; deutsch: «Essaysv, 4 Bde., Lpz. 1868 —76) und „Selected Essayso (2 Bde., Lond. 1881) heraus. Im J. 1873 hielt er auf Wunsch des Deans von Westminster, A. P. Stanley, eine Missionsrede in der dortigen Abtei; dieselbe erschien unter dem Titel «On Missionsd (1873; deutsch Straßb. 1874). Später veröffentlichte er «Schillers Briefwechsel mit dem Herzog Friedrich Christian von Schleswig-Holsteinv (Berl. 1875) und eine Biographie Basedows (Lpz. 1877). M.s im J. 1878 infolge einer Aufforderung der Hibbert Trusteées im Chapterhouse der Westminsterabtei gehaltenen Vorlesungen über die Geschichte der nichtchristlichen Religionen erschienen als Lectures on the origin and growth of religion as illustrated by the religions of India (Lond. 1878; deutsch, Straßb. 1880) und wurden in die meisten der modernen Sprachen Indiens übersetzt; die 1822 auf eine Einladung der Universität zu Cambridge entstandenen Vorlesungen kamen als «India what can it teach us 25 (Lond. 1883; deutsch, Lpz. 1884) heraus. Im J. 1885 wurde die erste Serie der «Sacred books of the Easty (25 Bde.) beendigt und eine neue angefangen. Von großer Bedeutung sind auch die von M. in den Anecdota Oxoniensia herausgegebenen buddhistischen Sanskritterte aus Japan (Vajrachedikäo, 1881, „Sukhàvativ, 1883, The ancient Palm-Leaveso u. s. w. 1884). Außerdem schrieb er Biographical Essaysv (Lond. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 915Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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