Müller (Joh. Gotthard von), einer der ausgezeichnetsten deutschen Kupferstecher, geb. 4. Mai 1747 zu Bernhausen bei Stuttgart, besuchte das [Gymnasium zu Stuttgart und nahm zugleich teil „an dem Unterricht in der vom 1 Miain errichteten Kunstakademie unter Guibal. M. ging dann 1770, nach Paris, wo er unter Willes Leitung sich fortbildete und 1776 als Mitglied der Akademie der Künste angenommen wurde. Noch in demselben Jahre berief ihn der Herzog nach Stuttgart zurück und ernannte ihn zum Professor der daselbst von ihm zu begründenden Kunstschule. Durch Verleihung des Ordens der württemb. Krone wurde er 1818 des persönlichen Adels teilhaftig. Er bildete zu Stuttgart eine Menge trefflicher Künstler, darunter namentlich seinen vor ihm verstorbenen Sohn, Johann Friedrich Wilhelm Müller (s. d.), und starb daselbst 14. März 1830. Von seinen Meisterwerken im histor. Fache sind zu erwähnen: Lot und seine Töchter, nach G. Honthorst; die Schlacht bei Bunkershill, nach Trumbull; die Madonna della Seggiola, nach Rafael, und die heil. Cäcilia, nach Domenichino; die heil. Katharina, nach Lionardo da Vinci, und die Heilige Jungfrau mit dem Kinde, nach L. Spada, sein letztes Werk. Seine berühmtesten Porträts sind die Ludwigs XVI. im Krönungsornat, des Malers Graff, Dalbergs, Schillers und des Königs Hieronymus. Ein beschreibendes Verzeichnis seiner Stiche, sowie auch der seines Sohnes, hat Andresen (Lpz. 1865) geliefert. M. gehört zu den Reformatoren der Grabstichelmanier, verfügt aber auch über die ganze Effektwirkung der malerischen Technik seines Fachs.