FeedMultan (engl. Mooltan)
ErdkundeBrockhaus 1882

Multan (engl. Mooltan), eine Division der Lieutenant-Gouverneurschaft Pendschab des brit.⸗ ind. Reichs, mit einem Areal von 52277 qlem und 1474575 C., sowie ein Distrikt davon mit einem Areal von 15233 àlem und 471563 E. Die Hauptstadt Multan liegt in fruchtbarer Gegend, 5 km vom linken Ufer des Tschinab, in der Mitte großer Trümmermassen. M.,, früher eine der stärksten Festungen Asiens, hat mehrere Moscheen, einen hoch in Ehren stehenden schönen Hindutempel, welcher nebst den Gräbern zweier ouPilhennt Heiligen alljährlich eine große Menge von Pilgern aus allen Gegenden Indiens herbeizieht und zählt (1881) 68674 E., die Seiden⸗,Teppich⸗, Shawl⸗, Brokat- und Zitzmanufakturen unterhalten und auch ansehnlichen Handel treiben. Die Stadt war einst viel bedeutender, ist aber durch 1 Berenian sehr heruntergekommen. Ihre frühern Befestigungen wurden 1849 teils von den Engländern abgebrochen, teils durch eine furchtbare ÜUberschwemmung zerladt M. soll auf den Trümmern der alten Haupttadt der Malli (zu Alexanders d. Gr. Zeiten) stehen. Die Araber unter Kasim eroberten sie 711 für den Kalifen Walid. Nebst der benachbarten Festung Bhadia wurde sie 1004 vom Sultan Mahmud I. von Ghasna erobert und zerstört. Im J. 1398 nahm sie Timur nach sechsmonatlicher Belagerung. Unter Akbar d. Gr. ward sie im 16. Jahrh. Hauptstadt des gleichnamigen Vizekönigreichs und erhielt 1640 von Schah-Dschehan die Festungswerke, die Aureng-Zeyb noch verstärkte. Später kam sie an die Afghanen, bildete eine eigene Provinz von deren Reich, wurde aber 18¹⁸ von Rundschit-Singh erobert, dem Reiche der Silhs einverleibt und wiederum Hauptstadt einer Statthalterschaft. Während der Anarchie, die auf dessen Tod 1839 folgte, war M. bereits zum Aufstand geneigt, der während des Kriegs der Briten offen ausbrach, unterwarf sich aber nach dem Frieden von Lahore (22. Febr. 1846) und weigerte nur Tributrückstände. Ihr Statthalter, Mulradsch, sollte daher im Frühjahr 1848 abgesetzt werden. Die zwei brit. Offiziere, welche seinen designierten Nachfolger, Chan-Singh, von Lahore aus nach M. führten, wurde indessen 29. April verräterisch ermordet. Hierauf erklärte sich Mulradsch für unabhängig und wiegelte die benachbarten Afghanenstämme auf. Sein Heer ward jedoch 18. Juni bei Ahmedpur und er selbst 1. Juli bei dem Dorfe Sadusan geschlagen, sodaß er sich kaum in seine Hauptstadt retten konnte. M. wurde nun vom General Whish eingeschlossen und im Jan. 1849 erobert. Mulradsch starb im Aug. 1851 auf dem Transport von Kalkutta nach Allahabad.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 922Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6